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Wie lange dauert die Asbestsanierung?

Die Asbestsanierung ist ein komplexes Vorhaben, dessen Dauer von verschiedenen Faktoren abhängt. Erfahren Sie hier, wie lange eine solche Sanierung typischerweise dauert und welche Schritte dabei wichtig sind.

6 min Lesezeit
Wie lange dauert die Asbestsanierung?

Die Sanierung oder Entfernung von Asbest ist ein kritischer Prozess, der aufgrund der Gesundheitsgefahren, die von diesem Material ausgehen, mit größter Sorgfalt und unter Einhaltung strenger Vorschriften durchgeführt werden muss. Viele Immobilienbesitzer, die mit dem Vorhandensein von Asbest in ihrem Gebäude konfrontiert sind, fragen sich zu Recht: Wie lange dauert eine Asbestsanierung? Die Antwort ist nicht pauschal zu geben, da die Dauer maßgeblich von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. In diesem Ratgeber beleuchten wir die verschiedenen Phasen einer Asbestsanierung und geben Ihnen Einblicke in die typischen Zeitrahmen, damit Sie Ihr Sanierungsprojekt besser planen können.

Was ist Asbest und warum ist die Sanierung notwendig?

Asbest ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige Silikatminerale, die aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit, hoher Zugfestigkeit und chemischer Beständigkeit jahrzehntelang in Baustoffen verwendet wurden. Millionen Tonnen Asbest wurden in der Vergangenheit weltweit verbaut, besonders in den Jahren zwischen etwa 1930 und 1990. Als Baustoff ist Asbest zum Beispiel in Eternitplatten, Dachschindeln, Fußbodenbelägen (Vinyl-Asbest-Fliesen, Cushion-Vinyl), Brandschutzmaterialien und vielen weiteren Produkten zu finden.

Die Problematik entsteht, wenn Asbestfasern freigesetzt werden und über die Atemwege in die Lunge gelangen. Dort können sie schwere, teilweise tödliche Krankheiten wie Lungenkrebs, Asbestose (Vernarbung des Lungengewebes) oder Mesotheliom (Tumor des Rippenfells oder Bauchfells) verursachen. Da die Fasern extrem klein sind, können sie lange in der Luft schweben und sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Aus diesem Grund ist die professionelle und fachgerechte Entfernung von asbesthaltigen Materialien, sobald sie brüchig werden oder bei Umbauarbeiten beschädigt werden könnten, unerlässlich. Seit 1993 ist die Verwendung von Asbest in Deutschland verboten.

  • Asbestfasern sind krebserregend bei Einatmen.
  • Verwendung in Bauprodukten bis 1993 weit verbreitet.
  • Sanierung schützt vor Gesundheitsrisiken.
  • Gesetzliche Vorschriften und Fachkenntnisse sind zwingend erforderlich.

Die Phasen einer Asbestsanierung: Ein Überblick

Eine Asbestsanierung ist ein mehrstufiger Prozess, der von der ersten Begutachtung bis zur abschliessenden Freigabe reicht. Jede Phase erfordert spezifische Maßnahmen und kann unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Eine professionelle Asbestsanierung folgt festen Abläufen, die in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 519) in Deutschland detailliert beschrieben sind. Diese Regelung bildet die Grundlage für alle Arbeiten mit Asbest und umfasst auch die Anforderungen an Personal und Technik.

Grundsätzlich lässt sich eine Asbestsanierung in folgende Hauptphasen unterteilen:

  • Erstbegehung und Probenahme (Asbestanalyse)
  • Planung und Genehmigungsverfahren
  • Einrichtung der Baustelle und Schutzmaßnahmen
  • Eigentliche Asbestentfernung
  • Reinigung und Entsorgung
  • Freigabemessung und Abschluss

Phase 1: Begutachtung und Probenahme (1-3 Wochen)

Der erste und entscheidende Schritt ist die detaillierte Begutachtung des Objekts durch einen zertifizierten Sachverständigen. Dieser identifiziert verdächtige Materialien und entnimmt Materialproben. Die Proben werden anschließend in einem spezialisierten Labor analysiert, um das Vorhandensein von Asbest eindeutig nachzuweisen und die Art des Asbests zu bestimmen. Ohne eine solche Analyse ist eine qualifizierte Sanierungsplanung nicht möglich.

