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Immobilienverrentung: Ablauf Schritt für Schritt

Immobilienverrentung Schritt für Schritt: Wie Eigentümer ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen, weiter darin wohnen bleiben und trotzdem Kapital oder Rente erhalten können.

8 min Lesezeit
Immobilienverrentung: Ablauf Schritt für Schritt

Immobilienverrentung ist für viele Eigentümer im Alter eine attraktive Möglichkeit, das in Haus oder Wohnung gebundene Kapital wieder nutzbar zu machen, ohne das gewohnte Zuhause aufgeben zu müssen. Dabei werden verschiedene Modelle genutzt – von der klassischen Leibrente über den Teilverkauf bis hin zum Nießbrauch. In diesem Ratgeber wird der Ablauf einer Immobilienverrentung Schritt für Schritt erklärt, damit Eigentümer die einzelnen Phasen besser verstehen und gezielt entscheiden können, welches Modell zu ihrer Situation passt.

Was ist Immobilienverrentung überhaupt?

Unter Immobilienverrentung versteht man die Umwandlung des in einer selbstgenutzten Immobilie gebundenen Vermögens in regelmäßige Zahlungen (Rente) oder eine Einmalzahlung, während der Eigentümer weiterhin in der Immobilie wohnen bleibt. Häufig wird der Begriff "Immobilienrente" als Oberbegriff verwendet, der Leibrente, Zeitrente, Teilverkauf und Nießbrauchmodelle umfasst. Die Rechtsgrundlage bildet in der Regel ein notarieller Grundstückskaufvertrag, in dem der Verkauf der Immobilie oder eines Teils davon sowie die Nutzungsberechtigung festgelegt werden.

Wichtig ist, dass Immobilienverrentung kein staatliches Förderprogramm ist, sondern ein privatrechtlicher Vertrag zwischen Eigentümer und Käufer oder Investor. Typische Anbieter sind institutionelle Investoren, Banken oder spezialisierte Immobilienverrentungsunternehmen. Die Höhe der Auszahlungen hängt vor allem vom aktuellen Marktwert der Immobilie, der Lage, dem Zustand des Gebäudes und der erwarteten Restlebenszeit des Eigentümers ab.

  • Immobilienverrentung = Umwandlung von Immobilienwert in Rente oder Einmalzahlung.
  • Eigentümer bleibt in der Regel im Haus oder in der Wohnung wohnen.
  • Rechtsgrundlage ist ein notarieller Grundstückskaufvertrag.
  • Auszahlungen hängen von Marktwert, Lage, Zustand und Restlebenserwartung ab.
  • Modelle: Leibrente, Zeitrente, Teilverkauf, Nießbrauch.

Schritt 1: Eigene Situation und Ziele klären

Bevor es an konkrete Angebote geht, sollten Eigentümer ihre persönliche Situation und ihre Ziele genau prüfen. Dazu gehören Fragen wie: Wie hoch ist der aktuelle Bedarf an zusätzlichem Einkommen oder Kapital? Wie lange soll die Rente oder die Nutzung der Immobilie laufen? Welche Rolle spielt das Erbe für die Kinder oder andere Angehörige? Auch die eigene Gesundheit und die erwartete Lebenserwartung spielen eine Rolle, da sie die Höhe der Rente beeinflussen können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, ob die Immobilie vollständig verkauft werden soll oder nur ein Teil. Beim Teilverkauf bleibt der Eigentümer Miteigentümer und behält mehr Einfluss auf die Immobilie, erhält aber in der Regel eine Einmalzahlung statt einer lebenslangen Rente. Beim klassischen Modell der Leibrente geht das Eigentum vollständig auf den Käufer über, der Eigentümer erhält dafür eine lebenslange Rente und ein Wohnrecht.

  • Klärung des Bedarfs an Rente oder Kapital.
  • Überlegung zur Laufzeit (lebenslang oder befristet).
  • Berücksichtigung von Erb- und Familienverhältnissen.
  • Entscheidung: Vollverkauf oder Teilverkauf?
  • Einschätzung der eigenen Gesundheit und Lebenserwartung.

Schritt 2: Immobilienwert ermitteln

Die Grundlage für jede Immobilienverrentung ist der aktuelle Marktwert der Immobilie. Dieser wird in der Regel durch einen zertifizierten Gutachter ermittelt, der Lage, Baujahr, Zustand, Ausstattung und örtliche Marktverhältnisse berücksichtigt. Ein aktuelles Verkehrswertgutachten ist für viele Modelle, insbesondere für Teilverkauf und Leibrente, zwingend erforderlich, da die Auszahlung direkt vom Wert der Immobilie abhängt.

Beispiel: Eine Immobilie mit einem Verkehrswert von 300.000 Euro kann je nach Modell zu einer monatlichen Leibrente von etwa 800 bis 1.200 Euro führen, wenn der Eigentümer etwa 75 Jahre alt ist und eine durchschnittliche Lebenserwartung hat. Diese Zahlen sind natürlich nur als grobe Orientierung zu verstehen und können je nach Anbieter, Region und individuellen Bedingungen deutlich variieren.

