Bestellerprinzip: Auswirkungen auf den Immobilienmarkt?
Das Bestellerprinzip verlagert die Maklerprovision auf den Auftraggeber – mit weitreichenden Folgen für Mieter, Vermieter, Käufer und den gesamten Immobilienmarkt in Deutschland.

Seit der Einführung des Bestellerprinzips in Deutschland hat sich die Frage, wer die Maklerprovision zahlt, grundlegend verändert. Das Prinzip „Wer bestellt, der zahlt“ gilt heute in der Wohnraumvermietung und in bestimmten Bereichen des Immobilienkaufs und wirkt sich direkt auf Kosten, Marktverhalten und Verhandlungsmacht der Beteiligten aus. Dieser Ratgeber beleuchtet die Auswirkungen des Bestellerprinzips auf den Immobilienmarkt, erklärt die rechtlichen Grundlagen und zeigt, welche Chancen und Risiken sich daraus für Mieter, Vermieter, Käufer und Makler ergeben.
Was bedeutet das Bestellerprinzip?
Das Bestellerprinzip ist eine Regelung im Immobilienrecht, nach der derjenige die Maklerprovision trägt, der den Makler beauftragt hat. In der Praxis heißt das: Wer den Makler „bestellt“, muss ihn auch bezahlen. Diese Regelung soll verhindern, dass Mieter oder Käufer neben Miete oder Kaufpreis zusätzlich hohe Maklerkosten tragen müssen, obwohl sie den Makler nicht direkt beauftragt haben.
Im Bereich der Wohnraumvermietung gilt das Bestellerprinzip seit 2015. Danach ist in der Regel der Vermieter verpflichtet, die Provision zu zahlen, wenn er den Makler mit der Vermietung beauftragt. Für den Immobilienkauf wurde das Prinzip 2020 ergänzt: Bei Wohnungen und Einfamilienhäusern können Verkäufer und Käufer die Maklerkosten grundsätzlich zu gleichen Teilen tragen, wobei der Anteil der nicht beauftragenden Partei maximal 50 Prozent betragen darf.
Wichtige Fachbegriffe im Zusammenhang mit dem Bestellerprinzip sind:
- —Bestellerprinzip: Regel, dass der Auftraggeber die Maklerprovision zahlt.
- —Maklerprovision: Vergütung des Maklers für die Vermittlung einer Immobilie, meist in Prozent vom Miet- oder Kaufpreis.
- —Wohnungsvermittlungsgesetz (WoVermrG): Gesetz, das das Bestellerprinzip für die Vermietung von Wohnraum regelt.
- —§ 656d BGB: Vorschrift, die das Bestellerprinzip für den Kauf von Wohnungen und Einfamilienhäusern festlegt.
- —Auftraggeber: Die Partei, die den Makler beauftragt (z.B. Vermieter oder Verkäufer).
Bestellerprinzip bei der Vermietung: Was ändert sich für Mieter?
Für Mieter ist das Bestellerprinzip in der Regel eine finanzielle Entlastung. Früher mussten Mieter in vielen Fällen die gesamte Maklerprovision tragen, obwohl der Vermieter den Makler beauftragt hatte. Heute ist in der Regel der Vermieter verpflichtet, die Provision zu zahlen, wenn er den Makler mit der Vermietung beauftragt. Das bedeutet, dass Mieter in vielen Fällen keine Maklerkosten mehr zahlen müssen.
In Ballungszentren mit knappem Wohnraum wie München oder Berlin haben Mieter oft hohe Summen für Maklerprovisionen gezahlt. Mit dem Bestellerprinzip hat sich dieses Ungleichgewicht in vielen Fällen verschoben. Mieter profitieren von der Neuregelung, da sie nun oft keine Maklerprovision mehr zahlen müssen. Allerdings kann es in Einzelfällen zu Umgehungslösungen kommen, etwa wenn der Vermieter die Provision über die Miete oder andere Nebenkosten kompensiert.
Praxisbeispiel: Ein Mieter in Berlin sucht eine Wohnung mit 800 Euro Kaltmiete. Früher hätte er möglicherweise eine Maklerprovision von 2,38 Monatsmieten (inkl. MwSt.) gezahlt, also rund 1.900 Euro. Heute zahlt in der Regel der Vermieter diese Provision, während der Mieter nur die Miete und übliche Nebenkosten trägt.
- —Mieter zahlen in der Regel keine Maklerprovision mehr.
- —Vermieter tragen die Provision, wenn sie den Makler beauftragen.
- —Entlastung für Mieter, insbesondere in Großstädten.
