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Wie funktioniert ein Riester-Bausparvertrag zur Finanzierung?

Ein Riester-Bausparvertrag kombiniert staatliche Förderung mit einem Bausparmodell und kann die Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie erleichtern – wenn die Bedingungen passen und die Vorteile richtig genutzt werden.

6 min Lesezeit
Wie funktioniert ein Riester-Bausparvertrag zur Finanzierung?

Ein Riester-Bausparvertrag ist eine spezielle Form der Altersvorsorge, die gezielt für den Kauf oder Bau einer selbstgenutzten Immobilie genutzt werden kann. Er verbindet die Struktur eines klassischen Bausparvertrags mit der staatlichen Förderung nach dem Riester-Gesetz. Wer sich ein Eigenheim wünscht und gleichzeitig seine Altersvorsorge stärken möchte, kann mit einem solchen Vertrag Zulagen und Steuervorteile nutzen. In diesem Ratgeber wird Schritt für Schritt erklärt, wie ein Riester-Bausparvertrag funktioniert, welche Voraussetzungen gelten, welche Vorteile und Nachteile bestehen und wie sich der Vertrag in eine Immobilienfinanzierung einbinden lässt.

Grundprinzip: Bausparen plus Riester-Förderung

Ein Riester-Bausparvertrag funktioniert im Kern wie ein normaler Bausparvertrag: Es wird eine sogenannte Bausparsumme vereinbart, die aus einem Sparanteil und einem Darlehensanteil besteht. Regelmäßige Einzahlungen bilden das Guthaben, bis ein vertraglich festgelegtes Mindestguthaben erreicht ist. Erst dann kann der Vertrag zuteilungsreif werden und das Bauspardarlehen in Anspruch genommen werden. Zusätzlich zur klassischen Bausparlogik kommt bei einem Riester-Bausparvertrag die staatliche Förderung hinzu. Diese besteht aus Zulagen und gegebenenfalls Steuervorteilen, die in den Vertrag fließen und so die Finanzierung der Immobilie erleichtern.

Damit ein Vertrag tatsächlich als Riester-Bausparvertrag gefördert werden kann, muss er von der zuständigen Zulagenstelle für Altersvermögen zertifiziert sein. Nur zertifizierte Verträge erfüllen die gesetzlichen Vorgaben und kommen für die Riester-Förderung in Frage. Wichtig ist, dass die Förderung ausschließlich für selbst genutztes Wohneigentum gilt – also für den Kauf oder Bau einer eigenen Wohnung oder eines Eigenheims, nicht für reine Kapitalanlageobjekte.

  • Riester-Bausparvertrag = Bausparvertrag mit staatlicher Förderung
  • Bausparsumme besteht aus Spar- und Darlehensanteil
  • Förderung nur bei zertifizierten Verträgen und selbstgenutztem Wohneigentum
  • Förderung besteht aus Zulagen und Steuervorteilen

Voraussetzungen und Förderhöhe

Um einen Riester-Bausparvertrag mit Förderung abzuschließen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören in der Regel eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung oder eine vergleichbare Pflichtversicherung, sowie die Einhaltung der Mindesteinzahlungen. Die Förderung setzt sich aus einer Grundzulage und gegebenenfalls einer Kinderzulage zusammen. Zusätzlich können die Beiträge in der Steuererklärung als Altersvorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden, was zu Steuervorteilen führen kann.

Die maximale förderfähige Beitragsrate liegt in der Regel bei vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, mit einer Obergrenze von jährlich 2.100 Euro. Davon werden die staatlichen Zulagen abgezogen, sodass der sogenannte Eigenbetrag errechnet wird. Wer diese Höchstgrenze erreicht, nutzt die Förderung voll aus. Wer weniger einzahlt, erhält entsprechend geringere Zulagen. Mindestens müssen in der Regel 60 Euro pro Jahr eingezahlt werden, damit der Vertrag förderfähig bleibt.

  • Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung oder vergleichbar
  • Mindesteinzahlung von etwa 60 Euro pro Jahr
  • Maximal förderfähige Beiträge von 2.100 Euro pro Jahr
  • Förderung aus Grundzulage, Kinderzulage und Steuervorteilen

Ablauf: Von der Einzahlung bis zur Zuteilung

Nach Abschluss eines Riester-Bausparvertrags beginnt die Ansparphase. In dieser Zeit werden regelmäßig Beiträge eingezahlt, die sich aus dem Eigenbetrag und den staatlichen Zulagen zusammensetzen. Das Guthaben wächst, bis das vertraglich festgelegte Mindestguthaben erreicht ist. Dieses Mindestguthaben liegt bei vielen klassischen Tarifen bei etwa 40 bis 50 Prozent der vereinbarten Bausparsumme. Zusätzlich muss in der Regel eine Mindestsparzeit eingehalten werden, bevor der Vertrag zuteilungsreif wird.

Sobald die Mindestbewertungszahl erreicht ist und nachgewiesen werden kann, dass die Mittel für Wohneigentum verwendet werden sollen, kann die Zuteilung beantragt werden. Bei der Zuteilung wird das angesparte Guthaben ausgezahlt und der verbleibende Teil der Bausparsumme als Bauspardarlehen gewährt. Dieses Darlehen wird dann zur Finanzierung der Immobilie genutzt. Die Zulagen fließen bereits in der Ansparphase in das Guthaben und können später auch in die Tilgung des Darlehens einfließen, was die Laufzeit verkürzt.

  • Regelmäßige Einzahlungen in der Ansparphase
  • Erreichen des Mindestguthabens und der Mindestbewertungszahl
  • Nachweis der Verwendung für Wohneigentum
  • Zuteilung: Guthabenauszahlung plus Bauspardarlehen

Wohn-Riester: Eigenheim als Altersvorsorge

Wird ein Riester-Bausparvertrag zur Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie eingesetzt, spricht man von Wohn-Riester oder Eigenheimrente. Im Gegensatz zur klassischen Riester-Rente, bei der im Alter eine monatliche Rente ausgezahlt wird, dient das angesparte Kapital hier der Immobilienfinanzierung. Das Eigenheim selbst wird so zu einem Bestandteil der Altersvorsorge, da es im Alter Mieteinsparungen bringt und gegebenenfalls später veräußert oder vererbt werden kann.

Alle förderfähigen Beiträge können in voller Höhe für die Finanzierung genutzt werden, sofern die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Das bedeutet, dass sowohl die eingezahlten Beiträge als auch die staatlichen Zulagen in die Tilgung des Darlehens einfließen können. Dadurch verkürzt sich die Laufzeit der Finanzierung, die Zinslast sinkt und die Gesamtkosten der Immobilienfinanzierung werden reduziert. Die Tilgung des Darlehens kann frei gewählt werden, und es besteht in der Regel ein Sondertilgungsrecht, das die flexible Rückzahlung unterstützt.

  • Wohn-Riester = Nutzung von Riester für selbstgenutztes Wohneigentum
  • Eigenheim als Bestandteil der Altersvorsorge
  • Vollständige Nutzung der förderfähigen Beiträge für die Finanzierung
  • Verkürzung der Laufzeit und Reduzierung der Zinslast

Tilgung und Nutzung des Guthabens

Nach der Zuteilung des Bauspardarlehens beginnt die Tilgungsphase. Die monatlichen Raten setzen sich aus Zins- und Tilgungsanteilen zusammen. Die Tilgungsleistungen können als Altersvorsorgeaufwendungen in der Steuererklärung berücksichtigt werden, was zu Steuervorteilen führen kann. Zusätzlich können Zulagen weiterhin fließen, wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Die Steuererstattung fließt in der Regel nicht direkt in den Vertrag, sondern kann separat genutzt werden.

