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Kann ich eine Baufinanzierung umschulden?

Eine Baufinanzierung lässt sich in vielen Fällen umschulden – aber nicht immer lohnt sich der Wechsel. Wir erklären, wann Umschuldung sinnvoll ist und was Sie beachten müssen.

6 min Lesezeit
Kann ich eine Baufinanzierung umschulden?

Eine Baufinanzierung umschulden – das klingt nach einer guten Möglichkeit, Zinsen zu sparen und die monatliche Belastung zu senken. Doch bevor Sie Ihren Hauskredit ablösen, sollten Sie genau prüfen, ob sich eine Umschuldung wirklich lohnt. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was Umschuldung konkret bedeutet, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten, welche Kosten anfallen und wann ein Wechsel des Darlehensgebers sinnvoll ist.

Was bedeutet Umschuldung einer Baufinanzierung?

Unter Umschuldung versteht man den Abschluss eines neuen Kredits, mit dem die Restschuld eines bestehenden Immobilienkredits abgelöst wird. Statt weiter bei der bisherigen Bank zu zahlen, wechseln Sie den Darlehensgeber und schließen ein neues Darlehen ab, das in der Regel eine andere Zinsbindung, andere Konditionen und gegebenenfalls eine andere Laufzeit hat. Die neue Bank übernimmt die Restschuld, meldet sich im Grundbuch ein und löscht die alte Grundschuld.

Im Gegensatz zur Prolongation, bei der Sie die bestehende Baufinanzierung bei derselben Bank verlängern, wechseln Sie bei der Umschuldung den Anbieter. Das kann Vorteile bringen, etwa niedrigere Zinsen oder flexiblere Konditionen, erfordert aber auch mehr Aufwand und kann mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Eine Umschuldung lohnt sich in der Regel dann, wenn die aktuellen Zinsen deutlich unter den Konditionen Ihres bestehenden Darlehens liegen und die Restlaufzeit noch relativ lang ist. Je länger die neue Zinsbindung läuft, desto größer kann die Zinsersparnis ausfallen. Auch wenn Sie Ihre monatliche Belastung senken, die Tilgung beschleunigen oder mehrere Kredite zusammenfassen möchten, kann ein Wechsel sinnvoll sein.

Typische Situationen, in denen eine Umschuldung in Betracht kommt:

  • Nach Ablauf der Zinsbindung, wenn die Bank Ihnen eine teure Anschlussfinanzierung anbietet.
  • Wenn die Bauzinsen deutlich gefallen sind und Sie von niedrigeren Konditionen profitieren möchten.
  • Wenn Sie die Tilgung beschleunigen wollen, ohne die Rate zu erhöhen.
  • Wenn Sie mehrere Kredite (z.B. Baukredit und Ratenkredit) in einem Darlehen zusammenführen möchten.
  • Wenn sich Ihre finanzielle Situation verbessert hat und Sie bessere Konditionen erwarten können.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Kündigungsfristen

Bei einer Baufinanzierung gelten besondere Kündigungsregeln. In der Regel können Sie einen Immobilienkredit erst nach einer bestimmten Mindestlaufzeit kündigen, ohne dass die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen darf. Diese Frist liegt in der Regel bei zehn Jahren seit vollständiger Auszahlung des Darlehens. Vorher ist eine Kündigung nur möglich, wenn Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen können oder die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung akzeptiert.

Zusätzlich spielt die Sollzinsbindung eine Rolle. Läuft diese noch, können Sie den Kredit zwar ablösen, müssen aber in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Nach Ablauf der Zinsbindung können Sie den Kredit in der Regel ohne zusätzliche Entschädigung kündigen und umschulden. Bei variabel verzinslichen Darlehen gelten oft kürzere Kündigungsfristen, etwa drei Monate.

Vorfälligkeitsentschädigung: Was ist das und wie hoch ist sie?

Die Vorfälligkeitsentschädigung ist eine Entschädigungszahlung, die Sie an die Bank leisten, wenn Sie den Kredit vorzeitig ablösen und die Bank dadurch entgangene Zinseinnahmen ausgleichen muss. Sie berechnet sich in der Regel nach einem gesetzlich geregelten Berechnungsmodell und hängt von der Restlaufzeit, dem Zinsunterschied und der Restschuld ab.

Je länger die Zinsbindung noch läuft und je größer der Unterschied zwischen Ihrem alten Zinssatz und dem aktuellen Marktzins ist, desto höher fällt die Vorfälligkeitsentschädigung aus. In manchen Fällen kann die Entschädigung so hoch sein, dass sich eine Umschuldung nicht lohnt – daher ist eine genaue Berechnung unerlässlich.

  • Die Vorfälligkeitsentschädigung wird gesetzlich geregelt und darf nicht beliebig hoch sein.
  • Sie wird in der Regel prozentual zur Restschuld berechnet.
  • Je näher das Ende der Zinsbindung rückt, desto geringer ist die Entschädigung.
  • Bei bestimmten Sonderkündigungsrechten (z.B. nach 10 Jahren) kann die Entschädigung entfallen.

