Die Wohneigentumsquote bei Haushalten im Alter zwischen 25 und 45 Jahren in Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren rückläufig entwickelt. Während im Jahr 2010 noch etwa jeder dritte Haushalt in dieser Altersgruppe selbstgenutztes Eigentum bewohnte, ist es heute lediglich jeder vierte Haushalt. Diese Reduktion von rund 600.000 potenziellen Eigentümerhaushalten bundesweit verdeutlicht eine Verschiebung hin zu einer „Generation Miete“, welche nach Einschätzung der Experten Folgen für den individuellen Vermögensaufbau, die Altersvorsorge und die gesellschaftliche Stabilität haben kann.
Gerald Lipka, Geschäftsführer des BFW Baden-Württemberg, betonte, dass der Zugang zu Wohneigentum nicht auf eine Minderheit beschränkt bleiben dürfe. Er hob hervor, dass Wohneigentum ein fundamentaler Baustein für private Vermögensbildung, die langfristige Altersvorsorge und die soziale Stabilität darstellt. Der Ausschluss junger Familien und Normalverdiener vom Eigentum verstärkt die Vermögensungleichheit in der Gesellschaft, was ein Problem darstellt, das über die reine Wohnungspolitik hinausgeht.
Entwicklungen bei Baugenehmigungen und Fertigstellungen
Nach einer Periode des Rückgangs zeigen die Baugenehmigungen in Baden-Württemberg im Jahr 2025 eine leichte Erholung. Mit 29.567 genehmigten Wohnungen wurde ein Plus von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal 2026 mit einem Anstieg von 38,8 Prozent fort. Trotz dieser positiven Signale bleibt das Niveau der Baugenehmigungen nach Angaben von Herrn Lipka jedoch weiterhin rund 46 Prozent unter dem Stand von 2021; im Neubausektor liegt der Rückstand sogar bei etwa 50 Prozent, was verdeutlicht, dass noch keine umfassende Trendwende erzielt wurde. Weltpolitische Einflüsse, wie der Krieg im Iran, können zudem erneute Preis- und Zinssteigerungen verursachen, die den Aufschwung bremsen könnten.
Besonders evident ist, dass die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen den tatsächlichen Bedarf nicht deckt. Im Jahr 2024 wurden lediglich 36.379 Wohnungen fertiggestellt, was einen Rückgang von 16,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Angesichts eines jährlichen Bedarfs von etwa 60.300 Wohnungen hat sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vergrößert. Derzeit fehlen in Baden-Württemberg rund 196.000 Wohnungen.
Der aktuelle Wohnungswirtschaftliche Konjunkturbericht 2025/2026, der von Gerald Lipka und Professor Dr. Dieter Rebitzer, Studiendekan an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), vorgestellt wurde, unterstreicht die zentrale Bedeutung privater Investoren für den Wohnungsbau. Im Jahr 2025 haben private Bauherren circa 4,9 Milliarden Euro investiert und damit 48 Prozent der Neubauwohnungen sowie 62 Prozent des gesamten Investitionsvolumens generiert, während Wohnungsunternehmen 30 Prozent beisteuerten. Diese Zahlen belegen, dass eine ausreichende Bautätigkeit ohne private Investitionen nicht realisierbar ist.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Marktentwicklung
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Bausektors bleiben herausfordernd. Obwohl die Umsätze im Bauhauptgewerbe im Jahr 2025 insgesamt leicht um 2,5 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro stiegen, verzeichnete der Wohnungsbau einen Rückgang von 2,1 Prozent. Parallel dazu setzten sich die Baupreissteigerungen fort, mit einem Anstieg von 3,4 Prozent im Jahr 2025 und 4,1 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr.
Der Immobilienmarkt zeigt Anzeichen einer Stabilisierung, wobei sich nach der Zinswende eine Verschiebung vom Verkäufer- zum Käufermarkt vollzogen hat. Trotz einer langsamen Erholung der Nachfrage agieren Investoren weiterhin eher zurückhaltend. In Stuttgart verbleiben die Preise für Neubauwohnungen bei rund 8.500 Euro pro Quadratmeter, während die Bestandsmieten stabil bei etwa 16,40 Euro pro Quadratmeter liegen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt aufgrund gestiegener Finanzierungskosten hoch, da viele Haushalte weiterhin vom Immobilienerwerb abgehalten werden.
Herr Lipka zufolge ist eine nachhaltige Entspannung des Wohnungsmarktes aktuell nicht in Sicht. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, seien die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, die Senkung von Baukosten sowie die gezielte Förderung der Eigentumsbildung, insbesondere für junge Haushalte, unerlässlich. Andernfalls werde die junge Generation dauerhaft eine „Generation Miete“ bleiben.




