Im Rahmen einer Online-Pressekonferenz am 8. Juli 2026 bewerteten vier Fachleute die Lage des Berliner Wohnimmobilienmarktes. Die Diskussion konzentrierte sich auf die Resilienz des Marktes, die Hemmnisse für den Wohnungsneubau sowie die Anforderungen an die Politik, um Investitionen zu fördern. Trotz anhaltender politischer Diskussionen wurde die Attraktivität Berlins für Wohninvestitionen hervorgehoben.
Benjamin Rogmans, Geschäftsführer und Leiter WGHs E&V Commercial Berlin, äußerte, dass der Berliner Wohninvestmentmarkt trotz politischer Debatten einer der attraktivsten in Deutschland bleibe. Er betonte, dass institutionelles Kapital vorhanden sei, entscheidend jedoch Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen seien. Rogmans beschrieb einen rationaleren Markt als in den Vorjahren, in dem Verkäufer ihre Preisvorstellungen angepasst hätten und Transaktionen stattfänden, wodurch der Berliner Wohnimmobilienmarkt im Vergleich zu anderen Assetklassen bemerkenswert stabil sei.
Weiterhin hob Rogmans hervor, dass der Neubau der effektivste Weg sei, um den Druck auf den Berliner Wohnungsmarkt zu mindern. Hierfür seien Vertrauen der Investoren in den Standort, schnellere Genehmigungsprozesse und politische Verlässlichkeit essenziell.
Bedeutung von Vertrauen und beschleunigten Prozessen
Ingo Weiss, Co-Founder und Managing Partner von DRIVEN, bestätigte die langfristige Attraktivität Berlins als Wohnimmobilienstandort. Er argumentierte, dass die Beendigung der Enteignungsdebatte das notwendige Vertrauen schaffe, damit internationale Investoren wieder verstärkt den Markt betrachteten. Weiss identifizierte langwierige Genehmigungsprozesse und fehlendes Bauland als die größten Bremsen für den Wohnungsneubau und forderte eine Beschleunigung der Planungsverfahren sowie die raschere Aktivierung von Flächen.
Für Projektentwickler spielten neben Rendite und Finanzierung insbesondere die Marktliquidität eine Rolle. Planungssicherheit stärke das Investorenvertrauen und erhöhe die Bereitschaft zur Realisierung neuer Wohnprojekte in Berlin. Stefan Claus, CEO von BEB+, unterstrich die fundamental positiven Aspekte des Berliner Wohnungsmarktes: hohe Nachfrage, wirtschaftliches Wachstum und ausreichend Kapital. Er identifizierte zunehmende Regulierung und mangelnde Verlässlichkeit der politischen Rahmenbedingungen als wesentliche Investitionshemmnisse.
Claus merkte an, dass der Fokus nicht ausschließlich auf günstigere Baukosten liegen dürfe. Für Investoren sei die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie entscheidend, wozu auch stabile Bewirtschaftungsbedingungen im Bestand gehörten. Er sprach sich gegen weitere Regulierung aus, da diese keinen zusätzlichen Wohnraum schaffe, und plädierte für mehr Vertrauen in marktwirtschaftliche Mechanismen und weniger bürokratische Eingriffe, um Investitionen und Neubau anzukurbeln.
Regulierung und Neubauaktivierung
Sebastian Fischer, CEO von PRIMUS Immobilien, differenzierte zwischen Bestands- und Neubauwohnungen. Während Bestandswohnungen zunehmend reguliert würden, gäbe es auf Bundes- und Landesebene Initiativen zur Beschleunigung des Wohnungsneubaus. Fischer hob Berlin als attraktiven Zukunftsstandort hervor, dessen Wirtschaftswachstum, Zuzug und Wohnbedarf klar für langfristige Investitionen, insbesondere im Neubau, sprächen. Er schlussfolgerte, dass der Wohnungsneubau weniger Komplexität und schnellere Verfahren benötige, da hohe Planungs- und Baukosten sowie lange Genehmigungszeiten die größten Hürden für mehr Wohnungsbau in Berlin darstellten.




