Marktanalyse··2 min

Wohnungsbau: Genehmigungen steigen, Umsetzung stockt

Trotz eines signifikanten Anstiegs der Baugenehmigungen im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr, fordert der ZIA politische Maßnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Mobilisierung privaten Kapitals.

Wohnungsbau: Genehmigungen steigen, Umsetzung stockt

Das Statistische Bundesamt registrierte im Mai 2026 eine Erteilung von über 21.000 Baugenehmigungen mehr als im Mai 2025. Dies entspricht einer Steigerung von 24,7 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Segment der Mehrfamilienhäuser kumulierte sich die Anzahl der Genehmigungen im Zeitraum von Januar bis Mai 2026 auf 56.100 Wohnungen, was einem Zuwachs von 18,9 Prozent oder 8.900 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, betonte hierzu, dass sichtbare Fortschritte lediglich auf dem Papier vorlägen, die Realisierung von Wohnraum jedoch auf den Baustellen erfolge. Sie konstatierte die Bereitschaft des Marktes und forderte daraufhin die Politik auf, durch verlässliche Finanzierung, die Einführung des Gebäudetyps E und ein klares Bekenntnis zum Schutz privaten Eigentums entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Notwendige Weichenstellungen für den Wohnungsbau

Zur nachhaltigen Belebung des Wohnungsbaus und zur Mobilisierung privaten Kapitals sind seitens der Politik präzise Entscheidungen in vier Schlüsselbereichen erforderlich. Diese Maßnahmen sollen Investitionen fördern und bestehende Hemmnisse beseitigen.

  • Klarheit beim Gebäudetyp E: Der ausstehende Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E wird als wesentlich erachtet, um Bauprojekte durch vereinfachte und standardisierte Anforderungen effizienter und kostengünstiger umzusetzen. Eine zügige und flächendeckende Implementierung aller verfügbaren Vereinfachungen für Planung und Bau von Neubauprojekten ist geboten.
  • Klarheit bei der Finanzierung: Hohe Finanzierungskosten und unzureichende Rahmenbedingungen hemmen Investitionsentscheidungen. Der ZIA schlägt den Einsatz eigenkapitalersetzender Instrumente wie staatlicher Bürgschaften, Garantien und Zuschüsse vor, um Liquidität zu generieren. Ferner wird eine signifikante Reduzierung oder Aussetzung der Grunderwerbsteuer für Ersterwerbende und private Vermieter gefordert.
  • Klare Regelungen bei Vergesellschaftungsbestrebungen: Die Diskussion um die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen untergräbt das Vertrauen von Investoren in die Rechtssicherheit und gefährdet essenzielle Investitionen. Die klare Positionierung der Bundesregierung in dieser Frage wird begrüßt, und es wird eine rasche Umsetzung des Koalitionsausschussbeschlusses in konkrete Gesetzgebung angemahnt.
  • Beseitigung von Kostentreibern: Gesetzliche Regelungen, wie das geplante „Gesetz zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur und zur Fortentwicklung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung“, müssen kritisch geprüft werden. Erwartete Kostensteigerungen, zum Beispiel ein vorgesehener 20-prozentiger Aufschlag auf Ersatzzahlungen, würden in einem Umfeld bereits hoher Bau-, Boden- und Finanzierungskosten zusätzliche Belastungen verursachen, die die Wirtschaftlichkeit von Wohnungsbauprojekten negativ beeinflussen.

Frau Özkan unterstrich abschließend, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nicht mit einer kontinuierlichen Verteuerung des Bauens einhergehen darf. Gleichzeitig sei der Schutz von Eigentum und die Ermöglichung von Investitionen für die Realisierung neuen Wohnraums unabdingbar.

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