Die Dauer dieser Phase hängt von der Größe des Objekts und der Anzahl der zu entnehmenden Proben ab. Die Laboranalyse selbst nimmt in der Regel einige Arbeitstage in Anspruch. Rechnen Sie für die gesamte Phase, inklusive Probenterminen und Laborergebnissen, mit ein bis drei Wochen.

  • Begehung durch Sachverständigen (1-2 Tage)
  • Probenahme und Dokumentation (1-3 Tage)
  • Laboranalyse der Proben (3-7 Werktage)
  • Erstellung des Gutachtens (2-5 Tage nach Analyse)

Phase 2: Planung und Genehmigungsverfahren (2-8 Wochen)

Nach Vorliegen des Asbestgutachtens beginnt die detaillierte Planung der Sanierungsarbeiten. Ein spezialisiertes Sanierungsunternehmen entwickelt ein maßgeschneidertes Sanierungskonzept, das Art, Umfang und Dauer der Arbeiten festlegt. Dieses Konzept beinhaltet detaillierte Arbeitsschutzmaßnahmen, technische Verfahren und Entsorgungswege.

Je nach Umfang und Gefährdungsgrad der Asbestvorkommen sind zudem behördliche Genehmigungen einzuholen. In Deutschland muss die Sanierung von Asbest in der Regel bei den zuständigen Behörden (meist Gewerbeaufsichtsamt oder Berufsgenossenschaft) angezeigt werden. Die Bearbeitungszeiten der Behörden können variieren und sollten bei der Zeitplanung berücksichtigt werden. Für eine einfache Sanierung kann die Genehmigung schnell erteilt werden, bei komplexeren Projekten kann es jedoch mehrere Wochen dauern.

  • Erstellung des Sanierungskonzepts (1-2 Wochen)
  • Einholung von Angeboten (1-2 Wochen)
  • Behördliche Anzeige/Genehmigung (2-6 Wochen, je nach Behörde und Umfang)

Phase 3: Baustelleneinrichtung und Schutzmaßnahmen (1-5 Tage)

Bevor mit der eigentlichen Asbestentfernung begonnen werden kann, muss die Baustelle sorgfältig vorbereitet werden. Dazu gehören die Einrichtung eines Schwarz-Weiß-Bereichs, um eine Verschleppung von Asbestfasern zu verhindern, die Installation von Unterdruckgeräten mit speziellen Filtern zur Sicherstellung der Reinigung der Raumluft, die Abdeckung nicht zu sanierender Bereiche und die Errichtung von Sicherheitsschleusen. Auch die Bereitstellung von persönlicher Schutzausrüstung für das Personal und die Absicherung des Arbeitsbereichs gegen unbefugtes Betreten sind essenziell.

Diese Phase ist je nach Größe des Sanierungsbereichs und Komplexität der Abschottungsmaßnahmen relativ schnell umgesetzt, nimmt aber dennoch einen bis mehrere Tage in Anspruch, um höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Phase 4: Die eigentliche Asbestentfernung (Tage bis Wochen)

Dies ist die Kernphase der Sanierung, deren Dauer am stärksten vom Umfang und der Zugänglichkeit der asbesthaltigen Materialien abhängt. Die Entfernung erfolgt immer unter strengster Einhaltung der Schutzmaßnahmen und der TRGS 519. Das bedeutet, dass die Sanierungsarbeiter spezielle Schutzanzüge und Atemschutz tragen und die Arbeiten so faserarm wie möglich durchgeführt werden.

