Deutsche Schulen weisen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Das KfW-Kommunalpanel 2026 belegt, dass jede zweite Kommune im aktuellen Jahr plant, Mittel aus dem Sondervermögen in den Bereichen Schulen und Straßen einzusetzen. Etwa 24 Prozent dieser Mittel sind für die Schulinfrastruktur vorgesehen. Melanie Waldmann, Geschäftsführerin und Bauingenieurin der mayer bährle GmbH, weist darauf hin, dass Kommunen somit erhebliche Summen in die Modernisierung von Bildungseinrichtungen investieren, die oft aus den 1950er- bis 1970er-Jahren stammen. Diese Gebäude entsprechen aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz, Barrierefreiheit, Digitalisierung und moderne Lernkonzepte vielfach nicht mehr.
Die Notwendigkeit von Sanierungen, Um- oder Neubaumaßnahmen steht im Konflikt mit der Prämisse, Unterrichtsausfälle zu vermeiden und gleichzeitig Kosten- sowie Terminpläne einzuhalten. Eine Schulsanierung ist daher als ein komplexes Infrastrukturprojekt mit zahlreichen Schnittstellen zu betrachten. Neben Architektur und Bauausführung müssen Aspekte wie Umzüge, Interimslösungen, Kommunikation und Logistik frühzeitig geplant und professionell gesteuert werden.
Interimslösungen und Nachnutzung
Bei umfassenden Sanierungen bedarf es häufig einer teilweisen oder vollständigen Auslagerung des Schulbetriebs. Mobile Containeranlagen haben sich hierbei als praktikable Interimslösung etabliert. Der Einsatz solcher Anlagen geht über die reine Bereitstellung temporärer Klassenräume hinaus. Er erfordert die Berücksichtigung von technischer Erschließung (Strom, Wasser, IT), Brandschutz- und Sicherheitskonzepten, Barrierefreiheit sowie die Integration von Verwaltungs-, Lehrer- und Klassenzimmern. Auch Sanitäranlagen sowie in vielen Fällen Küchen und Pausenräume müssen integriert werden, da in diversen Bundesländern bereits eine Ganztagsbetreuungsverpflichtung besteht.
Nach Abschluss der Bauarbeiten erfolgt der Rückumzug, der ebenfalls mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden ist. Ergänzend dazu müssen die genutzten Containeranlagen zeitnah zurückgebaut, umgesetzt oder veräußert werden. Frau Waldmann betont, dass eine frühzeitige Strategie zur Nachnutzung oder Verwertung dieser Container erhebliche Kosten einsparen kann. Die Demontage, der Transport, Zustandsbewertungen und gegebenenfalls Ausschreibungs- oder Vermarktungsprozesse müssen koordiniert werden.
Rolle des Projektmanagements
Die Komplexität dieser Aufgaben erklärt, warum ein zunehmender Anteil der Kommunen auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Projektmanagementbüros setzt. Diese übernehmen die übergeordnete Steuerung aller Projektphasen und stellen sicher, dass Bau, Schulbetrieb und Verwaltung stringent aufeinander abgestimmt sind. Projektmanager entwickeln Terminpläne, übernehmen die Auftragsvergabe inklusive Vertragsverhandlung und -überwachung sowie das Budgetmanagement. Sie koordinieren alle Projektbeteiligten – dies umfasst Planer, Bauunternehmen und Handwerksbetriebe. Ferner sind sie für die Erstellung und Verwaltung relevanter Berichte und Dokumente zuständig und kommunizieren mit weiteren Akteuren wie Denkmalschutzbehörden oder Stadt- und Gemeinderäten. Eine zentrale Steuerung reduziert Schnittstellen, beschleunigt Entscheidungsprozesse und ermöglicht eine frühzeitige Risikoerkennung, wodurch die oftmals personell begrenzten Verwaltungen entlastet werden.