  • Beauftragung eines zertifizierten Gutachters.
  • Ermittlung des Verkehrswerts unter Berücksichtigung aller wertrelevanten Faktoren.
  • Verwendung des Gutachtens für Angebotsberechnungen.
  • Beispielrechnung als Orientierung, keine verbindliche Zusage.

Schritt 3: Passendes Modell auswählen

Es gibt mehrere Modelle der Immobilienverrentung, die sich in Rechtsform, Auszahlungsart und Nutzungsberechtigung unterscheiden. Die wichtigsten sind die Leibrente, die Zeitrente, der Teilverkauf und das Nießbrauchmodell. Bei der Leibrente verkauft der Eigentümer die Immobilie vollständig und erhält dafür eine lebenslange Rente sowie ein Wohnrecht. Die Zeitrente funktioniert ähnlich, endet aber nach einer festgelegten Laufzeit.

Beim Teilverkauf wird nur ein Teil der Immobilie (z.B. 30 bis 50 Prozent) verkauft, der Eigentümer bleibt Miteigentümer und erhält eine Einmalzahlung. Beim Nießbrauchmodell verkauft der Eigentümer die Immobilie ebenfalls, behält aber ein Nießbrauchrecht, das ihm die Nutzung und Vermietung der Immobilie erlaubt. Die Wahl des Modells hängt von den persönlichen Zielen, der gewünschten Flexibilität und der Rolle des Erbes ab.

  • Leibrente: Vollverkauf, lebenslange Rente, Wohnrecht.
  • Zeitrente: Vollverkauf, befristete Rente, Wohnrecht.
  • Teilverkauf: Teilverkauf, Einmalzahlung, Miteigentum bleibt.
  • Nießbrauchmodell: Vollverkauf, Einmalzahlung, Nießbrauchrecht.
  • Auswahl nach Zielen, Flexibilität und Erbe.

Schritt 4: Angebote einholen und vergleichen

Nach der Auswahl eines Modells sollten Eigentümer Angebote verschiedener Anbieter einholen. Dazu gehören institutionelle Investoren, Banken und spezialisierte Immobilienverrentungsunternehmen. Wichtig ist, nicht nur die Höhe der Rente oder der Einmalzahlung zu vergleichen, sondern auch die Bedingungen des Wohn- oder Nießbrauchrechts, die Instandhaltungspflichten, die Kündigungsbedingungen und die steuerlichen Auswirkungen.

Ein seriöser Anbieter stellt alle wichtigen Informationen transparent dar und bietet eine unabhängige Beratung an. Eigentümer sollten sich Zeit nehmen, die Angebote zu prüfen und gegebenenfalls einen unabhängigen Berater oder einen Steuerberater hinzuziehen. Besonders wichtig ist die Prüfung der Vertragsbedingungen, da sie langfristige Auswirkungen auf die Nutzung der Immobilie und das Erbe haben können.

  • Einholen mehrerer Angebote.
  • Vergleich von Rente/Einmalzahlung und Bedingungen.
  • Prüfung von Wohn- oder Nießbrauchrecht, Instandhaltung, Kündigung.
  • Beratung durch unabhängige Experten.
  • Transparenz und Seriosität des Anbieters prüfen.

Schritt 5: Notarielle Beratung und Vertragsgestaltung

Die Immobilienverrentung wird in der Regel durch einen notariellen Grundstückskaufvertrag abgeschlossen. Der Notar berät die Parteien über die rechtlichen Folgen des Vertrags, prüft die Eintragung des Wohn- oder Nießbrauchrechts im Grundbuch und stellt sicher, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Eigentümer sollten sich vor der Unterzeichnung ausführlich beraten lassen und alle Fragen klären.

Wichtige Punkte im Vertrag sind die Höhe und Art der Auszahlung, die Dauer des Wohn- oder Nießbrauchrechts, die Pflichten zur Instandhaltung und Modernisierung, die Regelungen im Todesfall und die Möglichkeit der vorzeitigen Kündigung. Der Notar kann auch auf steuerliche Aspekte hinweisen, die Eigentümer gegebenenfalls mit einem Steuerberater besprechen sollten.

  • Notarielle Beratung über rechtliche Folgen.
  • Prüfung der Eintragung von Wohn- oder Nießbrauchrecht.
  • Klärung von Auszahlung, Dauer, Instandhaltung, Todesfall, Kündigung.
  • Beratung durch Steuerberater bei Bedarf.

Schritt 6: Eintragung im Grundbuch und Auszahlung

Nach der Unterzeichnung des Vertrags erfolgt die Eintragung des neuen Eigentümers und des Wohn- oder Nießbrauchrechts im Grundbuch. Dieser Schritt ist wichtig, um die Rechte der Parteien rechtlich abzusichern. Sobald die Eintragung abgeschlossen ist, erfolgt die Auszahlung der Rente oder der Einmalzahlung gemäß Vertrag.

