Solarcarports stellen einen essenziellen Bestandteil der Energiewende dar, indem sie versiegelte Flächen für Photovoltaik erschließen, eine Grundlage für Ladeinfrastrukturen schaffen und Unternehmen sowie Kommunen bei der dezentralen Stromversorgung unterstützen. Trotz dieser Vorteile geraten zahlreiche Projekte bereits in der Konzeptionsphase unter ökonomischen Druck. Die eigentlichen Kostentreiber sind nach Einschätzung des Engineering-Unternehmens PILLAR häufig nicht die Solarmodule selbst, sondern Faktoren wie Baugrund, Fundament, Statik oder Genehmigungsverfahren, deren Berücksichtigung im Planungsprozess verzögert erfolgt.
Vasyl Betsa, Geschäftsführer und Gründer von PILLAR, einem Unternehmen, das seit über zehn Jahren Solarcarport-Projekte realisiert, hebt hervor, dass die Wirtschaftlichkeit von Projekten seltener an der Photovoltaiktechnik scheitert, sondern an unzureichend geklärten Rahmenbedingungen. Bereits geringfügige Nachbesserungen können vierstellige Zusatzkosten verursachen. Bei größeren gewerblichen oder kommunalen Anlagen kumulieren sich Verzögerungen und Anpassungen an den Fundamenten rasch zu sechsstelligen Summen. Bei der parallelen Entwicklung mehrerer Standorte können die Mehrkosten sogar Millionenbeträge erreichen. Dieses Kostenrisiko materialisiert sich laut PILLAR meist nicht während der Bauphase, sondern in einer früheren Planungsstufe, wenn wesentliche Grundlagen verspätet in die Überlegungen einbezogen werden.
Baugrund und Statik: Entscheidende Faktoren für das Projektbudget
Eine wesentliche Unsicherheit in der Planung von Solarcarports liegt in den unbekannten Untergrundbedingungen. Die frühzeitige Untersuchung von Baugrund und Grundwasserverhältnissen ist daher von hoher Relevanz. Bodenkennwerte und der Grundwasserstand werden üblicherweise mittels eines Baugrundgutachtens ermittelt. Werden diese Untersuchungen jedoch zu spät beauftragt oder ausgewertet, können entscheidende Erkenntnisse nicht mehr fristgerecht in die Planung einfließen. Unerwartete Hindernisse wie bestehende Leitungen, Kabeltrassen, alte Fundamente oder andere Einbauten im Untergrund treten häufig erst während der Bauarbeiten zutage. Dies führt zu erforderlichen Anpassungen der Fundamentpositionen oder Unterbrechungen des Bauablaufs, die wiederum Verzögerungen und zusätzliche Kosten nach sich ziehen.
Die Bedeutung der Statik geht über einen bloßen formalen Nachweis hinaus. Sie basiert auf spezifischen Annahmen zu Baugrund, Wind-, Schnee- und Verkehrslasten. Stimmen diese Annahmen nicht mit den tatsächlichen Standortbedingungen überein, sind oft nicht nur die Fundamente betroffen. Eine Anpassung des Tragwerks kann erforderlich werden, falls dieses auf Basis der ursprünglichen Annahmen unterdimensioniert wurde und die notwendige Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Die maßgeblichen Mehrkosten resultieren somit häufig nicht aus den Solarmodulen, sondern aus der Fundamentierung und der konstruktiven Ausführung.
Genehmigungsverfahren und Infrastrukturintegration
Genehmigungsprozesse entwickeln sich regelmäßig zu einem kritischen Zeitfaktor. Blendgutachten, Brandschutzanforderungen, Prüfstatiken oder umweltrechtliche Vorgaben werden vielfach erst eingehend geprüft, wenn die technische Planung bereits weit fortgeschritten ist. Werden wesentliche Anforderungen erst im Verlauf des Genehmigungsverfahrens erkennbar, führt dies zu erneuten Prüfschleifen oder Planänderungen, wie Vasyl Betsa erläutert. Anpassungen an Stellplatzaufteilungen, Feuerwehrzufahrten oder Tragwerksdetails haben dann unmittelbare Auswirkungen auf Terminpläne und Kosten.
Die Integration von Netzanschluss und Ladeinfrastruktur wird häufig zu spät in den Planungsprozess einbezogen, obwohl die Bedeutung der Energieinfrastruktur auf Parkflächen durch den Ausbau der Elektromobilität stetig wächst. Bereits in einer frühen Projektphase sollte die Verfügbarkeit ausreichender Netzkapazitäten am Standort geprüft werden. Netzanschlussbegehren und Netzverträglichkeitsprüfungen durch den Netzbetreiber beanspruchen oft mehrere Wochen oder Monate, ein Zeitaufwand, der in der Projektplanung regelmäßig unterschätzt wird. Späte Erkenntnisse können zusätzliche Tiefbauarbeiten oder nachträgliche Anpassungen notwendig machen. Ein Solarcarport ist heute Teil einer gesamtheitlichen Energieinfrastruktur, sodass Photovoltaik und Netzanschluss bereits in der frühen Projektentwicklung gemeinsam geplant werden sollten.
- —Späte Berücksichtigung von Baugrund- und Grundwasserverhältnissen.
- —Unzureichende Analyse der statischen Anforderungen im Verhältnis zu den tatsächlichen Standortbedingungen.
- —Verzögerte oder unvollständige Bearbeitung von Genehmigungsverfahren.
- —Mangelhafte oder späte Integration von Netzanschluss und Ladeinfrastruktur.
Abschließend zeigt die Projektpraxis, dass viele Solarcarport-Projekte nicht an der Solartechnik, sondern an vermeidbaren Planungsfehlern scheitern. Die Wirtschaftlichkeit eines Projekts entscheidet sich oft, bevor das erste Fundament gesetzt wird. Dies erfordert eine umfassende und vorausschauende Planung, die alle relevanten Standortbedingungen und regulatorischen Anforderungen frühzeitig integriert.




