Für die Technische Universität Nürnberg (UTN) hat im Mai der erste Spatenstich für fünf Campusgebäude stattgefunden. Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus ATP architekten ingenieure und Baumschlager Eberle Architekten wurde mit der Planung und der übergeordneten BIM-Koordination des Logistikzentrums, der Energiezentrale sowie des Gründungsgebäudes 3 beauftragt. Diese Entwicklung ist von Bedeutung für die Stadt Nürnberg, da sie das Potenzial besitzt, den Süden des Stadtgebiets maßgeblich zu prägen. Andreas Rieser, Assoziierter Partner und Geschäftsführer bei ATP in Nürnberg, hob die nachhaltige Veränderung hervor, die ein hochmoderner Campus für eine Stadt bedeuten kann.
Versorgungsinfrastruktur und modulares Energiekonzept
Die Errichtung des Logistikzentrums und der Energiezentrale erfolgt im Auftrag des Freistaats Bayern, repräsentiert durch das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg, auf dem Areal eines ehemaligen Güterbahnhofs im neuen Stadtteil Lichtenreuth. Die Energiezentrale ist darauf ausgelegt, die campuseigenen Netze für Wärme, Kälte, Wasser und Elektrotechnik zu speisen. Sie ist bereits für den Endausbau dimensioniert und modular erweiterbar. Das implementierte Energiekonzept basiert auf dem Einsatz von Wärmepumpen, die mit Photovoltaikstrom betrieben werden. Ein integraler Bestandteil dieses Systems ist die Rückführung der Abwärme aus der Kälteerzeugung über einen Wärmespeicher, was die Effizienz und Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes unterstreicht.
Das Gründungsgebäude 3 stellt das letzte Bauwerk der ersten Ausbaustufe dar. Dieses Gebäude beherbergt im Untergeschoss spezialisierte Einrichtungen wie Reinräume, Optiklabore und hochinstallierte Forschungsbereiche, die spezifische Anforderungen an Schwingungsarmut, Temperaturkonstanz und elektromagnetische Stabilität erfüllen müssen. Die oberen Geschosse sind für weitere Labore sowie offene Lern- und Kommunikationsbereiche vorgesehen, um eine kollaborative Forschungsumgebung zu fördern.
BIM-Koordination als Qualitätsgrundlage
Im Rahmen des Projekts wird eine umfassende BIM-Koordination unter Verwendung einheitlicher OpenBIM-Standards durchgeführt. Dies gewährleistet ein konsistentes As-Built-Modell aller beteiligten Planer, einschließlich der technischen und infrastrukturellen Anlagen. Christina Rapp, Architektin und Gesamtprojektleiterin bei ATP in Nürnberg, betonte, dass die digitale Koordination bei einem Campus dieser Größenordnung und der Beteiligung mehrerer Planungsbüros und Disziplinen keine bloße Serviceleistung darstellt, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die Qualität des Projekts ist. Ziel ist ein lückenloses As-Built-Modell, welches über die Bauphase hinaus Bestand hat und für den späteren Betrieb und die Instandhaltung genutzt werden kann.
Die zukünftige Prägung des Standortes wird durch die Technische Universität Nürnberg als erste KI-Universität Deutschlands unterstrichen. Ihr Betrieb soll zum Wintersemester 2029/2030 beginnen. Nach dem Endausbau bietet der Campus Platz für bis zu 6.000 Studierende und rund 2.000 Beschäftigte. Dr. Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaats Bayern, bezeichnete die UTN als echtes Zukunftsprojekt und die erste Universitätsneugründung im Freistaat seit 1978. Der neue Campus definiert sich als ein Stadtquartier, welches Wissenschaft, Forschung und urbanes Leben miteinander verknüpft.




