Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hat für das zweite Quartal 2026 eine differenzierte Preisentwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt festgestellt. Gemäß dem vdp-Immobilienpreisindex stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,3 %. Im Vergleich zum ersten Quartal desselben Jahres war ein marginaler Rückgang von 0,1 % zu verzeichnen. Die für den Index relevanten Daten werden seit 2010 von vdpResearch erfasst und umfassen die Preisdynamik in den Segmenten Wohn-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Grundlage hierfür ist die Auswertung von Transaktionsdaten aus über 700 Kreditinstituten, was die Validität des vdp-Index unterstreicht.
Eine Anpassung der Index-Methodik für einige Teil-Indizes erfolgte zu Beginn dieses Jahres, resultierend aus einer Kooperation zwischen vdpResearch und der Deutschen Bundesbank. Das Jahr 2022 wurde als neues Basisjahr (Indexwert = 100) definiert, und historische Daten wurden entsprechend der neuen Methodik überarbeitet. Der beobachtete Anstieg des Gesamtindex im Jahresvergleich ist primär auf die Entwicklung der Wohnimmobilienpreise zurückzuführen, welche um 1,9 % gegenüber dem zweiten Quartal 2025 zulegten. Demgegenüber standen Preisrückgänge von 1,2 % bei Büroimmobilien und 0,2 % bei Einzelhandelsimmobilien im selben Zeitraum.
Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des vdp, kommentierte diese Entwicklung mit der Feststellung, dass sich die Preise in den Objektklassen erstmals seit anderthalb Jahren uneinheitlich bewegten. Während Büro- und Handelsimmobilien preislich nachgaben, zeigten Wohnimmobilien weiterhin Preisanstiege, jedoch mit geringerer Dynamik als in vorangegangenen Quartalen. Er führte aus, dass der Gewerbeimmobilienmarkt erwartungsgemäß stärker und unmittelbarer auf geopolitische Entwicklungen, gestiegene Inflationserwartungen und die resultierende Zinsentwicklung reagiert. Ebenso wirke sich die verhaltene konjunkturelle Entwicklung verstärkt auf Gewerbeimmobilien aus, während bei Wohnimmobilien der anhaltende Nachfrageüberhang zu Preissteigerungen führe.
Entwicklungen im Wohnimmobiliensegment und politische Maßnahmen
Innerhalb des Wohnimmobiliensegments, das einen jährlichen Preisanstieg von 1,9 % verzeichnete, zeigten Eigentumswohnungen mit 2,6 % das höchste Preiswachstum zwischen dem zweiten Quartal 2025 und dem zweiten Quartal 2026. Eigenheime verzeichneten ein Wachstum von 2,0 %, Mehrfamilienhäuser von 1,6 %. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 entwickelten sich die Preise von Mehrfamilienhäusern um 0,3 %, Eigenheimen um 0,4 % und Eigentumswohnungen um 0,5 % positiv, was einen Gesamtpreisanstieg bei Wohnimmobilien von 0,3 % im Quartalsvergleich ergab.
Die angespannte Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt setzte sich im Zeitraum April bis Juni dieses Jahres fort. Der Mangel an Wohnraum führte zu einem weiteren Anstieg der Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern um 3,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, wenngleich mit geringerer Zunahme als in vorherigen Quartalen. Die Rendite von Mehrfamilienhäusern, gemessen am vdp-Index für Liegenschaftszinsen, erhöhte sich um 1,5 %, da die Neuvertragsmieten stärker als die Kaufpreise stiegen.
Herr Tolckmitt bewertete die angekündigten wohnungspolitischen Vorhaben der Bundesregierung, darunter ein Baugesetzbuch-Upgrade und die Beschleunigung von Planungsverfahren, positiv. Er betonte die Notwendigkeit, von übertriebenen technischen Anforderungen abzuweichen, um den Markt zu stimulieren. Die ebenfalls angekündigte Abschaffung des sektoralen Systemrisikopuffers für Wohnimmobilienfinanzierungen wurde als überfällig bezeichnet, da bereits bei dessen Einführung im Jahr 2022 eine sachliche Rechtfertigung nicht gegeben gewesen sei. Darüber hinaus begrüßte der vdp die Bestrebungen, eine bundesgesetzliche Regelung zu schaffen, welche die Debatten um Vergesellschaftung privater Mietwohnungsbestände auf Landesebene unterbinden soll. Solche Debatten schadeten dem Immobilienmarkt und dem Wirtschaftsstandort Deutschland erheblich, indem sie privates Kapital, das für den Neubau benötigt wird, abwandern ließen. Staatsmittel für Vergesellschaftungen könnten sinnvoller für die Schaffung neuen Wohnraums eingesetzt werden. Der vdp bekräftigte die Unterstützung für Regierungsinitiativen zur Wohnraumschaffung und forderte eine zügige und wirksame Umsetzung dieser Maßnahmen zur Belebung des Wohnungsmarktes.
Entwicklung in den Top 7-Städten
In den Top 7-Städten stiegen die Wohnimmobilienpreise im Jahresvergleich um 2,1 % und somit etwas stärker als im Bundesdurchschnitt. Die höchsten Preissteigerungen für Wohnobjekte verzeichnete Hamburg mit 3,8 %, gefolgt von Köln (2,5 %), Frankfurt und Düsseldorf (jeweils 2,4 %) sowie München (2,3 %). Berlin und Stuttgart zeigten mit Wachstumsraten von 1,6 % bzw. 0,7 % geringere Zuwächse. Insgesamt fiel die Preissteigerung in diesen Metropolen deutlich moderater aus als im ersten Quartal, in dem noch vier der Top 7-Städte Preissteigerungen von über 4,0 % verzeichneten. Die Neuvertragsmieten in den Top 7-Städten erhöhten sich durchschnittlich um 1,5 %, was deutlich unter dem bundesweiten Wert von 3,2 % liegt. Düsseldorf zeigte das höchste Mietwachstum mit 3,6 %, während Berlin mit 0,6 % den geringsten Zuwachs aufwies. Die Renditen in den Ballungsräumen sanken, gemessen am vdp-Liegenschaftszinsenindex, um 0,7 %.




