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Bodenrichtwert finden: Wo sehe ich den aktuellen Wert?

Der Bodenrichtwert ist ein zentraler Faktor bei der Bewertung von Grundstücken. Er erfahren Sie, wo Sie diesen wichtigen Wert ermitteln und welche Rolle er in verschiedenen Kontexten spielt.

7 min Lesezeit
Bodenrichtwert finden: Wo sehe ich den aktuellen Wert?

Der Bodenrichtwert ist eine fundamentale Größe im deutschen Immobilienmarkt. Er vermittelt eine Vorstellung vom durchschnittlichen Wert des Bodens innerhalb eines bestimmten Gebiets und ist relevant für Eigentümer, Käufer, Verkäufer und Gutachter. Viele Immobiliengeschäfte, steuerliche Bewertungen und auch persönliche Vermögensplanungen basieren auf diesem wichtigen Richtwert. Doch wo genau erfährt man, wie hoch dieser Wert für ein spezifisches Grundstück ist und welche Faktoren ihn beeinflussen? Dieser Ratgeber liefert Ihnen eine umfassende Anleitung, um den aktuellen Bodenrichtwert zu finden und zu verstehen.

Was ist der Bodenrichtwert überhaupt?

Der Bodenrichtwert ist gemäß § 196 des Baugesetzbuches (BauGB) der durchschnittliche Lagewert des Bodens für eine Mehrheit von Grundstücken innerhalb eines abgegrenzten Gebiets (Bodenrichtwertzone), die nach ihren Grundstücksmerkmalen, insbesondere nach Art und Maß der Nutzbarkeit, weitgehend übereinstimmen. Er wird in Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläch (EUR/m²) ausgewiesen. Die Feststellung und Veröffentlichung der Bodenrichtwerte erfolgt bundesweit durch unabhängige Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, die bei den jeweiligen Städten und Landkreisen angesiedelt sind. Diese Gutachterausschüsse ermitteln die Werte anhand einer Auswertung Kaufpreissammlung. Die Kaufpreissammlungen enthalten anonymisierte Informationen über alle getätigten Grundstücksgeschäfte innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs.

Es ist wichtig zu verstehen, dass der Bodenrichtwert einen Durchschnittswert darstellt. Er bezieht sich auf ein fiktives, typisches Grundstück innerhalb der Bodenrichtwertzone, das als 'richtwertkonformes' Grundstück bezeichnet wird. Individuelle Abweichungen eines Grundstücks von diesem typischen Modell, beispielsweise bezüglich der Grundstücksgröße, des Zuschnitts, der Bebauung oder anderer spezifischer Merkmale, können dazu führen, dass der tatsächliche Verkehrswert eines einzelnen Grundstücks vom ermittelten Bodenrichtwert abweicht. Aus diesem Grund handelt es sich beim Bodenrichtwert auch nicht um einen verbindlichen Verkehrswert im Sinne des § 194 BauGB, sondern um einen Orientierungswert.

  • Durchschnittlicher Lagewert des Bodens in einer Zone
  • Wird in Euro pro Quadratmeter (EUR/m²) angegeben
  • Ermittlung durch Gutachterausschüsse für Grundstückswerte
  • Grundlage ist die Auswertung der Kaufpreissammlungen
  • Dient als Orientierungswert, nicht als exakter Verkehrswert

Wie oft werden Bodenrichtwerte aktualisiert?

Die Gutachterausschüsse sind gesetzlich verpflichtet, die Bodenrichtwerte regelmäßig zu aktualisieren. In der Regel erfolgt dies mindestens alle zwei Jahre. Dies gewährleistet, dass die Werte die aktuellen Entwicklungen am Immobilienmarkt widerspiegeln. In Zeiten starker Marktschwankungen oder bei Bedarf können die Aktualisierungen auch häufiger stattfinden. Der Stichtag, an dem die Werte ermittelt wurden, ist dabei immer klar angegeben. Dieser Stichtag ist wichtig, da sich die Marktpreise für Grundstücke innerhalb kurzer Zeit erheblich ändern können. Für Bewertungen oder Berechnungen sollte daher immer der jeweils aktuellste verfügbare Bodenrichtwert herangezogen werden.

Die Veröffentlichung der neuen Bodenrichtwerte erfolgt meist im ersten Halbjahr des auf den Stichtag folgenden Jahres. So werden beispielsweise die Bodenrichtwerte zum Stichtag 31. Dezember eines Jahres oft im Frühjahr des Folgejahres bekannt gegeben. Es empfiehlt sich, die Veröffentlichungen der lokalen Gutachterausschüsse oder die entsprechenden Online-Portale regelmäßig zu konsultieren, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Wo finde ich den Bodenrichtwert online?

