Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt ist aktuell durch eine Zunahme der Risiken charakterisiert. Notleidende Kredite verzeichnen einen Anstieg, während Immobilienbewertungen unter Druck geraten. Gleichzeitig erschweren anstehende Fälligkeiten sowie zunehmend komplizierte Refinanzierungsbedingungen den Handlungsspielraum vieler Marktteilnehmer. Die in diesem Kontext erwartete Marktbereinigung durch den Verkauf notleidender Kreditportfolien hat sich bisher jedoch nicht eingestellt.
Rita Marie Roland, Partnerin und Head of Financial Services Real Estate Transactions bei KPMG in Deutschland, erläutert die aktuelle Situation. Sie führt aus, dass viele Kreditgeber gegenwärtig auf Verlängerungen von Kreditlaufzeiten und Restrukturierungsmaßnahmen setzen. Sie prognostiziert jedoch, dass mit einer wachsenden Anzahl von Fälligkeiten, verstärkter regulatorischer Prüfung und einem zunehmenden Refinanzierungsdruck die Bereitschaft der Akteure steigen dürfte, Verluste zu realisieren.
Der aktuelle KPMG Non-Performing-Loan Market Monitor verdeutlicht eine wachsende Diskrepanz zwischen der steigenden Belastung und der tatsächlichen Marktaktivität. Obwohl der Druck auf Gewerbeimmobilienfinanzierungen kontinuierlich zunimmt, bleibt die Anzahl größerer Transaktionen, die notleidende Gewerbeimmobilienkredite betreffen, weiterhin begrenzt. Diese Zurückhaltung im Transaktionsgeschehen hat weitreichende Konsequenzen: Sie erschwert die Preisfindung am Markt, verzögert notwendige Marktanpassungen und erhöht die Unsicherheit für alle beteiligten Parteien, darunter Banken, Investoren, Kreditnehmer und den gesamten Immobilienmarkt.
Zentrale Kennzahlen und Herausforderungen
Die Analyse des KPMG Non-Performing-Loan Market Monitor liefert präzise Datenpunkte zur aktuellen Lage. Demnach ist das Volumen notleidender Kredite in Deutschland auf 50,1 Milliarden Euro gestiegen. Dies entspricht im ersten Quartal 2026 einem Anstieg von 11,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die aktuelle Phase der Notleidenden Kredite konzentriert sich primär auf Gewerbeimmobilien, was auf eine sektorspezifische und keine systemische Entwicklung hindeutet.
Ein signifikanter Anteil der deutschen NPL-Bestände entfällt auf Gewerbeimmobilien, nämlich rund 36,5 Prozent. Im europäischen Kontext befinden sich 31,4 Prozent aller europäischen CRE-NPLs in Deutschland. Sinkende Immobilienbewertungen, Verstöße gegen Kreditauflagen und die bereits erwähnten erschwerten Refinanzierungsbedingungen erhöhen den Handlungsdruck bei Kreditnehmern und Finanzierern gleichermaßen. Trotz dieser wachsenden Belastungen bleibt die Anzahl größerer CRE-NPL-Transaktionen gering, wodurch die Preisfindung und die Markttransparenz weiterhin eingeschränkt bleiben.














