Der EU AI Act, welcher seit dem 2. August 2026 einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz branchenübergreifend etabliert, trifft die Immobilienwirtschaft weitgehend unvorbereitet. Eine von pom+ Deutschland durchgeführte Umfrage unter 86 Entscheidungsträgern der Immobilienbranche im Juli 2026 verdeutlicht dies. Die Ergebnisse zeigen, dass ein signifikanter Teil der Führungskräfte die Tragweite und die Anforderungen der neuen Regulatorik nicht vollständig erfasst.
Konkret ergab die Erhebung, dass nahezu jede dritte Führungskraft keine Kenntnis über die Herausforderungen des EU AI Acts besitzt. Ein ähnlich hoher Anteil der Befragten konnte nicht einschätzen, inwieweit das eigene Unternehmen auf die neuen Vorgaben vorbereitet ist. Diese Defizite betreffen insbesondere Bereiche wie die Transparenz von KI-Anwendungen, die Governance-Strukturen sowie den Umgang mit Risiken, die beim Einsatz von KI in Prozessen wie Dokumentenanalyse, Mieterkommunikation oder Immobilienbewertung entstehen können. Die Frist zur vollständigen Umsetzung der Vorgaben ist bis Dezember 2027 gesetzt.
Wissenslücken bei Datenschutz und Compliance
Die Umfrage von pom+ Deutschland deckt zudem auf, dass zentrale Aspekte wie Datenschutz, Datensicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben von einer Minderheit der Befragten als tragend erachtet werden. Lediglich 11 Prozent der Führungskräfte messen Datenschutz und Datensicherheit eine hohe Relevanz bei, während nur 9 Prozent die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen als kritisch einstufen. Dies deutet auf eine Unterschätzung der komplexen Anforderungen hin, die der EU AI Act an Unternehmen stellt.
Des Weiteren wird der organisatorische Aufwand, der mit der Implementierung des EU AI Acts verbunden ist, von lediglich 2 Prozent der Befragten als wesentliche Herausforderung wahrgenommen. Rebekka Ruppel, CEO von pom+ Deutschland, kommentiert diese Befunde und betont, dass der Immobilienwirtschaft das notwendige Fachwissen fehle. Die eigentliche Herausforderung liege nicht in der technischen Umsetzung des AI Acts, sondern in der Neuausrichtung von Verantwortlichkeiten und dem Aufbau interner Kompetenzen. Die Schaffung von Fachwissen und die Anpassung von Arbeitsweisen erforderten einen längeren Zeitraum, als viele annähmen. Ruppel weist darauf hin, dass Entscheidungen bezüglich Datenschutz und Compliance oft in unterschiedlichen Abteilungen getroffen werden, die letztliche Verantwortung jedoch beim Vorstand liege. Ein "nebenbei" angesiedeltes Management des Themas unterschätze den regulatorischen sowie den organisatorischen Wandel, den der AI Act mit sich bringe.
- —Jede dritte Führungskraft ist unkundig bezüglich der Herausforderungen des EU AI Acts.
- —Ein Drittel der Unternehmen weiß nicht, wie gut sie auf den AI Act vorbereitet sind.
- —Datenschutz und Datensicherheit werden von nur 11 Prozent als relevant erachtet.
- —Der organisatorische Aufwand wird von lediglich 2 Prozent als Hürde eingeschätzt.




