Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat einen umfassenden Leitfaden zur systematischen Erschließung von Nachhaltigkeitspotenzialen bei Messeständen publiziert. Diese Veröffentlichung richtet sich primär an Aussteller, Standgestalter und Messebauunternehmen. Der Leitfaden skizziert relevante Nachhaltigkeitsthemen sowie konkrete Maßnahmen, die in der Planung, Umsetzung und im Betrieb von Messeständen Berücksichtigung finden sollten. Die darin definierten Handlungsfelder bilden gleichzeitig die Grundlage für ein neuartiges DGNB-Zertifizierungsverfahren.
Dieses schlank konzipierte und kosteneffiziente Bewertungsverfahren wird von der DGNB erstmalig im Januar 2027 im Rahmen der Messe BAU in München angeboten. Angesichts der vergleichsweise kurzen Nutzungsdauer von Messeständen, des hierfür erforderlichen Ressourceneinsatzes und der resultierenden Umweltauswirkungen haftet dem Messegeschäft oftmals ein Image mangelnder Nachhaltigkeit an. Es ist daher von erhöhter Relevanz, dass alle Akteure — von der Planung über den Aufbau bis hin zum Betrieb und Rückbau von Messeständen — ihre Verantwortung wahrnehmen, indem sie die beeinflussbaren Nachhaltigkeitsaspekte adäquat adressieren.
Die DGNB setzt mit dem nun vorliegenden Leitfaden und dem darauf basierenden Zertifizierungsangebot für nachhaltige Messestände hier an. Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der DGNB, betonte, dass sich der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2007 dafür engagiere, Nachhaltigkeit in der gebauten Umwelt als Standard zu etablieren, insbesondere durch die Zertifizierung nachhaltiger Gebäude und Quartiere. Die Übertragung dieses Ansatzes auf Messestände stelle einen konsequenten Fortschritt dar. Die DGNB vermittelt dabei den Grundsatz, dass nachhaltige Messestände auf bewussten Entscheidungen basieren: Reduzierung von Neuanschaffungen, verstärkte Wiederverwendung, vereinfachte Planung und frühzeitige Berücksichtigung der Nachnutzung. Die wesentlichen Potenziale liegen oft nicht in einzelnen Zusatzmaßnahmen, sondern in der grundsätzlichen Konzeption eines Standes.
Wesentliche Handlungsfelder für nachhaltige Messestände
Die neue DGNB-Publikation „Nachhaltige Messestände: Leitlinien für Planung, Bau und Betrieb“ benennt drei zentrale Handlungsfelder. Zu jedem dieser Bereiche existiert eine Checkliste, die Ausstellern, Standgestaltern und Messebauern als Instrument für einen schnellen Nachhaltigkeitscheck ihrer Planungen dienen kann. Das Handlungsfeld „Standgestaltung und Kommunikation“ umfasst Fragen zur Barrierefreiheit und ausreichenden Bewegungsflächen des Messestandes, zur Verständlichkeit, Auffindbarkeit und inklusiven Gestaltung von Informationsangeboten sowie zur Unterstützung von Aufenthalt und Austausch. Zudem wird geprüft, ob Nachhaltigkeitsaspekte für Besuchende nachvollziehbar dargestellt und das Messeteam über diese Maßnahmen informiert ist, um sie erläutern zu können.
Das Handlungsfeld „Material und Ressourcen“ fokussiert auf Suffizienz, Zirkularität und Ressourcenschonung. Hier werden Fragen zur bevorzugten Wiederverwendung, Leihgabe oder weiteren Nutzung von Bauteilen und Ausstattung gestellt. Ein modularer Aufbau für zerstörungsfreien Rückbau, der Bezug von Materialien aus nachhaltigen Lieferketten mit Sekundärrohstoff- oder Recyclinganteilen, ein bedarfsgerechter Materialeinsatz und der Einsatz schadstoff- sowie emissionsarmer Produkte für den Innenraum sind weitere Kriterien. Zusätzlich werden Aspekte wie Abfallvermeidung, Energieeffizienz technischer Ausstattung und die Dokumentation von Klimawirkungen berücksichtigt.
Das dritte Handlungsfeld, „Mobilität und Logistik“, motiviert Aussteller, ihre Messeauftritte ganzheitlicher zu hinterfragen. Dies beinhaltet die emissionsarme Planung der An- und Abreise von Mitarbeitenden, die Effizienz- und Emissionsreduktion bei Transport- und Logistikkonzepten für Standmaterialien, die Reduzierung von Transportvolumen und Verpackungen sowie die bevorzugte Einbindung regionaler Dienstleister und die Nutzung vorhandener Infrastruktur am Veranstaltungsort.
Zertifizierung und Einreichung für die BAU 2027
Aussteller, die diese Handlungsfelder über die reine Impulsgebung hinaus nutzen möchten, können das DGNB-Zertifizierungsverfahren in Anspruch nehmen. Dieses dient der transparenten Dokumentation des Messeauftritts sowie der unabhängigen Bewertung der Nachhaltigkeitsqualität. Das neue Verfahren wird erstmals zur BAU, der Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme, die vom 11. bis 15. Januar 2027 in München stattfindet, angeboten. Die Zertifizierung transformiert die im Leitfaden beschriebenen Themen in prüfbare Anforderungen. Bewertet werden nicht nur der finalisierte Messestand, sondern auch die zugrundeliegende Planung. Entscheidend ist die nachvollziehbare Beschreibung der gewählten Maßnahmen, deren Belegung durch geeignete Nachweise und die Umsetzung im Messestand. Die Prüfung verbindet somit Planung, Dokumentation und Umsetzung. Die DGNB überprüft die Einhaltung der Kriterien aus dem Katalog und die Plausibilität der eingereichten Angaben vor Ort. Eine erfolgreiche Prüfung führt zur Vergabe einer DGNB-Auszeichnung, die am Stand und in der Messekommunikation verwendet werden kann. BAU-Aussteller, die am Zertifizierungsverfahren teilnehmen möchten, haben bis zum 29. November 2026 Zeit, sich online bei der DGNB zu registrieren und ihre Unterlagen über die DGNB System Software einzureichen.














