Wann lohnt sich die degressive AfA?
Die degressive AfA kann in den ersten Jahren hohe Steuervorteile bringen – aber nur für bestimmte Anlagegüter und unter genau definierten Voraussetzungen lohnt sie sich wirklich.

Die degressive Abschreibung (AfA) ist ein Instrument, mit dem Unternehmen den Wert eines Anlageguts nicht gleichmäßig, sondern in den ersten Jahren besonders stark abschreiben. Dadurch sinkt der steuerpflichtige Gewinn in den Anfangsjahren deutlich, was zu einer höheren Liquidität und schnelleren Entlastung führen kann. Doch die Methode ist nicht für jedes Wirtschaftsgut und nicht in jeder Situation sinnvoll. In diesem Ratgeber wird erklärt, wann sich die degressive AfA tatsächlich lohnt, welche Voraussetzungen gelten und wie sich die Wahl der Abschreibungsmethode auf Gewinn, Steuern und Liquidität auswirkt.
Was ist die degressive Abschreibung?
Bei der degressiven Abschreibung wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz vom jeweils verbleibenden Restbuchwert des Anlageguts abgeschrieben. Dadurch sind die Abschreibungsbeträge in den ersten Jahren am höchsten und nehmen im Laufe der Zeit ab. Im Gegensatz dazu verteilt die lineare Abschreibung die Anschaffungskosten gleichmäßig über die gesamte Nutzungsdauer auf die Jahre.
Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen kauft eine Maschine für 10.000 Euro an, die nach der AfA-Tabelle über 10 Jahre abgeschrieben wird. Linear wären das 1.000 Euro pro Jahr. Bei der degressiven Methode könnte – je nach gesetzlicher Regelung – ein höherer Satz, etwa 20 Prozent, vom Restbuchwert angesetzt werden. Im ersten Jahr wären das 2.000 Euro, im zweiten Jahr 1.600 Euro (20 % von 8.000 Euro) und so weiter. So wird der Wert in den frühen Jahren schneller reduziert.
- —Degressive AfA: Jährlich ein konstanter Prozentsatz vom Restbuchwert.
- —Lineare AfA: Gleichmäßige Verteilung der Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer.
- —Degressiv führt zu höheren Abschreibungen in den ersten Jahren, linear zu konstanten Beträgen.
Wann ist die degressive AfA steuerlich zulässig?
Die degressive Abschreibung ist im deutschen Steuerrecht nicht dauerhaft für alle Anlagegüter erlaubt. Sie wird vielmehr in bestimmten Zeiträumen und für bestimmte Investitionen befristet zugelassen. In der Regel gilt sie nur für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, also Maschinen, Fahrzeuge, IT-Ausstattung oder andere Anlagen, die nicht zum Grund und Boden gehören.
Aktuell ist die degressive AfA für Investitionen in einem definierten Zeitraum zulässig, in dem Unternehmen bis zu einem bestimmten Prozentsatz der Anschaffungskosten pro Jahr abschreiben dürfen – häufig bis zu 30 Prozent, also deutlich mehr als bei der linearen Methode. Ob die degressive AfA für eine konkrete Anschaffung greift, hängt vom Zeitpunkt des Kaufs, der Art des Wirtschaftsguts und der jeweils geltenden gesetzlichen Regelung ab.
- —Nur für bewegliche Anlagegüter des Anlagevermögens.
- —Gilt in der Regel nur für Investitionen innerhalb eines festgelegten Zeitraums.
- —Höchstsatz pro Jahr meist deutlich über dem linearen Satz (z.B. bis zu 30 %).
Für welche Anlagegüter lohnt sich die degressive AfA?
Die degressive Abschreibung eignet sich besonders für Anlagegüter, die in den ersten Jahren stark an Wert verlieren. Typische Beispiele sind Fahrzeuge, schnell veraltende Technik, Maschinen oder IT-Ausstattung. Bei solchen Gütern entspricht eine höhere Abschreibung in den Anfangsjahren besser der tatsächlichen Wertminderung als eine gleichmäßige lineare Abschreibung.
Für Wirtschaftsgüter, die über viele Jahre stabil genutzt werden und kaum an Wert verlieren, ist die degressive AfA dagegen weniger sinnvoll. Hier kann die lineare Methode die tatsächliche Nutzung besser abbilden und führt zu einer gleichmäßigeren Gewinnentwicklung. Entscheidend ist also, ob das Gut in den ersten Jahren stark abnutzt oder ob der Wertverlust eher konstant über die Nutzungsdauer verteilt ist.
- —Fahrzeuge, insbesondere Nutzfahrzeuge und Maschinen.
- —Schnell veraltende Technik und IT-Ausstattung.
- —Anlagen, die in den ersten Jahren stark genutzt und abgenutzt werden.
- —Weniger geeignet: Langfristig stabile Anlagegüter mit geringem Wertverlust.
Steuerliche Vorteile und Liquiditätseffekte
Der zentrale Vorteil der degressiven AfA liegt in der höheren steuerlichen Entlastung in den ersten Jahren. Durch die größeren Abschreibungsbeträge sinkt der Gewinn schneller, was die Steuerlast reduziert und die Liquidität verbessert. Gerade für junge Unternehmen, Start-ups oder Betriebe nach einer Investitionsphase kann das entscheidend sein, um Investitionen zu finanzieren und laufende Kosten zu decken.
