Die STRABAG SE, ein führendes europäisches Bauunternehmen, hat ihre Position im Segment nachhaltiger Baustoffe durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Ökologischen Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH (ÖKT) gestärkt. Die Beteiligung umfasst exakt 50,65 % der Gesellschaftsanteile. Diese Akquisition unterstreicht das Engagement der STRABAG für umweltfreundliche Materiallösungen und den Ausbau eigener Kapazitäten im Bereich technischer Kohlenstoff. Seit zwei Jahren konzentriert sich eine spezielle Einheit innerhalb der STRABAG auf die Erforschung und Implementierung nachwachsender sowie mineralischer Rohstoffe, technischen Kohlenstoffs und CO₂-reduzierten Betons.
Die ÖKT, 2019 aus einem bayerischen Landwirtschaftsbetrieb hervorgegangen, betreibt in Offenhausen, Bayern, eine integrierte Anlage. Dort wird mittels Pyrolyse und Klärschlammtrocknung Biomasse und biogene Reststoffe, wie Waldhackgut und Maisspindeln, verarbeitet. Diese werden nach dem Standard des European Biochar Certificate (EBC) zu zertifizierter Biokohle umgewandelt. Der Prozess ist darauf ausgerichtet, eine Netto-CO₂-Entnahme aus dem atmosphärischen Kohlenstoffkreislauf zu realisieren und zusätzlich Energie zu gewinnen.
Technologie und Anwendung von Biokohle
Die im Pyrolyseverfahren entstehende Abwärme wird zur Trocknung des Ausgangsmaterials sowie von Klärschlamm genutzt. Der getrocknete Klärschlamm kann anschließend als Brennstoff mit geringer Emissionsintensität eingesetzt werden. Ein primäres Ziel der Nutzung von Biokohle ist die langfristige Bindung von Kohlenstoffdioxid in Baumaterialien wie Beton und Asphalt. Biokohle fungiert hierbei als ein langzeitstabiler CO₂-Speicher, dessen Relevanz in der EU-Verordnung 2026/285 zu Carbon Removals und Carbon Farming anerkannt ist. Darüber hinaus wird das Potenzial zur Verbesserung der Materialeigenschaften, beispielsweise von Beton, untersucht.
Neben der Anwendung in der Bauwirtschaft findet technischer Kohlenstoff auch in anderen Bereichen Verwendung. Dazu zählen die Landwirtschaft sowie Substrate für die Urbanbegrünung, beispielsweise für Stadtbäume im Kontext von „Schwammstadt“-Konzepten zur Förderung der Klimaresilienz. Die hohe Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit der Biokohle kann zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen von Pflanzen beitragen. Andreas Ertel, Geschäftsführer der Ökologischen Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH, betonte, dass der Einsatz von technischem Kohlenstoff der Bauwirtschaft neue Möglichkeiten zur Emissionsreduktion eröffnet und er sich auf die Zusammenarbeit mit STRABAG freue, um das Thema gemeinsam weiterzuentwickeln.
Strategische Bedeutung und regionale Verankerung
Herwig Sumetzberger, Technischer Direktionsleiter Nachhaltige Baustoffe bei STRABAG, hob hervor, dass Biokohle ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und der Strategie 2030 des Unternehmens ist. Die Integration von Biokohle trage zur Reduzierung von CO₂-Emissionen in Baustoffen bei und erweitere die Eigenproduktion nachhaltiger Materialien. Durch die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen sollen die Potenziale von Biokohle gezielt entwickelt und operativ entlang der Wertschöpfungskette skaliert werden. Mit diesem regional verankerten Investment verstärkt STRABAG ihr Engagement im Bereich nachhaltiger Materialien und trägt zur Dekarbonisierung innerhalb der Bauindustrie bei. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.