Dank der Digitalisierung ist es heute vergleichsweise einfach, den Bodenrichtwert online zu finden. Die primäre Informationsquelle ist das gemeinsame Bodenrichtwertportal der Gutachterausschüsse in Deutschland, bekannt als BORIS (Bodenrichtwertinformationssystem Deutschland) oder der jeweiligen Bundesländer. Jedes Bundesland betreibt entweder ein eigenes BORIS-Portal oder ist an einer zentralen Plattform beteiligt. Diese Portale bieten die Möglichkeit, Bodenrichtwerte kostenfrei oder gegen eine geringe Gebühr abzufragen.

Um den Bodenrichtwert für ein bestimmtes Grundstück zu ermitteln, geben Sie in der Regel die Adresse, die Gemarkung, die Flur oder die Flurstücksnummer des Grundstücks in die Suchmaske ein. Viele Portale ermöglichen auch eine interaktive Kartensuche, bei der Sie direkt auf einer Karte navigieren und das gewünschte Gebiet auswählen können. Nach der Eingabe erhalten Sie eine Übersicht über die Bodenrichtwertzone und den zugehörigen Wert, oft zusammen mit weiteren Informationen wie dem Stichtag der Wertermittlung, der Art der baulichen Nutzung und dem Maß der baulichen Nutzung (z.B. Geschossflächenzahl oder Grundflächenzahl).

  • BORIS-Portale der Bundesländer (z.B. BORIS-BW, BORIS.NRW)
  • Zentrale bundesweite Portale, die auf den Länderdaten aufbauen
  • Suche mittels Adresse, Gemarkung, Flur oder Flurstücksnummer
  • Interaktive Kartensuche zur Lokalisierung des Grundstücks
  • Angaben zum Stichtag, Art und Maß der Nutzung

Alternative Bezugsquellen und lokale Behörden

Falls die Online-Suche aus verschiedenen Gründen nicht zum gewünschten Ergebnis führt oder Sie detailliertere Auskünfte benötigen, gibt es weitere Möglichkeiten, an die Bodenrichtwerte zu gelangen. Die direkte Anlaufstelle sind die Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte. Diese sind in der Regel bei den Landratsämtern, Stadtverwaltungen oder Katasterämtern angesiedelt. Dort können Sie persönlich oder schriftlich Auskünfte einholen. Oftmals fallen hierfür Gebühren an, die je nach Umfang der Auskunft variieren können.

Darüber hinaus gibt es auch kommerzielle Anbieter und Immobiliendienstleister, die Bodenrichtwertinformationen aggregieren und über eigene Portale zur Verfügung stellen. Diese Dienste können zusätzliche Auswertungen oder eine benutzerfreundlichere Aufbereitung der Daten bieten, sind jedoch meist kostenpflichtig. Für die meisten privaten Anwendungsfälle sind die offiziellen BORIS-Portale jedoch die erste und oft ausreichendste Quelle. Makler, Banken und Gutachter verfügen ebenfalls über Zugang zu diesen Informationen und können bei Bedarf Auskunft geben oder in ihren Wertermittlungen berücksichtigen.

  • Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse (persönlich/schriftlich)
  • Landratsämter, Stadtverwaltungen, Katasterämter
  • Kommerzielle Immobiliendienstleister und Portale
  • Makler, Banken und Sachverständige im Rahmen ihrer Tätigkeit
  • Gegebenenfalls Notare bei Abwicklung von Kaufverträgen

Bedeutung des Bodenrichtwerts für Immobilienbesitzer und Interessenten

Der Bodenrichtwert spielt in verschiedenen Situationen eine wichtige Rolle. Für Verkäufer und Käufer dient er als erste Orientierung für die Preisfindung eines Grundstücks oder einer Immobilie. Obwohl er nicht den Verkehrswert exakt abbildet, gibt er Aufschluss über das Preisniveau in einer bestimmten Lage. Ein hoher Bodenrichtwert deutet auf eine begehrte Lage und entsprechend höhere Grundstückspreise hin, während ein niedrigerer Wert oft in weniger attraktiven oder ländlichen Gebieten zu finden ist.

Auch für die Beleihung von Immobilien durch Banken ist der Bodenrichtwert relevant. Er fließt in die Wertermittlung der Bank ein und beeinflusst somit die Höhe der möglichen Finanzierung. Im privaten Bereich kann der Bodenrichtwert zudem für die Vermögensübersicht oder bei erbrechtlichen Angelegenheiten eine Rolle spielen. Nicht zuletzt ist er eine zentrale Größe bei der Feststellung der Grundsteuerwerte im Rahmen der Grundsteuerreform, die bundesweit umgesetzt wird. Die Berechnung der neuen Grundsteuer basiert maßgeblich auf diesem Wert.

