Die internationale Anwaltskanzlei Reed Smith hat ihren Mid-Year Review 2026 für Emerging Companies und Venture Capital veröffentlicht. Der Bericht analysiert die aktuellen Entwicklungen im Venture-Capital-Markt und stellt fest, dass der Zugang zu Börsengängen (IPOs) für viele durch Venture Capital finanzierte Unternehmen nach wie vor schwierig ist. Trotz dieser Herausforderung tragen strategische Käufer, Wachstumsinvestoren und verschiedene alternative Kapitalquellen maßgeblich dazu bei, die entstehende Liquiditätslücke zu schließen. Es zeigt sich ein wachsender Anteil nicht-traditioneller Investoren am gesamten Transaktionsvolumen.
Nick Foreste, Co-Leiter der Praxisgruppe Emerging Companies und Venture Capital bei Reed Smith, erklärte, dass Unternehmen, die geschäftskritische Probleme lösen, Finanzierungs- und Exit-Optionen sichern können, ohne auf ein enges Zeitfenster für einen Börsengang angewiesen zu sein. Strategische Käufer entwickeln sich dabei zu einer attraktiven Alternative. Zudem ziehen kapitalstrukturierte Unternehmen, die für Sekundärtransaktionen vorbereitet sind, zunehmend institutionelle Sekundärmarktinvestoren an.
Strategische M&A als primärer Liquiditätspfad
Zu Beginn des Jahres 2026 befürchteten Marktbeobachter eine anhaltende IPO-Flaute, welche Venture-finanzierte Unternehmen ohne Exit-Möglichkeiten zurücklassen würde. Obwohl der IPO-Markt für viele Firmen anspruchsvoll bleibt, ist die antizipierte „SaaS-Pokalypse“ weitgehend ausgeblieben. Strategische Käufer und Wachstumsinvestoren haben die Liquiditätslücke für Unternehmen geschlossen, die geschäftskritische Probleme adressieren und einen nachweisbaren Product-Market-Fit aufweisen. Die erste Hälfte des Jahres 2026 verzeichnete auf dem Papier Rekordwerte. Das erste Quartal war das stärkste Exit-Quartal aller Zeiten. Der Börsengang von SpaceX allein mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar übertraf den Gesamtwert aller VC-finanzierten Börsengänge seit 2016.
Die Liquidität ist zurück, jedoch nicht für alle Akteure. Nahezu der gesamte Wert entfällt auf eine kleine Gruppe von Unternehmen. Für die Mehrheit der Firmen hängt die Liquidität weiterhin maßgeblich von der Qualität des Unternehmens und dem Zugang zu Sekundärmarkt-Käufern ab. Das IPO-Fenster stand primär profitablen Unternehmen oder Firmen aus Sektoren wie Künstlicher Intelligenz, Kryptowährungen, Fintech, Verteidigung und Raumfahrt offen. Angesichts der Konzentration von etwa 81 Prozent des Handels auf dem Sekundärmarkt auf die 20 größten Namen, sollten Investoren frühzeitig Positionen bei der nächsten Generation qualitativ hochwertiger Unternehmen aufbauen, bevor Mega-IPOs die Landschaft des Sekundärmarktes erneut verändern.
Zunehmende Bedeutung nicht-traditioneller Investoren
Nicht-traditionelle Investoren spielen eine immer wichtigere Rolle. Transaktionen mit Corporate-Venture-Capital-Gesellschaften und Infrastrukturfonds machen einen wachsenden Anteil des gesamten Transaktionsvolumens aus. Private-Equity-Investoren, die traditionell auf Buyouts und Mehrheitsbeteiligungen ausgerichtet waren, tätigen zunehmend spekulative Minderheitsbeteiligungen im Bereich Künstliche Intelligenz, um an dessen raschem Wachstum zu partizipieren. Während sich ein Großteil dieser Aktivitäten auf größere Transaktionen in späteren Unternehmensphasen konzentriert, suchen auch Start-ups in frühen Entwicklungsstadien nach solchen Finanzierungsquellen. Gründer setzen dabei verstärkt auf klar definierte thematische Nischen und sprechen Fonds an, deren Anlageschwerpunkte mit ihrem Sektor übereinstimmen. Dazu zählen auch Unternehmen, die neben Kapital zusätzliche Mehrwerte wie Marktzugang, Vertriebskanäle und Branchenwissen anbieten können.
Teresa Tate, ebenfalls Co-Leiterin der Praxisgruppe Emerging Companies und Venture Capital bei Reed Smith, bemerkte, dass anspruchsvolle Investoren weit über das traditionelle Vorgehensmodell hinausgehen. Private-Equity-Gesellschaften und Corporate-Venture-Einheiten konkurrieren inzwischen direkt mit klassischen Venture-Capital-Investoren um Beteiligungen an hochwertigen Unternehmen. Erfolgreich seien diejenigen, die sich auf Branchen konzentrieren, in denen sie konkrete und differenzierende Expertise einbringen können.
Außerdem nimmt die grenzüberschreitende Venture-Capital-Aktivität zwischen den USA und Europa kontinuierlich zu. US-Fonds investieren verstärkt in europäische Märkte, während europäische Gründer Kapital von US-Investoren einwerben oder ihre Geschäftstätigkeit in die USA ausweiten. Thomas Strassner, Partner im Münchner Büro von Reed Smith, betonte, dass das europäische Venture-Ökosystem gereift ist. Deutschland bringe herausragende Unternehmen in den Bereichen Enterprise AI, Climate Tech, Deep Tech, Gesundheitswesen und Life Sciences hervor.
Das Team von Reed Smith für Emerging Companies und Venture Capital, das seine Präsenz zuletzt in München und im Nahen Osten ausgebaut hat, berät Gründer, Investoren und Wachstumsunternehmen in allen Entwicklungsphasen. Die Kanzlei begleitet jährlich Hunderte von Transaktionen, darunter Wachstumsfinanzierungen, KI-Infrastrukturprojekte und komplexe grenzüberschreitende Transaktionen.




