Die Initiative Wow!Banking hat mit der neuesten Ausgabe ihres Zukunftsreports Deutsche Finanzwirtschaft für 2027 eine Analyse der Zukunftsfähigkeit der deutschen Bankenbranche vorgelegt. Die unter der Leitung von Professor René Schleus von der Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) Hannover durchgeführte Untersuchung basiert auf einer Umfrage, an der sich 397 Finanzinstitute beteiligten. Professor Schleus hob hervor, dass die hohe Resonanz die Relevanz des Themas Zukunftsfähigkeit als konkrete strategische Fragestellung für die Branche unterstreicht.
Der Report bewertet die Zukunftsfähigkeit der Banken anhand von sechs Dimensionen, darunter Technologie und künstliche Intelligenz (KI), Customer Experience, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung, regulatorische Resilienz sowie strategische Geschäftsmodell- und Ertragsfähigkeit. Letztere wurde in der aktuellen Erhebung erstmals berücksichtigt. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 (sehr hohe Zukunftsfähigkeit) bis 5 (sehr geringe Zukunftsfähigkeit).
Die Studie umfasst Rückmeldungen von 208 Genossenschaftsbanken (52 %), 113 Sparkassen (29 %) und 76 Privatbanken (19 %). Diese Verteilung der Teilnehmer reflektiert die Zusammensetzung der Grundgesamtheit der drei Bankengruppen in Deutschland und erhöht somit die Aussagekraft der Analyse. Aufgrund der erstmaligen Einbeziehung der Dimension strategische Geschäftsmodell- und Ertragsfähigkeit sowie der Privatbanken ist der aktuelle Report nur eingeschränkt mit dem Vorjahresbericht vergleichbar.
Herausforderungen in der Umsetzung und Customer Experience
Für Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die in beiden Berichtszeiträumen berücksichtigt wurden, konnte ein leicht verbesserter Wert der Zukunftsfähigkeit von 3,0 auf 2,9 festgestellt werden. Trotzdem wurde eine Diskrepanz zwischen der strategischen Planung und deren Umsetzung identifiziert. Aleksandar Jeremic von fino digital, ein Gründungsmitglied der Wow!Banking Initiative, formulierte dies dahingehend, dass der Mangel weniger an guten Ideen als an deren konsequenter Realisierung liegt.
Einen signifikanten Nachholbedarf konstatierte die Untersuchung im Bereich der Customer Experience. Obwohl leichte Verbesserungen erkennbar sind, stellt insbesondere die Personalisierung von Kundenerlebnissen einen der schwächsten Punkte der gesamten Erhebung dar. Christian Dechert von BSI Software, ebenfalls Gründungsmitglied von Wow!Banking, erläuterte, dass Banken zwar den strategischen Wert der Kundenbeziehung kennen, die Übertragung dieser Stärke in die digitale Welt jedoch personalisierte, End-to-End-Lösungen erfordert, deren durchgängige Umsetzung derzeit oft scheitert.
Fortschritte im KI-Einsatz und die Rolle der Mitarbeitenden
Positive Entwicklungen zeigten sich im Bereich künstlicher Intelligenz (KI). Während in der Kategorie „Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit“ noch Potenzial besteht, KI aus Pilotprojekten in produktive Bank- und Kundenprozesse zu überführen, sind in der Dimension „Technologie und Künstliche Intelligenz (KI)“ bereits deutliche Fortschritte erkennbar. Dies gilt insbesondere für die Kompetenzen der Mitarbeitenden. Die ersten Ergebnisse des Reports wurden von Professor Schleus am 1. September in Frankfurt im Rahmen des Wow!Banking Zukunftsdialogs vorgestellt und mit Fachleuten der Branche diskutiert. Der vollständige Report wird Anfang Oktober erhältlich sein.














