Die jüngsten Ergebnisse der bundesweiten Konjunkturbefragung unter Ingenieur- und Architekturbüros verdeutlichen eine durchgehend angespannte wirtschaftliche Situation in der Branche. Weder die Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren noch neue Finanzierungsinstrumente, wie das Sondervermögen Infrastruktur, haben bislang spürbare positive Effekte auf die ökonomische Verfassung der Büros gehabt.
Die Marktforscher von IW Consult sowie Reiß & Hommerich führten diese Erhebung im Auftrag von AHO, VBI, BIngK und BAK durch, um die konjunkturelle Entwicklung bundesweit zu erfassen. Die Volatilität der Auftragslage hat sich erhöht: Im zweiten Halbjahr 2025 verzeichneten 37 Prozent der Ingenieurbüros einen Auftragsrückgang, während bei 30 Prozent eine Steigerung festzustellen war. Im Vorjahr sanken die Aufträge bei 35 Prozent und stiegen bei 27 Prozent der Büros.
Die Prognosen für 2026 zeigen eine weiterhin pessimistische Haltung. 26 Prozent der Ingenieurbüros erwarten einen Rückgang der Aufträge; bei den Architekturbüros sind es sogar 35 Prozent. Der durchschnittliche Auftragsbestand der Architekturbüros ist von 11,5 auf 10,0 Monate signifikant gesunken. Bei Ingenieurbüros liegt der Bestand stabil bei 11,3 Monaten, im Vergleich zu 11,1 Monaten im Vorjahr. Diese Divergenz wird auf die stärkere Abhängigkeit der Architekturbüros von privaten Auftraggebern zurückgeführt, wo häufiger Projektkündigungen und Leistungskürzungen beobachtet werden.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Zukunftsaussichten
Zum Jahresbeginn 2026 bewerten 22 Prozent der Architekturbüros und 19 Prozent der Ingenieurbüros ihre wirtschaftliche Lage als schlecht oder eher schlecht. Besonders zurückhaltend ist die Einschätzung bei Innenarchitekten sowie Ingenieurbüros in den Bereichen Tragwerksplanung und Verkehrsanlagen. Positive Abweichungen zeigen sich dagegen bei Büros für Landschaftsarchitektur und Ingenieurbüros, die in der Objektplanung für Ingenieurbauwerke tätig sind. Insgesamt befürchten 5 Prozent der Befragten eine Betriebseinstellung in den kommenden Monaten, während 14 Prozent ihre Zukunft als ungewiss einschätzen. Diese Unsicherheit trifft insbesondere kleinere Büros mit weniger als zehn Mitarbeitern.
Die alarmierende Lage angesichts des dramatischen Wohnungsbaumangels sowie des erheblichen Bedarfs an Infrastruktursanierung und Energiewende ist primär auf wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen zurückzuführen. Regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und der generelle wirtschaftliche Abschwung werden sowohl von Ingenieur- als auch Architekturbüros als maßgebliche Hemmnisse benannt. Viele Architekturbüros nennen zudem gestiegene Materialkosten als Ursache für die schwache Wirtschaftslage.
Forderungen der Kammern
Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, interpretiert die Ergebnisse als ein deutliches Warnsignal. Sie betont den erheblichen wirtschaftlichen Druck auf viele Büros, den rückläufigen Auftragsbestand und die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit. Angesichts der Aufgaben im Wohnungsbau, der Klimaanpassung und Infrastrukturmodernisierung sei dies nicht hinnehmbar. Es bedürfe eines klaren politischen Signals, das Planen und Bauen einfacher, schneller und verlässlicher gestaltet. Planungsbüros benötigten verlässliche und auskömmliche Rahmenbedingungen, da ohne leistungsfähige Architektur- und Ingenieurbüros die anstehenden Aufgaben nicht zu bewältigen seien.
Die Online-Konjunkturbefragung wurde im Mai und Juni 2026 von AHO, BAK, VBI und BIngK zusammen mit ihren Landeskammern durchgeführt, unterstützt durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Consult) sowie Reiß & Hommerich. Insgesamt beteiligten sich 4.859 Architektur- und Ingenieurbüros, eine deutliche Steigerung gegenüber 2.452 Unternehmen im Vorjahr. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise zum Handlungsbedarf im Bereich verlässlicherer Projektabläufe, angemessener Honorare und einer Reduzierung regulatorischer Belastungen. Die Leistungsfähigkeit der Planungsbüros gilt als zentrale Voraussetzung für die Umsetzung öffentlicher und privater Investitionen in der deutschen Infrastruktur.