Bei der Leibrente beginnt die monatliche Zahlung in der Regel unmittelbar nach der Eintragung, bei der Einmalzahlung wird der vereinbarte Betrag auf das Konto des Eigentümers überwiesen. Eigentümer sollten sicherstellen, dass alle Zahlungen korrekt und pünktlich erfolgen und bei Abweichungen rechtzeitig reagieren.

  • Eintragung von Eigentümerwechsel und Nutzungsberechtigung im Grundbuch.
  • Sicherstellung der rechtlichen Absicherung.
  • Beginn der Rente oder Auszahlung der Einmalzahlung.
  • Kontrolle der Zahlungen und Reaktion bei Abweichungen.

Schritt 7: Nutzung der Immobilie und laufende Pflichten

Nach der Immobilienverrentung bleibt der Eigentümer in der Regel in der Immobilie wohnen und nutzt sie weiterhin. Je nach Modell gelten unterschiedliche Pflichten zur Instandhaltung und Modernisierung. Beim Wohnrecht liegt die Verantwortung für Instandhaltung und Modernisierung in der Regel beim neuen Eigentümer, beim Nießbrauchmodell bleibt der Verkäufer wirtschaftlicher Eigentümer und trägt diese Pflichten.

Eigentümer sollten die vertraglichen Pflichten genau kennen und einhalten, um Konflikte mit dem Käufer zu vermeiden. Dazu gehören regelmäßige Instandhaltungsarbeiten, die Einhaltung von Modernisierungsvereinbarungen und die Zahlung von Nebenkosten oder Mieten, falls im Vertrag vorgesehen.

  • Klärung der Instandhaltungs- und Modernisierungspflichten.
  • Einhalten der vertraglichen Pflichten.
  • Vermeidung von Konflikten mit dem Käufer.
  • Regelmäßige Instandhaltung und Modernisierung.
  • Zahlung von Nebenkosten oder Mieten, falls vereinbart.

Schritt 8: Steuerliche und erbrechtliche Aspekte

Immobilienverrentung hat steuerliche und erbrechtliche Auswirkungen, die Eigentümer vorab klären sollten. Die Rente oder Einmalzahlung kann steuerpflichtig sein, je nach Art der Zahlung und der individuellen Situation. Erbrechtlich kann die Immobilienverrentung das Erbe beeinflussen, da das Eigentum oder ein Teil davon bereits verkauft ist.

Ein Steuerberater oder Fachanwalt für Erbrecht kann helfen, die Auswirkungen zu bewerten und gegebenenfalls Erbverträge oder Testament zu überarbeiten. Wichtig ist, dass alle Beteiligten über die Konsequenzen informiert sind und gegebenenfalls schriftlich festgehalten werden.

  • Steuerliche Prüfung von Rente oder Einmalzahlung.
  • Erbrechtliche Auswirkungen auf das Erbe.
  • Beratung durch Steuerberater oder Erbrechtsanwalt.
  • Überarbeitung von Erbverträgen oder Testament.
  • Schriftliche Festhaltung der Vereinbarungen.

Schritt 9: Langfristige Planung und Anpassung

Immobilienverrentung ist ein langfristiges Modell, das über viele Jahre oder sogar ein ganzes Leben läuft. Eigentümer sollten daher regelmäßig ihre Situation überprüfen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Dazu gehören die Überprüfung der Rente oder Einmalzahlung, die Bewertung der Nutzung der Immobilie und die Anpassung der Erb- und Familienplanung.

Bei Veränderungen der persönlichen Situation, wie Gesundheit, Familie oder finanziellen Bedürfnissen, kann es sinnvoll sein, den Vertrag zu überprüfen oder gegebenenfalls zu kündigen. Wichtig ist, die vertraglichen Kündigungsbedingungen genau zu kennen und rechtzeitig zu handeln.

  • Regelmäßige Überprüfung der Situation.
  • Anpassung von Rente, Nutzung und Erbe.
  • Überprüfung der Kündigungsbedingungen.
  • Rechtzeitige Reaktion bei Veränderungen.
  • Langfristige Planung und Flexibilität.

Fazit

Die Immobilienverrentung bietet Eigentümern im Alter eine Möglichkeit, das in Haus oder Wohnung gebundene Kapital wieder nutzbar zu machen, ohne das gewohnte Zuhause aufgeben zu müssen. Der Ablauf Schritt für Schritt – von der Klärung der eigenen Situation über die Ermittlung des Immobilienwerts, die Auswahl des passenden Modells, das Einholen und Vergleichen von Angeboten, die notarielle Beratung und Vertragsgestaltung bis hin zur Eintragung im Grundbuch und der laufenden Nutzung der Immobilie – erfordert sorgfältige Planung und Beratung. Mit der richtigen Vorbereitung und professioneller Unterstützung kann Immobilienverrentung eine sinnvolle Ergänzung zur Altersvorsorge sein.

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Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
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