Marktanalyse··3 min

Leichte Aufwärtsbewegung bei Bauzinsen erwartet

Nach einer Zinspause im Juli signalisieren aktuelle Inflationsdaten und die Entwicklung an den Finanzmärkten eine mögliche Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank im September, was sich auf die Baufinanzierung auswirken könnte.

KI-generiertLeichte Aufwärtsbewegung bei Bauzinsen erwartet – KI-generiertes Symbolbild
Leichte Aufwärtsbewegung bei Bauzinsen erwartet. Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Immobilie, Person oder Situation und ist kein dokumentarisches Foto. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO/AI Act). Mehr zur KI-Transparenz.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt ihren Hauptrefinanzierungssatz Ende Juli unverändert bei 2,4 % und setzte damit nach der vorherigen Anhebung im Juni eine vorübergehende Pause ein. Diese Entscheidung wurde von EZB-Präsidentin Christine Lagarde als einstimmig dargestellt, obgleich einzelne Ratsmitglieder die Notwendigkeit eines weiteren Zinsschritts bereits im Juli diskutierten. Die kurz darauf veröffentlichten Verbraucherpreise im Euroraum dürften diese Diskussion intensivieren.

Die Inflation im Euroraum stieg im Juli vorläufig auf 2,9 % an, nach 2,8 % im Juni. Auch die Kerninflation verzeichnete einen Anstieg von 2,4 % auf 2,5 %. Wesentlicher Faktor für diese Entwicklung war erneut die Energiekomponente, bedingt durch eine erneute Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten im Verlauf des Monats. Die aktuellen Inflationszahlen begrenzen nach Einschätzung von Experten den Spielraum für eine fortgesetzte Zinspause der EZB erheblich.

Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, merkt an, dass sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation wieder über den Werten vom Juni liegen. Die Terminmärkte antizipieren für die EZB-Sitzung nach der Sommerpause am 10. September eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte als wahrscheinlich, mit der Möglichkeit weiterer Schritte bis Jahresende. Die robusten BIP-Zahlen des zweiten Quartals – die Eurozone wuchs um 1,0 % gegenüber erwarteten 0,5 % – reduzieren die Befürchtung der EZB, mit einer Zinserhöhung das Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen.

Entwicklungen in den USA und deren Auswirkungen

Die Federal Reserve (Fed) in den USA beließ ihren Leitzinskorridor unter dem Vorsitzenden Kevin Warsh zum zweiten Mal in Folge unverändert bei 3,50 bis 3,75 %. Dies war jedoch von einem deutlichen Dissens im Offenmarktausschuss begleitet: Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder votierten für eine sofortige Anhebung um 25 Basispunkte. Dies stellte den stärksten Widerspruch innerhalb des Gremiums seit einem Jahrzehnt dar. Die Terminmärkte sehen für die nächste Sitzung der Fed am 16. September inzwischen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung.

Die Marktreaktion auf die Fed-Sitzung war bemerkenswert: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2007, der US-Dollar verlor an Wert, und die Aktienmärkte verzeichneten spürbare Rückgänge. Schöfl interpretiert dies als klares Signal, dass die Märkte Warshs zurückhaltender Kommunikationsstrategie nicht ohne Weiteres folgen. Er weist darauf hin, dass eine Notenbank, die die Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung stärker den Marktteilnehmern überlassen möchte, wie von Walsh formuliert, gleichzeitig die Unsicherheit über den tatsächlichen geldpolitischen Kurs erhöht. Dies impliziert für den Anleihen- und Zinsmarkt in den USA und möglicherweise auch für Europa eine erhöhte Volatilität.

Auswirkungen auf die Baufinanzierungszinsen

Nach einer spürbaren Veränderung im Juli, bei der die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen von rund 3,4 % auf etwa 3,7 % gestiegen waren, zeichnet sich für August eine Seitwärtsbewegung auf leicht höherem Niveau ab. Aktuell liegen die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen in einem Bereich von etwa 3,6 % bis 3,8 %, und für 15-jährige Zinsbindungen bei rund 3,8 % bis 4,0 %.

Schöfl kommentiert, dass die Bauzinsen im Juli eine geringfügige Erhöhung erfahren haben und sich vorerst auf einem etwas höheren Niveau als im ersten Halbjahr bewegen. Sollten die EZB im September weitere Zinsschritte vollziehen und die Fed ebenfalls die Zügel anziehen, ist mit weiterem Aufwärtsdruck zu rechnen. Finanzierungskunden wird empfohlen, sich aktuell verfügbare Konditionen zeitnah zu sichern, beispielsweise über ein Forward-Darlehen, falls die Anschlussfinanzierung erst in einigen Monaten erforderlich ist.

  • Kurzfristige Tendenz: Leicht aufwärtsgerichtet, mit erhöhter Schwankungsbreite.
  • Langfristige Tendenz: Konstant bis leicht höher, beeinflusst durch geopolitische Entwicklungen wie den Iran-Konflikt.

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