In Roth fand jüngst die Jahrestagung der bayerischen Wohnraum- und Städtebauförderung statt, bei der sich Kommunen, Projektträger, Planungsbüros und Bewilligungsstellen versammelten. Zentrales Thema der Veranstaltung war die Vorbereitung bayerischer Städte und Gemeinden auf extreme Wetterereignisse. Die Tagung stand unter dem Motto „Regen. Hitze. Wandel. Impulse für lebenswerte Orte.“
Bayerns Bauminister Christian Bernreiter betonte in seiner Rede die unzureichende Vorbereitung vieler öffentlicher Räume, Bestandsgebäude und Neubauten auf extreme Hitzeperioden und Starkregenereignisse. Die Entwicklung widerstandsfähiger und lebenswerter Kommunen in Bayern sei daher von großer Bedeutung, wobei die Städtebau- und Wohnraumförderung gezielt Unterstützung leisten könne. Die Kulturfabrik Roth, Tagungsort und ein erfolgreiches Projekt der Städtebauförderung, wurde als Beispiel für die Effektivität dieser Programme angeführt. Dort sollte am Folgetag das 50-jährige Jubiläum der Städtebauförderung in Roth gefeiert werden.
Anpassungsstrategien und Förderinstrumente
Die Fachtagung thematisierte die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft angesichts aktueller Herausforderungen. Minister Bernreiter hob hervor, dass der Klimawandel zwar die Infrastruktur fordere, zugleich aber neue Perspektiven für klimagerechte und zukunftsfähige Orte in Bayern eröffne, die Lebensqualität und Gesundheit verbessern können. Er verwies auf die Möglichkeit, Innenstädte und Ortskerne durch mehr grüne und blaue Strukturen in der Stadt- und Freiraumgestaltung aktiv anzupassen, und bezeichnete die Förderprogramme als Innovationsmotor und Stabilitätsanker. Die hohe Teilnehmerzahl unterstrich das Interesse an diesen Themen.
Als erfolgreiches Beispiel wurde die Neugestaltung des Weinmarkts in der Memminger Altstadt genannt, der mit einem Wasserspiel und klimaresilienten Bäumen ausgestattet wurde und als Best-Practice-Beispiel der Städtebauförderung vorgestellt wurde. Im Tagungsverlauf präsentierten und diskutierten Experten Praxisbeispiele und Konzepte für klimaresiliente Quartiere und gebäudeeffiziente Lösungen. Prof. Dr. Florian Bieberbach, Geschäftsführer der Stadtwerke München, stellte Initiativen zur klimagerechten Energieversorgung vor und erläuterte die Herausforderungen des Klimawandels für die Wasserversorgung. Prof. Dr. Mazda Adli von der Charité und Fliedner Klinik Berlin thematisierte in seiner Keynote den Zusammenhang von Klimawandel, Stadtstress und den resultierenden Gesundheitsfolgen, insbesondere die psychischen Auswirkungen von Hitzewellen und Klimastress.
Minister Bernreiter betonte, die Städtebauförderung sei ein lernendes System, welches kontinuierlich an aktuelle Themen angepasst werde. Seit 2024 werden Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels über die bayerische Förderinitiative „Klima wandel(t) Innenstadt“ verstärkt gefördert. Die Städtebauförderung setzt seit 55 Jahren wichtige Impulse und stellt die notwendigen Mittel zur Bewältigung städtebaulicher Herausforderungen bereit. Für das Jahr 2026 sind in Bayern 349 Millionen Euro vorgesehen, für 2027 werden es 353 Millionen Euro sein. Der Bund verdoppelt schrittweise seine Mittel für die Städtebauförderung bis 2029 auf 1,58 Milliarden Euro, was eine Entlastung für Kommunen und Bauherren bedeutet.
Zukunftsfähige Wohnraumförderung und finanzielle Rahmenbedingungen
Auch die bayerische Wohnraumförderung wird durch zielgerichtete Programme zukunftsfähig gestaltet. Klimaanpassungsmaßnahmen wie Verschattungskonzepte, Fassaden- oder Dachbegrünungen sowie Regenwassernutzung werden bei der Finanzierung berücksichtigt. Die Förderbestimmungen wurden durch weniger Vorgaben und angepasste technische Anforderungen optimiert. Für den geförderten Wohnungsbau stehen verstärkt Mittel zur Verfügung: Im Doppelhaushalt 2026/2027 sind insgesamt 3,6 Milliarden Euro an Bewilligungsmitteln veranschlagt, davon eine Milliarde Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Ab 2027 wird erstmals ein Jahresbauprogramm der Wohnraumförderung für einen gezielten Mitteleinsatz und eine verbesserte Planungssicherheit eingeführt.
Bernreiter dankte allen Tagungsteilnehmern für ihr Engagement bei der Vernetzung und der Entwicklung konkreter Maßnahmen zur aktiven Gestaltung des Wandels. Er forderte ein gemeinsames Handeln und voneinander Lernen zur Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in Bayern.