  • Erste Orientierung bei Kauf und Verkauf von Grundstücken
  • Indikator für die Attraktivität einer Lage
  • relevant für die Beleihungswertfeststellung durch Banken
  • Grundlage für die Ermittlung des Grundsteuerwerts
  • Wichtig bei privater Vermögensübersicht und Erbschaftssteuer

Faktoren, die den Bodenrichtwert beeinflussen

Die Höhe des Bodenrichtwerts ist das Ergebnis einer komplexen Analyse verschiedener Faktoren, die den Wert des Bodens in einer bestimmten Zone maßgeblich prägen. An erster Stelle steht die Lage: Stadtzentren und begehrte Wohngebiete weisen in der Regel deutlich höhere Bodenrichtwerte auf als ländliche Regionen oder Industriegebiete. Die Infrastruktur spielt ebenfalls eine große Rolle; eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Nähe zu Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und Freizeiteinrichtungen erhöht den Wert.

Auch die mögliche Art und das Maß der baulichen Nutzung sind entscheidend. Ein Grundstück, das mit mehreren Geschossen oder für gewerbliche Zwecke bebaut werden darf, hat einen höheren Wert als ein Grundstück, auf dem nur ein kleines Einfamilienhaus errichtet werden kann. Darüber hinaus beeinflussen die Bodenbeschaffenheit, das topografische Profil, die Erschließung (Anschluss an Wege, Wasser, Abwasser, Strom) und die allgemeine Nachfrage am Immobilienmarkt den Bodenrichtwert. Spezifische Belastungen wie Baulasten, Altlasten oder Schutzgebiete können den Wert hingegen mindern.

  • Makrolage (Region, Stadt, Stadtteil)
  • Mikrolage (spezifisches Umfeld des Grundstücks)
  • Infrastruktur (Verkehrsanbindung, soziale Einrichtungen)
  • Art und Maß der baulichen Nutzung (Bauplanungsrecht)
  • Bodenbeschaffenheit und Topografie
  • Grad der Erschließung (Anbindung an Versorgungsnetze)

Bodenrichtwert vs. Verkehrswert: Ein wichtiger Unterschied

Es ist entscheidend, den Unterschied zwischen dem Bodenrichtwert und dem Verkehrswert (auch Marktwert genannt) zu verstehen. Wie bereits erwähnt, ist der Bodenrichtwert ein durchschnittlicher Lagewert für eine Zone, der sich auf ein fiktives, unbebautes 'richtwertkonformes' Grundstück bezieht. Er stellt eine Standardisierung dar, um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen und ist eine wichtige Komponente bei der Wertermittlung, aber kein Selbstzweck.

Der Verkehrswert hingegen ist der Wert, der an einem bestimmten Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre, unter Berücksichtigung aller den Preis beeinflussenden Umstände (§ 194 BauGB). Dieser Wert ist individuell für jedes einzelne Grundstück oder jede Immobilie. In die Ermittlung des Verkehrswertes fließen neben dem Bodenwert (der sich aus dem Bodenrichtwert ableiten lässt) auch der Wert der Aufbauten (Gebäude, Anlagen), etwaige Mieterträge, Instandhaltungsstau, Rechte und Lasten (z.B. Wegerecht, Nießbrauch) und viele weitere spezifische Merkmale des individuellen Objekts ein. Für eine exakte Verkehrswertermittlung ist stets ein qualifizierter Immobiliensachverständiger zu beauftragen, da der Bodenrichtwert allein hierfür nicht ausreicht.

Fazit

Der Bodenrichtwert ist ein unverzichtbares Instrument im deutschen Immobilienwesen, das Transparenz schafft und eine grundlegende Basis für zahlreiche Bewertungen bildet. Seine Bedeutung reicht von der Kaufpreisorientierung über die steuerliche Bewertung bis hin zur Kreditvergabe. Während die Online-Portale der Bundesländer (BORIS) die einfachste und oft kostenlose Möglichkeit bieten, diesen Wert zu ermitteln, sollten sich Immobilienbesitzer und Interessenten stets bewusst sein, dass der Bodenrichtwert ein Durchschnittswert ist und nicht den individuellen Verkehrswert eines Grundstücks ersetzt. Eine umfassende Kenntnis des Bodenrichtwerts und seiner Bedeutung ist jedoch für jeden, der mit Immobilien zu tun hat, von großem Vorteil.

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Michael Freitag
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