BID zieht Bilanz nach einem Jahr: Wohnungsbau stagniert trotz Regierungszusagen
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland kritisiert mangelnde Umsetzung von Reformmaßnahmen und warnt vor weiterer Verschärfung der Investitionsbedingungen.

Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) eine ernüchternde Bilanz gezogen. Trotz klar formulierter Zielsetzungen fehlen spürbare Erleichterungen für Wohnungsneubau und Investitionsanreize. Der Wohnungsmangel verschärft sich weiter, während die Zahl der Baufertigstellungen in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang rechnet.
Ankündigungen ohne messbare Wirkung
BID-Vorsitzende Iris Schöberl beschreibt die Situation als Krise, die längst Realität ist – sowohl sozial als auch wirtschaftlich. Explodierende Bau- und Finanzierungskosten, neue regulatorische Anforderungen und mangelnde Planungssicherheit blockieren den Neubau, obwohl die Nachfrage ungebrochen hoch bleibt. Die Bundesregierung hat zwar Handlungsbedarf bei Planungsbeschleunigung, Förderung und steuerlichen Instrumenten benannt, doch diese Ankündigungen haben in der Praxis bislang keine messbare Wirkung entfaltet.
Schöberl warnt vor weiteren politischen Maßnahmen, die die Bedingungen für Bauen, Kaufen und Investieren verschärfen könnten – insbesondere im Mietrecht. Die seit 2015 erfolgten mietrechtlichen Verschärfungen hätten definitiv nicht zu einem investitionsfreundlichen Klima beigetragen. Stattdessen wirke die Mietpreisbremse wie ein Brandbeschleuniger, der Investoren verunsichere, Neubau und Sanierung verhindere und den Mangel verschärfe.
Steuerliche Rahmenbedingungen und Finanzierungsanreize
Die BID sieht dringenden Handlungsbedarf bei den steuerlichen Rahmenbedingungen für Wohnungsneubau. Erforderlich sind wirksamere Abschreibungsregelungen, insbesondere eine praxisnahe Sonder-AfA für EH 55 Neubauten, sowie investitionsfreundliche steuerliche Rahmenbedingungen ohne Liquiditätshemmnisse. Für eine wirksame Stärkung der Eigentumsbildung braucht es eine spürbare Entlastung bei der Grunderwerbsteuer bis hin zu einem vollständigen Verzicht beim erstmaligen Erwerb eines Eigenheims.
Schöberl hebt die Wichtigkeit von Finanzierungsanreizen hervor: Staatliche Bürgschaften für Kredite an diejenigen, die in großem Stil Wohnungen schaffen, könnten sich als entscheidender Hebel zur Ankurbelung des Wohnungsneubaus erweisen. Wer zusätzlichen Wohnraum wolle, müsse Investitionen ermöglichen – steuerlich wie finanziell. Nur Ergebnisse schafften Vertrauen und brächten den Wohnungsbau voran.
Gebäudetyp E und Planungsbeschleunigung
Die steigenden Baukosten erfordern dringend eine Reduzierung der komplexen bau-, energie- und planungsrechtlichen Vorgaben. Die BID fordert einen bundesweit einheitlichen zivilrechtlichen Rahmen, der bezahlbares Bauen zum Regelfall macht. Zentral sind die Einführung eines verbindlichen Basisstandards auf Grundlage eines neu gefassten Gebäudetyps E, die Standardisierung und Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie die Erleichterung von Aufstockungen, Nachverdichtungen und Umnutzungen leerstehender Büro- und Gewerbeflächen.
- —Verbindlicher Basisstandard auf Grundlage des Gebäudetyps E mit Vertragsfreiheit und Rechtssicherheit für Abweichungen
- —Standardisierung, Beschleunigung und Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren; Verankerung von Wohnen als überragendes öffentliches Interesse in angespannten Märkten
- —Gezielte Erleichterung und Förderung von Aufstockungen, Nachverdichtungen und Umnutzungen mit konsequenter Umsetzung auf kommunaler Ebene
Flankierend müssten die Förderkonditionen für EH55+ attraktiv ausgestaltet bleiben und das Programm über den 30. Juni 2026 hinaus verlängert werden. Beim Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) dauern die Beratungen an, der Gesetzesentwurf wurde bislang noch nicht vorgelegt. Die offenen Fragen zur Ausgestaltung erweisen sich als Hemmnis für die Branche, da langfristig orientierte Investitionen die notwendige Planungssicherheit vermissen lassen.
Ihre Immobilie — richtig bewertet.
Sie möchten wissen, was Ihre Immobilie in der aktuellen Marktphase wirklich wert ist? Eine erste Einschätzung erhalten Sie innerhalb von 48 Stunden.