Das angesparte Riester-Guthaben kann auch zur Tilgung eines bestehenden Darlehens genutzt werden. So können beispielsweise Sondertilgungen mit dem Guthaben durchgeführt werden, wenn der Darlehensvertrag dies zulässt. Auch zum Ende der Zinsbindung kann das Kapital verwendet werden, um einen Teil des Darlehens abzulösen und die Summe für die Anschlussfinanzierung zu verringern. Die Mindestentnahmesumme für eine solche Tilgung beträgt in der Regel 3.000 Euro.

  • Tilgung des Bauspardarlehens mit Zins- und Tilgungsanteilen
  • Berücksichtigung der Tilgungsleistungen als Altersvorsorgeaufwendungen
  • Möglichkeit von Sondertilgungen mit dem Guthaben
  • Mindestentnahmesumme von etwa 3.000 Euro für Tilgungszwecke

Steuerliche Behandlung und Besteuerung

Riester-Bausparverträge unterliegen der nachgelagerten Besteuerung. Das bedeutet, dass die Ansparphase steuerfrei ist, während die Leistungsphase steuerpflichtig ist. Die Tilgungsleistungen und Kapitalentnahmen werden in einem sogenannten Wohnförderkonto eingestellt und jährlich um zwei Prozent erhöht. Das fiktive Kapital bildet im Ruhestand, spätestens ab dem vollendeten 68. Lebensjahr, die Besteuerungsgrundlage.

Die nachgelagerte Besteuerung kann insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn im Alter das Einkommen niedriger ist als in der Ansparphase. In diesem Fall kann der Steuersatz im Ruhestand niedriger sein, was die Steuerbelastung reduziert. Es ist jedoch wichtig, die langfristigen steuerlichen Auswirkungen zu berücksichtigen und gegebenenfalls eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um die beste Strategie zu finden.

  • Nachgelagerte Besteuerung: Ansparphase steuerfrei, Leistungsphase steuerpflichtig
  • Wohnförderkonto mit jährlicher Erhöhung um zwei Prozent
  • Besteuerungsgrundlage im Ruhestand
  • Mögliche Steuervorteile bei niedrigerem Einkommen im Alter

Vorteile und Nachteile im Überblick

Ein Riester-Bausparvertrag bietet mehrere Vorteile. Die staatliche Förderung in Form von Zulagen und Steuervorteilen kann die Finanzierung einer Immobilie erheblich erleichtern. Die Kombination aus Bausparen und Altersvorsorge schafft eine klare Struktur und fördert diszipliniertes Sparen. Zudem kann die Tilgung des Darlehens flexibel gestaltet werden, und Sondertilgungen sind in der Regel möglich.

Gleichzeitig gibt es auch Nachteile. Die Verträge können teuer und unflexibel sein, insbesondere wenn die Bedingungen nicht optimal gewählt werden. Die Abschlussgebühren werden oft über mehrere Jahre verteilt, was die Kosten erhöht. Zudem besteht die Verpflichtung, die Immobilie selbst zu nutzen und bestimmte Vorgaben einzuhalten, um die Förderung zu behalten. Wer die Immobilie veräußert oder nicht mehr selbst nutzt, riskiert die Rückforderung von Zulagen.

  • Vorteile: Staatliche Förderung, diszipliniertes Sparen, flexible Tilgung
  • Nachteile: Hohe Kosten, Unflexibilität, Verpflichtung zur Selbstnutzung
  • Risiko der Rückforderung von Zulagen bei Verstoß gegen Vorgaben
  • Langfristige Bindung an den Vertrag

Fazit

Ein Riester-Bausparvertrag kann eine sinnvolle Ergänzung zur Immobilienfinanzierung sein, wenn die Voraussetzungen passen und die langfristigen Ziele klar sind. Die staatliche Förderung kann die Gesamtkosten der Finanzierung senken und gleichzeitig die Altersvorsorge stärken. Es ist jedoch wichtig, die Bedingungen genau zu prüfen, die Kosten zu berücksichtigen und die steuerlichen Auswirkungen zu verstehen. Eine individuelle Beratung kann helfen, die beste Lösung für die persönliche Situation zu finden und mögliche Risiken zu minimieren.

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