Ein Beispiel: Ein Handwerksbetrieb investiert 150.000 Euro netto in eine neue Maschine mit neunjähriger Nutzungsdauer. Linear wären das etwa 16.667 Euro pro Jahr. Bei der degressiven Methode könnten in den ersten Jahren deutlich höhere Beträge angesetzt werden, etwa 30.000 Euro im ersten Jahr. Dadurch sinkt der Gewinn in diesem Jahr um 13.333 Euro mehr als bei der linearen Abschreibung, was zu einer spürbaren Steuerersparnis führt.
- —Höhere Abschreibungen in den ersten Jahren senken den steuerpflichtigen Gewinn.
- —Erhöhte Liquidität durch geringere Steuerzahlungen.
- —Besonders vorteilhaft für junge Unternehmen oder nach großen Investitionen.
- —Gewinn wird in den Anfangsjahren bewusst niedriger ausgewiesen.
Risiken und Nachteile der degressiven AfA
Trotz der Vorteile birgt die degressive Abschreibung auch Risiken. In den späteren Jahren sinken die Abschreibungsbeträge deutlich, was zu einem höheren Gewinn führen kann, wenn die Nutzung des Anlageguts weiterhin rentabel ist. Das kann die Steuerlast in diesen Jahren erhöhen, wenn keine weiteren große Abschreibungen mehr möglich sind.
Zudem kann die degressive AfA die Bilanz und die Gewinnentwicklung verzerrt darstellen. Werden Gewinne in den ersten Jahren künstlich niedrig ausgewiesen, kann das bei Banken oder Investoren den Eindruck erwecken, dass das Unternehmen weniger profitabel ist, als es tatsächlich sein könnte. Auch die Planungssicherheit leidet, da die Abschreibungsbeträge von Jahr zu Jahr variieren.
- —In späteren Jahren sinken die Abschreibungen, Gewinn steigt.
- —Mögliche Erhöhung der Steuerlast in späteren Jahren.
- —Verzerrte Gewinnentwicklung in der Bilanz.
- —Eingeschränkte Planungssicherheit durch schwankende Abschreibungsbeträge.
Wechsel von degressiv zu linear: Wann ist er sinnvoll?
Ein wichtiger Aspekt der degressiven AfA ist der rechtlich zulässige Wechsel auf die lineare Abschreibung. In der Praxis wird empfohlen, zunächst degressiv abzuschreiben und dann auf linear umzustellen, sobald der lineare Abschreibungsbetrag höher ist als der degressive. Dieser Zeitpunkt markiert den idealen Übergang, um die Gesamtabschreibung zu maximieren.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen schreibt ein Wirtschaftsgut über mehrere Jahre degressiv ab. In einem bestimmten Jahr sinkt der degressive Abschreibungsbetrag so weit, dass der lineare Betrag – berechnet aus dem verbleibenden Restbuchwert und den verbleibenden Nutzungsjahren – höher ist. Ab diesem Jahr lohnt sich der Wechsel, weil dadurch höhere Abschreibungen erzielt werden können als bei der weiteren Anwendung der degressiven Methode.
- —Wechsel von degressiv zu linear ist steuerlich erlaubt.
- —Ideal, wenn der lineare Abschreibungsbetrag den degressiven übersteigt.
- —Maximiert die Gesamtabschreibung über die Nutzungsdauer.
- —Sollte im Rahmen der steuerlichen Planung gezielt geplant werden.
Praktische Entscheidungshilfen für die Praxis
Ob sich die degressive AfA lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab: Art des Anlageguts, Nutzungsdauer, Zeitpunkt der Anschaffung, steuerliche Situation des Unternehmens und die eigene Liquiditätslage. Wer in den nächsten Jahren mit hohen Gewinnen rechnet, kann von der frühen Entlastung profitieren. Wer dagegen mit schwankenden oder eher niedrigen Gewinnen rechnet, sollte die Vorteile genau abwägen.
Empfehlenswert ist eine individuelle Berechnung für jede größere Investition. Dazu gehören die Gegenüberstellung von linearer und degressiver Abschreibung über die gesamte Nutzungsdauer sowie die Analyse der Auswirkungen auf Gewinn, Steuern und Liquidität. In vielen Fällen kann eine gemischte Strategie – zunächst degressiv, dann linear – die beste Lösung sein.
- —Art des Anlageguts und tatsächliche Wertminderung prüfen.
- —Zeitpunkt der Anschaffung und geltende gesetzliche Regelungen berücksichtigen.
- —Gewinnerwartung und Liquiditätsbedarf analysieren.
- —Für jede größere Investition eine individuelle Berechnung durchführen.
- —Gemischte Strategie (degressiv dann linear) in Betracht ziehen.
Fazit
Die degressive Abschreibung kann sich vor allem dann lohnen, wenn ein Anlagegut in den ersten Jahren stark an Wert verliert und der Unternehmer in dieser Phase eine möglichst hohe steuerliche Entlastung benötigt. Durch die höheren Abschreibungen in den Anfangsjahren verbessert sich die Liquidität, was Investitionen erleichtert und die finanzielle Stabilität stärkt. Entscheidend ist jedoch, die Methode gezielt einzusetzen, den rechtlich zulässigen Wechsel auf die lineare Abschreibung zu planen und die Auswirkungen auf Gewinn, Steuern und Bilanz sorgfältig zu prüfen. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann die degressive AfA gezielt als Instrument der steuerlichen und finanziellen Planung nutzen.

