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EZB-Zinsschritt: Markt hatte Anhebung antizipiert

Die jüngste Leitzinsanhebung der Europäischen Zentralbank war an den Kapitalmärkten bereits eingepreist und führt laut Experten nicht zu einer grundlegenden Unruhe bei den Bauzinsen.

EZB-Zinsschritt: Markt hatte Anhebung antizipiert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins angehoben, eine Maßnahme, die als Reaktion auf den Inflationsdruck im Euroraum, insbesondere durch Energiepreise, bewertet werden muss. Diese Entwicklung ließ die Inflation zuletzt auf 3,2 Prozent ansteigen. Jörg Utecht, CEO der Interhyp Gruppe, äußerte sich zur Marktsituation und betonte, dass der EZB-Zinsschritt für Immobilienkäufer keinen Anlass zu Besorgnis gebe, da die Kapitalmärkte diese Erhöhung in den Vorwochen antizipiert und eingepreist hatten. Er hob hervor, dass der Spielraum für weitere Leitzinserhöhungen aufgrund der konjunkturellen Schwäche im Euroraum begrenzt erscheint.

Aktuell zeigt sich bei den Bauzinsen eine Plateaubildung um rund 4 Prozent für zehnjährige Darlehen. Utecht rät Kaufinteressenten zu einem umfassenden Bankenvergleich, da die Konditionen der einzelnen Institute deutlich variieren können. Dies ermögliche die Sicherung vorteilhafterer Konditionen. Zeitweilige kleine Zinsbewegungen bieten auch weiterhin günstige Einstiegsmöglichkeiten für Immobilienkäufer.

Experteneinschätzung zur Zinsentwicklung und Anschlussfinanzierung

Ein aktuelles Interhyp-Bankenpanel bestätigt diese Einschätzung: 75 Prozent der befragten Institute erwarten kurzfristig gleichbleibende Bauzinsen, während 25 Prozent von steigenden Zinsen ausgehen. Langfristig prognostizieren sämtliche Experten ein stabiles Zinsniveau. Ein Experte innerhalb des Panels stellte fest, dass die EZB vorsichtig agieren werde und kein Interesse daran habe, das bereits schwache Wirtschaftswachstum durch überzogene Zinserhöhungen zusätzlich zu belasten. Dies könnte zu einer leichten Entspannung an den Kapitalmärkten führen, wobei ein signifikanter Rückgang der Zinsen nicht erwartet wird. Die Kapitalmarktzinsen sollten sich in der zweiten Jahreshälfte weitgehend horizontal entwickeln.

Für Haushalte, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, ist die aktuelle Zinsentwicklung ebenfalls von Bedeutung. Viele Finanzierungen aus der Niedrigzinsphase, deren Zinsbindung in den kommenden Jahren endet, müssen zu höheren Konditionen verlängert werden. Eine Analyse von Interhyp für Finanzierungen mit Zinsbindung zwischen 2026 und 2030 ergab jedoch, dass die monatliche Belastung im Durchschnitt nicht gestiegen, sondern leicht gesunken ist. Dies resultiert aus einem geringeren durchschnittlichen Darlehensvolumen zum Zeitpunkt der Erstfinanzierung (ca. 305.000 Euro im Jahr 2016) und einer reduzierten Restschuld zur Anschlussfinanzierung (ca. 220.000 Euro nach zehn Jahren Laufzeit, was einer Reduktion von rund 30 Prozent entspricht). Bei einem angenommenen Zinssatz von vier Prozent und 1,5 Prozent Tilgung würde eine monatliche Rate von 1.002 Euro anfallen, gegenüber 1.044 Euro bei der Erstfinanzierung.

Jörg Utecht weist darauf hin, dass trotz gestiegener Bauzinsen keine flächendeckende Überforderung bei Anschlussfinanzierungen festzustellen sei, da viele Kunden finanziell besser aufgestellt sind und bereits ein beträchtlicher Teil der Kreditsumme getilgt wurde. Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass vier Prozent Zinsen für die meisten Finanzierungen tragbar erscheinen. Der Anteil kritischer Anschlussfinanzierungen liegt unter einem Prozent aller von Interhyp betrachteten Fälle.

Gründe für die Tragfähigkeit höherer Zinsen und Handlungsempfehlungen

  • Geringere Kreditvolumina: Die Finanzierungsbeträge vor zehn bis fünfzehn Jahren lagen unter den heutigen Summen für Erstfinanzierungen.
  • Hohe Tilgungsleistungen: In der Niedrigzinsphase betrug die anfängliche Tilgung durchschnittlich über drei Prozent, was zu einer reduzierten Restschuld führte.
  • Gestiegene Einkommen: Die Haushaltsnettoeinkommen der betroffenen Kunden sind seit der Erstfinanzierung signifikant gestiegen, was die finanzielle Tragfähigkeit zusätzlich erhöht hat.

Angesichts dieser Umstände empfiehlt Jörg Utecht Eigentümern, sich zwei bis drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung aktiv mit der Anschlussfinanzierung auseinanderzusetzen. Eine frühzeitige Vorbereitung schaffe Entscheidungsfreiheit, unabhängig vom zukünftigen Zinsniveau.

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