Der Rat für Formgebung, bekannt als German Design Council, hat kürzlich die Gewinner der ICONIC AWARDS 2026 veröffentlicht. Die Auszeichnung wird als internationale Plattform für Innovationen in den Bereichen Architektur, Interior Design und Produktentwicklung verstanden. Insgesamt gingen rund 800 Einreichungen aus über 45 Ländern ein, was die globale Relevanz dieser Preise unterstreicht. Von diesen Projekten erhielten 45 die höchste Auszeichnung als „Best of Best“.
Die prämierten Arbeiten reflektieren die aktuelle Reaktion auf zeitgenössische Herausforderungen: Sie umfassen die Transformation bestehender Gebäude, die Entwicklung von Produkten als integrale Bestandteile der Infrastruktur sowie die Gestaltung von Innenräumen, die sowohl gemeinschaftliche Nutzung als auch individuelle Rückzugsmöglichkeiten ermöglichen. Dabei wird eine detaillierte Auseinandersetzung mit Material, Licht und Nutzungszweck sichtbar. Hinter den Projekten stehen Arbeitsweisen, die Verantwortungsbewusstsein zeigen und kontextspezifische Lösungen entwickeln. Die Definition von Architektur wird hierbei erweitert, indem nicht nur das fertige Bauwerk, sondern auch die zugrunde liegenden Prozesse, Partnerschaften und Formen der Verantwortung Berücksichtigung finden.
Lutz Dietzold, CEO des German Design Council, betonte, dass die ausgezeichneten Projekte neue Perspektiven auf Architektur und Interior Design eröffnen. Sie würden mit unterschiedlichen gestalterischen Ansätzen auf die Anforderungen der Gegenwart reagieren und räumliche Qualität mit Verantwortlichkeit verbinden. Dietzold hob hervor, dass zukunftsfähige Lösungen aus der präzisen Analyse von Ort, Material, Nutzung und Atmosphäre entstehen. Dieses Qualitätsverständnis manifestiert sich besonders in den fünf Sonderpreisen 2026, die Persönlichkeiten, Büros, Projekte und Bauherren für ihre prägende Rolle im Architekturdiskurs ehren.
Sonderpreise für herausragende Leistungen
Die Kategorie „Architects of the Year“ würdigt Tiantian Xu und ihr Büro DnA_Design and Architecture aus China. Das Büro zeichnet sich durch eine konsequente Kontextualisierung der Architektur aus, bei der Ort, Nutzung und deren Wechselwirkungen den Ausgangspunkt jedes Entwurfs bilden. Dies führt zu Projekten, die aus den räumlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen ihres Umfelds hervorgehen, anstatt einer wiedererkennbaren formalen Handschrift zu folgen. Arbeiten wie „Quarry No. 9“ illustrieren, wie minimale Eingriffe vorhandene Landschaften in öffentliche Räume umwandeln und die kulturelle Identität der Orte revitalisieren können.
Als „Interior Designers of the Year“ wurde das Mailänder Studio Wok ausgezeichnet. Das Büro versteht Interior Design als Gestaltung von Lebensräumen, wobei Architektur, Innenraum und Landschaft als zusammenhängende Disziplinen entwickelt werden. In Kooperation mit lokalen Handwerksbetrieben und unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten entstehen Präzision und atmosphärische Qualität. Die „Farini Bakery“ dient als Beispiel für die Schaffung von Orten durch natürliche Materialien, präzise Details und räumliche Zurückhaltung, deren Qualität sich mit der Nutzung weiterentwickelt. Die Jury würdigt Studio Wok für ein zeitgemäßes Verständnis von Interior Design, das Dauerhaftigkeit und Materialgerechtigkeit über kurzfristige Inszenierungen stellt.
Die Ehrung „Creator of the Year“ erhielt TEN, eine Praxis, die Architektur als einen offenen Forschungs- und Gestaltungsprozess betrachtet. TEN arbeitet in interdisziplinären Teams und verbindet Entwurf, Forschung und Wissensaustausch. Jedes Projekt entwickelt einen eigenen methodischen und narrativen Rahmen, wobei Workshops und Design Sprints kollektiver Autorenschaft Raum bieten. Diese Auszeichnung unterstreicht, dass architektonische Innovation ebenso aus neuen Formen der Zusammenarbeit wie aus dem gebauten Ergebnis hervorgeht.
Das Zheshui Village Committee wurde als „Architects' Client of the Year“ ausgezeichnet, wodurch die Bedeutung engagierter Bauherren und ihrer Zusammenarbeit mit Architekten und Nutzern in den Fokus rückt. In Kooperation mit LUO Studio entstand die Zheshui Natural Library als Bildungs- und Begegnungsort für Kinder und die Dorfgemeinschaft. Lokale Materialien und traditionelle Bauweisen wurden hier mit einem zeitgenössischen Verständnis von Teilhabe verbunden. Die Jury würdigte dieses Projekt als Architektur, die nicht nur eine Bauaufgabe erfüllt, sondern auch kulturelle Identität und sozialen Zusammenhalt fördert.
Der Sonderpreis „Debut Work of the Year“ ging an ABF-LAB für die „Maison du Département des Solidarités“ in Langon. Dieses französische Büro integriert Architektur und Ingenieurwesen, wobei ökologische Anforderungen von Beginn an den Entwurf bestimmen. Bioklimatische Strategien, Low-Tech-Prinzipien und Konstruktionen aus Holz, Stroh und Lehm bilden die Grundlage dieses Sozialbaus, der Material, Konstruktion und Nutzung als zusammenhängendes System begreift. Die Jury würdigte hiermit einen Ansatz, der nachhaltiges Bauen als integralen Bestandteil architektonischer Qualität versteht. Die Auszeichnung ist mit 10.000 EUR dotiert und wird von dormakaba unterstützt.
Internationale Zusammenarbeit und Diskurs
Die ICONIC AWARDS fördern gemeinsam mit dem Architekturfachmagazin DETAIL den internationalen Austausch über Architektur und Baukultur. Diese Medienpartnerschaft schafft eine Plattform für die vertiefte Auseinandersetzung mit den prämierten Arbeiten und begleitet den Diskurs über aktuelle Entwicklungen im Planen und Bauen über den Wettbewerb hinaus. Die Fachjury der ICONIC AWARDS 2026, die jährlich neu berufen wird, besteht aus führenden internationalen Persönlichkeiten der Architektur-, Design- und Materialkultur. Zu den Jury-Mitgliedern für 2026 gehören unter anderem Jonas Bjerre-Poulsen von Norm Architects, Caroline Nagel von COBE, Eva Marguerre und Marcel Besau von Besau-Marguerre, Lara Katscher von Werner Sobek AG sowie Peter Ippolito, Gründer der Ippolito Fleitz Group.














