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Industriepolitik und ihre Auswirkungen auf Anlagestrategien

Globale Subventionspolitik beeinflusst zunehmend Märkte und erfordert eine differenzierte Betrachtung durch Investoren, um Risiken zu mindern und Chancen zu identifizieren.

Industriepolitik und ihre Auswirkungen auf Anlagestrategien

Die Renaissance der Industriepolitik und die damit einhergehende Zunahme staatlicher Subventionen prägen derzeit die globalen Märkte. Diese Entwicklung wird als Motor für Innovation, birgt aber auch das Potenzial für Marktverzerrungen. Eine Analyse des Industrieländerclubs OECD beziffert die Industriesubventionen in 15 Schlüsselbranchen auf rund 108 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024, den höchsten Stand seit der Finanzkrise. Dieser Trend ist global zu beobachten, von den USA über die EU bis nach Japan, wo Regierungen erhebliche Mittel einsetzen, um technologische Vorteile zu sichern, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und strategische Abhängigkeiten zu reduzieren.

Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, betont, dass die Qualität und nicht die Quantität von Subventionen ausschlaggebend sei. Er weist auf China als ein Extrembeispiel hin, wo Unternehmen in zentralen Industrien im Schnitt drei- bis achtmal mehr staatliche Unterstützung erhielten als ihre Wettbewerber in OECD-Ländern. Rund 60 Prozent der globalen Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen werden auf diese Subventionen zurückgeführt. Fischer hebt hervor, dass Subventionen jedoch kein rein chinesisches Phänomen sind, da auch westliche Länder ihre industrielle Entwicklung durch gezielte staatliche Förderung begleiteten. Japans Aufstieg zur Industrienation wurde ebenfalls stark durch aktive Industriepolitik geprägt, insbesondere durch das Ministerium für Internationalen Handel und Industrie, das Schlüsselbranchen wie Automobil, Stahl und Elektronik förderte.

Globale Subventionspolitik und ihre ökonomischen Implikationen

Aktuell verstärkt der Westen seine Bemühungen: Die US-Regierung stellt über den CHIPS and Science Act erhebliche Mittel für Forschung und Halbleiterproduktion bereit. Die EU plant mit ihrem Chips Act, über 43 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren. Fischer erklärt, dass Subventionen aus ökonomischer Sicht dort sinnvoll sind, wo Marktversagen vorliegt. Dies umfasst beispielsweise die Förderung von Innovationen, den Aufbau neuer Industrien oder die Absicherung strategisch wichtiger Wertschöpfungsketten. Viele aktuelle Programme, etwa in den Bereichen Halbleiter, Künstliche Intelligenz oder Energietechnologien, verfolgen genau diese Ziele.

Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds zeigt jedoch, dass die Ergebnisse vergangener Industriepolitik als „gemischt“ zu bewerten sind. Obwohl die Wettbewerbsfähigkeit von Produkten tendenziell verbessert werde, seien die Auswirkungen oft kurzlebig und vorrangig in bereits wettbewerbsfähigen Branchen zu beobachten. Fischer warnt zudem vor den steigenden Risiken mit zunehmender Dauer der Subventionen. Politische Unterstützung könne zu Überkapazitäten, sinkender Produktivität und Fehlallokationen von Kapital führen, anstatt Effizienz zu steigern. Darüber hinaus befeuern Subventionen geopolitische Konflikte, was zu Subventionswettläufen, Handelskriegen und einer stärkeren Fragmentierung der Märkte führen kann.

Implikationen für Anlagestrategien

In Deutschland wird derzeit eine pauschale Kürzung von Subventionen um fünf Prozent diskutiert. Fischer bewertet dies als „keine gute Idee“, da bei einem Subventionsvolumen von rund 285 Milliarden Euro eine „Rasenmäher-Methode“ strategische Prioritäten verfehlen und sowohl sinnvolle als auch ineffiziente Programme treffen könnte. Dies könne in einer Phase, in der andere Länder ihre Industriepolitik ausweiten, zu einem strukturellen Risiko werden.

Für Anleger bedeutet die Zunahme nationaler Industrieförderung eine höhere Bedeutung politischer Risiken und regionaler Unterschiede. Fischer rät zur erhöhten Diversifikation, da Anleger staatliche Eingriffe zwar nicht verhindern können, jedoch die Abhängigkeit von einzelnen politischen Entscheidungen reduzieren können. Regionale Marktkenntnisse und eine breite Streuung der Investitionen tragen somit zur Minderung von Risiken bei.

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