Die geopolitische Situation, vor allem die Entwicklungen im Iran, beeinflusst die Immobilienbranche maßgeblich – dies betrifft die Bedingungen der Finanzierung, die Investmententscheidungen und die Position der Banken im Marktgeschehen. Eine aktuelle Trendbarometer-Umfrage der Berlin Hyp unter über 160 Immobilienprofis belegt diese Dynamiken. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Marktbedingungen durch diese externen Faktoren verändern und welche Relevanz Banken und alternative Finanzierungsanbieter in diesem Umfeld haben.
Die Umfrageergebnisse stellen fest, dass geopolitische Spannungen nachhaltige Auswirkungen auf die gewerbliche Immobilienfinanzierung ausüben. Diese Entwicklungen sind bereits in den Entscheidungsprozessen der Marktbeteiligten präsent, was sich an gestiegenen Refinanzierungskosten, einem höheren Zinsniveau und erhöhten Risikoaufschlägen verdeutlicht. Sascha Klaus, der Vorstandsvorsitzende der Berlin Hyp und Mitglied des Vorstands der LBBW, wies darauf hin, dass der Markt in diesem anspruchsvollen Umfeld weiterhin aktiv agiert, jedoch mit einem bewussteren Risikomanagement, sorgfältigeren Prüfungen von Cashflows und Vermietungen sowie selektiveren Investitionsentscheidungen.
Auswirkungen der Iran-Krise auf Finanzierungskonditionen
Die Iran-Krise zeigt bereits spürbare Effekte auf Finanzierungsentscheidungen. Rund 44 Prozent der Befragten gaben an, bereits konkrete Auswirkungen zu erleben. Weitere 15 Prozent erwarten kurzfristige Folgen, während 17 Prozent mit mittel- bis langfristigen Konsequenzen rechnen. Demgegenüber sehen 17 Prozent aktuell keine Beeinträchtigungen, und 6 Prozent können die Situation derzeit nicht präzise beurteilen. Die stärksten Auswirkungen betreffen zu 35 Prozent die Refinanzierungskosten und das Zinsniveau. Risikoaufschläge und Margen werden von 17 Prozent der Befragten als stark betroffen genannt, die Finanzierungsbereitschaft der Banken von 13 Prozent.
Zudem prognostizieren viele Marktteilnehmer Folgen für Bewertungen und Kaufpreise von Gewerbeimmobilien (12 Prozent) sowie das gesamte Transaktionsvolumen (ebenfalls 12 Prozent). Weniger betroffen sind die Nachfrage nach neuen Finanzierungen (8 Prozent) und die Nachfrage nach Anschluss- beziehungsweise Prolongationsfinanzierungen (2 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass die Iran-Krise primär als Treiber höherer Finanzierungs- und Risikokosten wahrgenommen wird, mit entsprechenden Auswirkungen auf Preise und Marktaktivität.
Marktreaktion und Rolle der Banken
Als Reaktion auf die geopolitischen Risiken passen Marktteilnehmer ihre Strategien an. Eine stärkere Berücksichtigung von Vermietungs- und Konjunkturrisiken (24 Prozent) sowie eine kritischere Betrachtung des Investmentmarktes aufgrund politischer Rahmenbedingungen (19 Prozent) wurden am häufigsten genannt. Viele Akteure reagieren auf steigende Zinsen durch längere Zinsbindungen oder höhere Tilgungen (16 Prozent) und setzen verstärkt Eigenkapital ein (14 Prozent). 12 Prozent der Umfrageteilnehmer planen, Investitionen zu verschieben oder zu reduzieren. Eine kleinere Gruppe von 8 Prozent möchte die Situation für antizyklische Zukäufe nutzen, während 6 Prozent keinen Anpassungsbedarf in ihrer Strategie sehen.
Die Umfrage verdeutlicht außerdem die zentrale Stellung der Banken in der gewerblichen Immobilienfinanzierung. 58 Prozent der Befragten erachten Banken als deutlich wichtiger als alternative Finanzierungsanbieter. Für weitere 19 Prozent sind Banken etwas wichtiger, während 16 Prozent Banken und alternative Finanzierer als gleichrangig bewerten. Nur ein geringer Anteil von 4 Prozent misst alternativen Finanzierern eine etwas größere Bedeutung bei, und 3 Prozent schätzen sie als deutlich wichtiger ein. Dies unterstreicht die Rolle der Banken als primäre Partner, während alternative Finanzierer eher ergänzende Funktionen, etwa bei spezifischen Strukturierungen oder zur Ergänzung des Finanzierungsmix, übernehmen. In Phasen erhöhter Unsicherheit und geopolitischer Risiken bestätigt dies die Bedeutung langjähriger und etablierter Finanzierungsbeziehungen.




