Die Towergy GmbH hat eine Großwärmepumpe entwickelt, die als Klimaturm bezeichnet wird. Dieses System ist in der Lage, bis zu 400 Neubau- oder 200 Bestandswohnungen mit erneuerbarer Wärme und Kälte zu versorgen. Der erste Klimaturm wurde am 30. Juni auf der Bremer Überseeinsel in Betrieb genommen. Er wird den Klimacampus Bremen sowie angrenzende Künstlerateliers mit Wärme versorgen. Weitere Projekte sind in Planung. Zum Jahresende wird Towergy die Serienproduktion in einer eigenen Fertigungsstätte in Bremerhaven aufnehmen.
Technische Details und Flexibilität
Der Klimaturm ist ein rechteckiges System mit einer Luft-Wasser-Großwärmepumpe. Die Luftansaugung erfolgt über vier Seiten, die Abluftführung über die Turmspitze. Integrierte Ventilatoren mit Schalldämpfern reduzieren die Geräuschemissionen. Die notwendige Elektrotechnik und Pumpen für den direkten Anschluss an Wärmenetze sind standardmäßig integriert. Towergy bietet die zum Patent angemeldete vertikale Bauform in vier Ausführungen mit einer thermischen Leistung von 0,3 bis 1,5 Megawatt an. Das modulare System ermöglicht eine Installation innerhalb weniger Wochen. Die Höhe der Türme variiert zwischen 11 und 14 Metern, die Grundfläche zwischen 3,8 x 3,8 und 5,6 x 5,6 Metern.
Die Fassaden des Klimaturms können individuell gestaltet werden, zum Beispiel farbig, begrünt oder verspiegelt. Auch eine Nutzung als Werbefläche ist möglich. Zudem können zwei Wallboxen am Fuße des Turms angebracht werden, um zwei Parkplätze mit Ladestrom zu versorgen. Der Schalldruckpegel der leistungsstärksten Variante liegt in zehn Metern Entfernung unter 35 dB(A), was gemäß dem Unternehmen einem leisen Flüstern entspricht. Diese Eigenschaften ermöglichen den Betrieb auch in sensiblen Umgebungen.
Effizienz und Wirtschaftlichkeit
Tobias Werner, Geschäftsführer der Towergy GmbH, die 2025 zusammen mit Professor Rolf-Peter Strauß von der Hochschule Bremen gegründet wurde, betont, der Klimaturm sei die leiseste und platzsparendste Großwärmepumpe in diesem Leistungsbereich. Professor Strauß ergänzt, der Klimaturm sei eine Lösung für die Wärmewende in verdichtetem Wohnraum und Quartieren, insbesondere bei Schallproblemen und Platzmangel. Der Betrieb kann aufgrund der integrierten Schalldämpfer und massiven Wände auch nachts in reinen Wohngebieten erfolgen.
Die Betriebskosten werden durch eine Eigenentwicklung, eine selbstlernende Steuerung, optimiert. Diese Regelung analysiert Wetterprognosen, Börsenstrompreise sowie den prognostizierten Wärme- und Kältebedarf des Quartiers und die Gebäudecharakteristiken für die kommenden 72 Stunden, um den Betriebsfahrplan zu optimieren. Die Wärmepumpe läuft bevorzugt, wenn der Strommix aus regenerativen Quellen stammt und gleichzeitig die Strompreise günstig sind. Klaus Meier, geschäftsführender Gesellschafter der Stadt.Energie.Speicher GmbH, bemerkt, der Klimaturm biete Antworten auf Fragen zur technischen Umsetzbarkeit und Bezahlbarkeit von Wärmepumpen in urbanen Kontexten.




