Die globalen Logistikmärkte erleben eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Eine Auswertung des Reports „Waypoint 2026 – Global Industrial Dynamics“ von Cushman & Wakefield, basierend auf der Analyse von 135 globalen Logistikmärkten, zeigt auf, dass der Anteil mieterfreundlicher Märkte von derzeit 52 Prozent auf voraussichtlich 33 Prozent bis zum Jahr 2029 sinken wird. Parallel dazu wird erwartet, dass der Anteil vermieterfreundlicher Märkte von aktuell 26 Prozent auf nahezu 40 Prozent ansteigen wird, wobei neutral eingestufte Märkte hierbei unberücksichtigt bleiben.
Diese Entwicklung wird primär durch Faktoren wie Angebotsverknappung, steigende Kosten sowie eine Zunahme geopolitischer, handelspolitischer und klimabedingter Unsicherheiten beeinflusst. Unternehmen passen ihre Liefer- und Logistiknetzwerke an, um Risiken effektiver zu managen. Vormals punktuelle Störungen entwickeln sich zunehmend zu strukturellen Einflussgrößen, was die Nachfrage nach hochwertigen, strategisch gelegenen Logistikimmobilien, insbesondere in Märkten mit rückläufigen Leerständen, intensiviert.
Die Mieten auf den weltweiten Logistikmärkten liegen aktuell 36 Prozent über dem Niveau von 2020, während auch die Betriebskosten weiterhin ansteigen. Diese Dynamik beschleunigt strategische Standortentscheidungen bei Immobilieneigentümern und Nutzern. Eine Prognose deutet darauf hin, dass 54 Prozent der analysierten Märkte in den kommenden drei Jahren weitere Mietanstiege verzeichnen werden. Zum Jahresende 2025 wurde in den untersuchten Märkten, jeweils in lokaler Währung, ein durchschnittliches Mietwachstum von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr registriert. Brasilien führte diese Entwicklung mit einem Plus von circa einem Drittel an. Deutschland positionierte sich mit einem Mietanstieg von leicht überdurchschnittlichen 2,5 Prozent im Mittelfeld. Zehn Länder, mehrheitlich europäische Märkte wie Österreich, Kroatien, Finnland und Polen, verzeichneten kein Mietwachstum. Leichte Rückgänge wurden in unter anderem in zwei regionalen US-Märkten, Kanada, Tschechien und Ungarn beobachtet, während Greater China mit rund 7 Prozent den deutlichsten Rückgang der Logistikmieten meldete.
Märkte in EMEA: Angebotsknappheit und Energiekosten
Innerhalb der EMEA-Region sind gegenwärtig 54 Prozent der Logistikmärkte als mieterfreundlich anzusehen. Dieser Anteil wird bis 2029 voraussichtlich auf knapp unter 40 Prozent zurückgehen. Parallel dazu stabilisieren sich die Leerstandsquoten oder zeigen bereits einen Abwärtstrend, was unter anderem auf die verhaltene Neubautätigkeit vieler Entwickler zurückzuführen ist. Hierzu kommentiert Sally Bruer, Head of EMEA Logistics & Industrial and Retail Research bei Cushman & Wakefield und Autorin der Waypoint-Studie, dass die kommende Phase des Logistikzyklus davon geprägt sein wird, Chancen frühzeitig zu erkennen und zu nutzen. Resilienz durch Technologie, Automatisierung und energieeffiziente Gebäude in Immobilienstrategien zu integrieren, sei entscheidend für die Bewältigung von Disruptionen und die Sicherung langfristigen Wachstums.
- —In etablierten Logistikmärkten wie Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Belgien ist für Nutzer die frühzeitige Sicherung geeigneter Standorte und hochwertiger Flächen von zunehmender Relevanz.
- —Märkte in Mittel- und Osteuropa, darunter Polen, Tschechien und Ungarn, bieten derzeit noch differenzierte Bedingungen, jedoch wird auch dort mittelfristig eine zunehmende Flächenabsorption die Verfügbarkeit graduell limitieren.
- —Energiekosten stellen in der gesamten EMEA-Region einen signifikanten Differenzierungsfaktor dar. Hohe Strompreise in Ländern wie Deutschland, Italien, den Niederlanden und Großbritannien fördern die Präferenz für energieeffiziente Gebäude, Standorte mit Zugang zu erneuerbaren Energien und Immobilien mit zuverlässiger Strominfrastruktur.
Tim Crighton, Head of Logistics & Industrial EMEA bei Cushman & Wakefield, hebt hervor, dass der Wandel der Logistiklandschaft in EMEA nicht nur Agilität erfordert, sondern zunehmend eine strategische Aufgabe darstellt. Die Qualität von Logistikimmobilien, insbesondere hinsichtlich der Automatisierungsfähigkeit, entwickelt sich zu einem kritischen Wettbewerbsfaktor. Eine abwartende Haltung in bestimmten Märkten kann für Mieter Risiken bergen. Zukünftig werden erfolgreiche Standortentscheidungen eine umfassende Integration von Immobilienstrategie, operativer Performance, Flexibilität und Nachhaltigkeit erfordern.




