Die öffentliche Infrastruktur, von Versorgungsnetzen bis zu Verkehrswegen, bildet das Rückgrat moderner Gesellschaften und Volkswirtschaften. Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) besteht in Deutschland ein Investitionsstau von über 600 Milliarden Euro. Weltweit beziffert die OECD den Infrastrukturbedarf bis zum Jahr 2040 auf rund 95 Billionen US-Dollar. Dieser Bedarf resultiert aus der Notwendigkeit, bestehende Anlagen zu modernisieren und an zukünftige Anforderungen anzupassen.
Ehemalige staatliche Budgetkürzungen nach dem Jahr 2008 führten zu einem erheblichen Nachholbedarf bei Instandhaltungen. Dies betrifft nicht nur Verbraucher, sondern beeinträchtigt insbesondere die Wirtschaft, die auf verlässliche Transportwege, eine stabile Energieversorgung und eine moderne digitale Vernetzung angewiesen ist. Die Relevanz dieser Herausforderung wurde bereits von namhaften Persönlichkeiten wie dem ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi hervorgehoben, der im Wettbewerbsfähigkeitsbericht 2024 die Dringlichkeit massiver Infrastrukturinvestitionen für Europas Wettbewerbsfähigkeit betonte.
Umfassende Investitionsprogramme in Europa
Die Europäische Union hat Infrastrukturinvestitionen als zentralen Bestandteil ihrer Wettbewerbsstrategie definiert. Dies manifestiert sich in konkreten Großprojekten und umfassenden Budgetzuweisungen. Der Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur in Deutschland sieht Investitionen von über 320 Milliarden Euro in das Stromnetz bis 2037 vor. Der französische Netzbetreiber RTE plant bis 2035 Modernisierungs- und Ausbauarbeiten im Wert von rund 100 Milliarden Euro, während Tennet in den Niederlanden bis 2028 ein Investitionsprogramm von über 55 Milliarden Euro durchführt.
Auch im Verkehrssektor werden erhebliche Mittel mobilisiert. Der Brenner-Basistunnel, ein Gemeinschaftsprojekt von Deutschland, Österreich und Italien, weist ein Volumen von rund neun Milliarden Euro auf. Im deutschen Bundeshaushalt sind bis 2029 etwa 169 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für die Sanierung von Straßen, Brücken, Schienennetzen und Wasserstraßen sowie die Digitalisierung vorgesehen. Zusätzlich stellt die EU über die Connecting Europe Facility bis 2027 rund 25,8 Milliarden Euro für Verkehrsprojekte bereit.
Technologischer Wandel als Treiber
Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist der steigende Strombedarf, insbesondere durch Rechenzentren und die zunehmende Integration künstlicher Intelligenz. Die bestehenden Netze sind teilweise nicht für diese Lastspitzen ausgelegt. Energieversorger und Netzbetreiber sehen sich somit mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: die Gestaltung der Energiewende und die Deckung des durch KI induzierten Bedarfsanstiegs. Dies schafft eine planbare, langfristige Nachfrage für Unternehmen in Bereichen wie Netzbetrieb, erneuerbare Energien, Rechenzentrumsmanagement und Softwareentwicklung.
Die hohen staatlichen Investitionsbudgets in Europa finden Reflektion in den Plänen großer börsennotierter Versorger, die erhebliche Summen in Infrastrukturprojekte investieren. Für Anleger, die einen stabilen und langfristigen Infrastrukturtrend adressieren möchten, empfiehlt sich eine sorgfältige Auswahl von Unternehmen mit soliden Cash-Flows im Aktien- und Anleihensegment. Alternativ bieten aktiv gemanagte Fonds, die auf regulierte Infrastrukturunternehmen spezialisiert sind, eine Möglichkeit, flexibel auf veränderte Investitionszyklen zu reagieren und das Risiko in einem breiter diversifizierten Portfolio zu streuen, wie Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory der LAUREUS AG PRIVAT FINANZ, konstatiert.




