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Rechenzentrumsmarkt: Wachstum jenseits der Metropolen und strategische Neuausrichtung

Der deutsche Rechenzentrumsmarkt expandiert signifikant über die urbanen Zentren hinaus, mit einer prognostizierten Entwicklung von Hunderten Megawatt an Rechenleistung im ländlichen Raum bis 2030.

Rechenzentrumsmarkt: Wachstum jenseits der Metropolen und strategische Neuausrichtung

Eine aktuelle Analyse von JLL mit dem Titel „Die neue Geografie des Rechenzentrumsmarkts in Deutschland“ beleuchtet die bevorstehende Evolution des deutschen Rechenzentrumsmarktes. Die Untersuchung prognostiziert eine Verlagerung des Wachstums über die traditionellen Metropolregionen hinaus, obwohl Frankfurt seine führende Position auf mittlere Sicht beibehalten wird. Bis zum Jahr 2030 wird mit der Entstehung erheblicher Rechenleistungskapazitäten im Megawatt-Bereich auch in ländlichen Regionen gerechnet.

Frankfurt am Main affirmierte im Jahr 2025 seine Stellung als größter europäischer Rechenzentrumsstandort mit einer installierten IT-Leistung von 997 MW und einer geringen Leerstandsquote von vier Prozent. Die Stadt verzeichnete einen Rekordzuwachs von 135 MW neu hinzugekommener Kapazität. Jedoch konfrontiert sich die Metropole zunehmend mit Beschränkungen der Energieinfrastruktur, die zu Wartezeiten von über zehn Jahren für Netzanschlüsse größerer Anlagen führen können. Dies wurde von Stanislav Kreuzer, Senior Director EMEA Research Data Hub Operations und Autor der Studie, hervorgehoben.

Regionale Entwicklungen und Kapazitätserweiterungen

Berlin zeigt das stärkste Wachstumspotenzial. Mit einem aktuellen Bestand von 136 MW und einer Pipeline von 74 MW im Bau sowie 643 MW in Planung wird eine Steigerung der IT-Kapazität auf bis zu 853 MW bis 2030 erwartet, was einem sechsfach erhöhten Volumen entspricht. München folgt mit einem Bestand von 102 MW und 122 MW in Planung. Die Region Köln/Düsseldorf profitiert von Großprojekten wie der Investition von Microsoft im Rheinischen Revier und weist einen Bestand von 55 MW sowie 100 MW geplanter Kapazität auf.

Die Entwicklung dezentraler Standorte ist ebenfalls bemerkenswert. In Nordrhein-Westfalen plant Blackstone in Hamm ein Rechenzentrum mit bis zu 200 MW Rechenleistung, verbunden mit einer Investition von rund vier Milliarden Euro. Die Schwarz-Gruppe realisiert im brandenburgischen Lübbenau/Spreewald eine Anlage mit 200 MW Anschlussleistung bei einem Investitionsvolumen von elf Milliarden Euro. In Sachsen ist der „Green Power Park“ in Rackwitz mit bis zu 500 MW Anschlussleistung projektiert.

Strategische Faktoren und zukünftige Herausforderungen

Deutschland rangiert mit 529 Rechenzentren europaweit an erster Stelle. Der Markt wird derzeit auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2030 auf 12,84 Milliarden US-Dollar anwachsen. Infolgedessen wird ein Anstieg der IT-Kapazität von aktuell 1,3 GW auf bis zu 4,85 GW prognostiziert. Jedoch merkt Herr Kreuzer an, dass der Anteil der etablierten FLAP-D-Märkte (Frankfurt, London, Amsterdam, Paris, Dublin) an der gesamteuropäischen Rechenzentrumskapazität bis 2035 voraussichtlich von 62 auf 51 Prozent sinken könnte, da nordische Länder und Spanien aufgrund kürzerer Netzanschlusszeiten, günstigerer erneuerbarer Energien und höherer Flächenverfügbarkeiten an Attraktivität gewinnen.

Künstliche Intelligenz ist ein maßgeblicher Wachstumstreiber. Der Bitkom prognostiziert, dass der Anteil von KI-Anwendungen an der installierten Rechenzentrumsleistung in Deutschland von aktuell 15 Prozent auf 40 Prozent bis 2030 ansteigen wird. Die Cloud-Migration der Wirtschaft, bei der Unternehmen bis 2030 mehr als die Hälfte ihrer IT-Anwendungen in die Cloud verlagern wollen, bildet eine weitere solide Basis. Die digitale Souveränität stellt einen dritten entscheidenden Faktor dar; ein Ausfall amerikanischer Cloud-Anbieter würde in Deutschland eine Versorgungslücke von ca. 1.200 MW verursachen. Die im März verabschiedete Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung zielt darauf ab, die Kapazitäten bis 2030 mindestens zu verdoppeln und die KI-Kapazitäten zu vervierfachen.

Die Energieversorgung entwickelt sich zur größten Herausforderung. Rechenzentren transformieren sich von passiven Verbrauchern zu aktiven Akteuren im Energiesystem. Battery Energy Storage Systems (BESS) ermöglichen „Peak-Shaving“ und tragen zur Netzstabilisierung bei. Betreiber investieren in eigene Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder bauen wie CyrusOne in Frankfurt-Sossenheim mit einem 61-MW-Gaskraftwerk eigene Kraftwerke. Herr Kreuzer resümiert, dass der deutsche Rechenzentrumsmarkt an einem Wendepunkt steht und die geografische Diversifizierung eine direkte Antwort auf Kapazitätsengpässe darstellt sowie die Notwendigkeit innovativer Lösungen in Bezug auf Energie und Nachhaltigkeit unterstreicht.

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