Kosten der Umschuldung im Überblick

Neben der Vorfälligkeitsentschädigung fallen bei einer Umschuldung weitere Kosten an. Dazu gehören in der Regel Notar- und Grundbuchkosten, eventuell eine Bearbeitungsgebühr der neuen Bank sowie Kosten für eine erneute Bonitätsprüfung. Diese Nebenkosten können je nach Darlehenssumme und Bundesland mehrere Hundert bis einige Tausend Euro betragen.

Um zu prüfen, ob sich die Umschuldung lohnt, sollten Sie die Gesamtkosten mit der erwarteten Zinsersparnis gegenüberstellen. Ein Beispiel: Angenommen, Sie zahlen 2.000 Euro Vorfälligkeitsentschädigung und 1.000 Euro Nebenkosten, sparen aber monatlich 150 Euro an Zinsen. Dann amortisieren sich die Kosten nach etwa 20 Monaten. Danach sparen Sie effektiv Geld.

  • Vorfälligkeitsentschädigung der alten Bank.
  • Notar- und Grundbuchkosten für die Umschreibung der Grundschuld.
  • Bearbeitungsgebühren der neuen Bank.
  • Kosten für eine erneute Bonitätsprüfung.
  • Eventuelle Bewertungs- oder Gutachterkosten.

Umschuldung vs. Prolongation: Was ist besser?

Statt die Baufinanzierung umzuschulden, können Sie auch eine Prolongation in Betracht ziehen – also die Verlängerung des bestehenden Darlehens bei derselben Bank. Die Prolongation ist in der Regel weniger aufwendig, da keine neuen Grundbucheintragungen und oft auch keine neuen Notarkosten anfallen. Allerdings sind die Konditionen häufig weniger günstig als bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter.

Ob Umschuldung oder Prolongation besser ist, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Wenn die Zinsen deutlich gesunken sind und Sie bereit sind, den Aufwand zu betreiben, kann die Umschuldung lohnender sein. Wenn die Unterschiede gering sind oder Sie den Wechsel vermeiden möchten, kann die Prolongation die einfachere Lösung sein.

Wie läuft eine Umschuldung praktisch ab?

Der Ablauf einer Umschuldung beginnt mit der Analyse Ihrer aktuellen Finanzierung: Restschuld, Zinsbindung, Kündigungsfristen und Vorfälligkeitsentschädigung. Anschließend vergleichen Sie Angebote verschiedener Banken oder nutzen einen Vergleichsrechner, um passende Konditionen zu finden. Wichtig ist, nicht nur den Zinssatz, sondern auch die Gesamtkosten und die Konditionen (Tilgung, Sondertilgungen, Forward-Darlehen etc.) zu prüfen.

Nach Auswahl eines Angebots beantragen Sie den neuen Kredit, durchlaufen die Bonitätsprüfung und vereinbaren mit der neuen Bank die Ablösung des Altkredits. Parallel wird die Grundschuld im Grundbuch umgeschrieben. Nach Abschluss der Umschuldung zahlen Sie fortan nur noch an die neue Bank.

  • Analyse der bestehenden Baufinanzierung (Restschuld, Zinsbindung, Kündigungsfristen).
  • Vergleich verschiedener Angebote und Auswahl eines passenden Darlehens.
  • Antragstellung und Bonitätsprüfung bei der neuen Bank.
  • Ablösung des Altkredits und Umschreibung der Grundschuld im Grundbuch.
  • Übergang auf die neue Bank mit neuen Konditionen.

Typische Fehler bei der Umschuldung vermeiden

Viele Eigentümer unterschätzen die Kosten einer Umschuldung oder vergleichen nur oberflächlich die Zinssätze. Entscheidend ist jedoch die Gesamtbetrachtung: Wie hoch sind die Vorfälligkeitsentschädigung und die Nebenkosten? Wie lange läuft die neue Zinsbindung? Wie flexibel sind die Konditionen (Sondertilgungen, Forward-Darlehen, etc.)?

Ein weiterer Fehler ist, die eigene finanzielle Situation zu optimistisch einzuschätzen. Wenn Sie die Tilgung beschleunigen wollen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie die höhere Belastung auch langfristig tragen können. Zudem sollten Sie die Kündigungsfristen und rechtlichen Rahmenbedingungen genau prüfen, um unerwartete Kosten oder Fristen zu vermeiden.

Fazit

Eine Baufinanzierung lässt sich in vielen Fällen umschulden, aber nicht jeder Wechsel lohnt sich. Entscheidend sind die aktuellen Zinsen, die Restlaufzeit, die Vorfälligkeitsentschädigung und die Nebenkosten. Wer die Gesamtkosten sorgfältig berechnet und verschiedene Angebote vergleicht, kann mit einer Umschuldung erhebliche Zinsersparnisse erzielen und seine finanzielle Situation verbessern. Wer unsicher ist, sollte sich von einem unabhängigen Berater oder einer Verbraucherberatung beraten lassen, bevor er den Schritt geht.

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