Einige Beispiele für die Dauer spezifischer Entfernungsarbeiten:

  • Kleinere Sanierungen, wie das Entfernen einiger weniger asbesthaltiger Fußbodenplatten oder einzelner Brandschutzklappen, können in ein bis zwei Tagen abgeschlossen sein, die Vor- und Nachbereitung nicht eingerechnet.
  • Die Sanierung eines kompletten Daches aus Asbestzementplatten (z.B. Eternit) an einem Einfamilienhaus kann inklusive der vorbereitenden Maßnahmen und der Entsorgung mehrere Tage bis zu einer Woche dauern.
  • Umfangreiche Sanierungen in großen Gebäuden oder bei weich gebundenem Asbest (z.B. Spritzasbest), der eine hohe Faserfreisetzung birgt, können mehrere Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Hier ist der Aufwand für die Abschottung und Dekondaminierung deutlich höher.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht die reine körperliche Arbeit zur Entfernung die meiste Zeit in Anspruch nimmt, sondern die penible Einhaltung der Sicherheitsvorschriften, die das langsame und sorgfältige Vorgehen erfordert.

Phase 5: Reinigung und Entsorgung (1-3 Tage)

Nach Abschluss der eigentlichen Entfernung der asbesthaltigen Materialien erfolgt eine gründliche Reinigung des gesamten Sanierungsbereichs. Dies geschieht in der Regel durch Absaugen mit speziellen HEPA-Filtern und das feuchte Abwischen aller Oberflächen. Ziel ist es, sämtliche verbleibenden Asbestfasern zu eliminieren. Die entfernten Asbestmaterialien werden luftdicht verpackt und als gefährlicher Abfall gemäß den gesetzlichen Bestimmungen transportiert und auf speziellen Deponien entsorgt.

  • Grobreinigung und Verpackung des Asbestmaterials: ½ - 1 Tag
  • Feinreinigung aller Oberflächen: ½ - 1 Tag
  • Transport zur Deponie: je nach Entfernung ½ - 1 Tag

Phase 6: Freigabemessung und Abschluss (1 Woche)

Der letzte und entscheidende Schritt ist die sogenannte Freigabemessung. Ein unabhängiges, akkreditiertes Labor führt nach der Reinigung eine Raumluftmessung durch, um sicherzustellen, dass die Asbestfaserkonzentration in der Raumluft unter den zulässigen Grenzwerten liegt. Nur wenn diese Messung positiv ausfällt (d.h. keine oder eine vernachlässigbar geringe Faserbelastung), kann der Sanierungsbereich freigegeben und die Baustelleneinrichtung abgebaut werden. Die Ergebnisse der Freigabemessung liegen in der Regel innerhalb weniger Tage vor.

  • Durchführung der Freigabemessung (1 Tag)
  • Laboranalyse der Luftproben (3-5 Werktage)
  • Erstellung des Freigabedokuments (1-2 Tage nach Analyse)

Gesamtdauer und Einflussfaktoren

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Asbestsanierung von der ersten Begutachtung bis zur Freigabe im Durchschnitt mehrere Wochen bis hin zu einigen Monaten dauern kann. Für kleinere Sanierungen an einem Einfamilienhaus, beispielsweise ein Asbestdach, können Sie mit einer Gesamtdauer von etwa 4 bis 8 Wochen rechnen, während bei komplexeren Projekten in größeren Immobilien der gesamte Prozess durchaus 3 bis 6 Monate in Anspruch nehmen kann.

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Dauer sind:

  • Umfang und Art des Asbestvorkommens (schwache oder feste Bindung).
  • Größe und Zugänglichkeit des Sanierungsbereichs.
  • Behördliche Bearbeitungszeiten für Genehmigungen.
  • Verfügbarkeit von Fachfirmen und Gutachtern.
  • Witterungsbedingungen bei Außensanierungen.

Fazit

Die Asbestsanierung ist ein unverzichtbarer Schritt für die Gesundheit der Bewohner und die Werterhaltung einer Immobilie. Auch wenn der Prozess zeitintensiv erscheinen mag, ist die sorgfältige Einhaltung aller Phasen und Vorschriften von größter Bedeutung. Planen Sie ausreichend Zeit für alle Schritte ein und beauftragen Sie ausschließlich zertifizierte Fachbetriebe, um eine sichere und rechtskonforme Durchführung zu gewährleisten. Eine frühzeitige und detaillierte Planung in Zusammenarbeit mit Experten hilft dabei, den Zeitrahmen realistisch einzuschätzen und das Projekt erfolgreich abzuschließen.

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