- —Risiko von Umgehungslösungen durch Vermieter.
- —Mieter sollten trotzdem auf versteckte Kosten achten.
Auswirkungen auf Vermieter und Makler
Für Vermieter bedeutet das Bestellerprinzip, dass sie die Maklerprovision tragen müssen, wenn sie einen Makler beauftragen. Das kann die Kosten für die Vermietung erhöhen und dazu führen, dass Vermieter verstärkt auf Makler verzichten, um Kosten zu sparen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Makler, da sie nun direkt vom Vermieter bezahlt werden und ihre Dienstleistungen überzeugender verkaufen müssen.
Makler stehen vor der Herausforderung, ihre Dienstleistungen zu professionalisieren und den Mehrwert für Vermieter klar darzustellen. Das Bestellerprinzip hat zu einer Verschiebung im Immobilienmarkt geführt, wo zunehmend digitale Plattformen und Tools den direkten Kontakt zwischen Vermieter und Mieter ermöglichen, ohne dass ein Makler dazwischen geschaltet wird. Das kann die Rolle des Maklers verändern, aber nicht ersetzen.
Praxisbeispiel: Ein Vermieter in München beauftragt einen Makler mit der Vermietung einer Wohnung. Die Maklerprovision beträgt 2,38 Monatsmieten, also rund 2.000 Euro bei einer Kaltmiete von 800 Euro. Der Vermieter muss diese Provision zahlen, während der Mieter keine Maklerkosten trägt. Der Makler muss den Vermieter von seinem Mehrwert überzeugen, etwa durch schnelle Vermietung und professionelle Mietersuche.
- —Vermieter tragen die Maklerprovision.
- —Makler müssen Mehrwert für Vermieter klar darstellen.
- —Zunahme digitaler Plattformen und direkter Vermietung.
- —Veränderung der Rolle des Maklers.
- —Risiko von Umgehungslösungen durch Vermieter.
Bestellerprinzip beim Immobilienkauf: Was ändert sich?
Beim Immobilienkauf wurde das Bestellerprinzip 2020 ergänzt. Für Wohnungen und Einfamilienhäuser können Verkäufer und Käufer die Maklerkosten grundsätzlich zu gleichen Teilen tragen, wobei der Anteil der nicht beauftragenden Partei maximal 50 Prozent betragen darf. Das Ziel ist, die Kaufnebenkosten für Käufer zu reduzieren und die Kosten gerechter zu verteilen.
Allerdings gibt es Kritik an der Einführung des Bestellerprinzips beim Immobilienkauf. Fachleute der Immobilienwirtschaft argumentieren, dass Käufer schlussendlich gar keine Entlastung erfahren könnten, da Verkäufer die Maklercourtage auf den Kaufpreis aufschlagen könnten. Das Bestellerprinzip könnte sowohl Käufer als auch Verkäufer schaden, wenn die Kosten nicht transparent sind.
Praxisbeispiel: Ein Käufer erwirbt eine Wohnung für 300.000 Euro. Die Maklerprovision beträgt 3 Prozent, also 9.000 Euro. Nach dem Bestellerprinzip können Verkäufer und Käufer die Kosten zu gleichen Teilen tragen, also jeweils 4.500 Euro. Der Käufer zahlt weniger als zuvor, aber der Verkäufer könnte die Provision auf den Kaufpreis aufschlagen, was den Käufer indirekt belastet.
- —Verkäufer und Käufer tragen Maklerkosten zu gleichen Teilen.
- —Maximal 50 Prozent für die nicht beauftragende Partei.
- —Ziel: Reduzierung der Kaufnebenkosten für Käufer.
- —Risiko von Aufschlägen auf den Kaufpreis.
- —Transparenz der Kosten ist entscheidend.
Auswirkungen auf den Immobilienmarkt insgesamt
Das Bestellerprinzip hat den Immobilienmarkt in Deutschland nachhaltig verändert. Vor allem Mieter in Großstädten profitieren von der Neuregelung, da sie nun oft keine Maklerprovision mehr zahlen müssen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Makler, da sie nun direkt vom Vermieter oder Verkäufer bezahlt werden und ihre Dienstleistungen überzeugender verkaufen müssen.
Die Einführung des Bestellerprinzips hat zu einer Verschiebung im Immobilienmarkt geführt, wo zunehmend digitale Plattformen und Tools den direkten Kontakt zwischen Vermieter und Mieter oder Verkäufer und Käufer ermöglichen, ohne dass ein Makler dazwischen geschaltet wird. Das kann die Rolle des Maklers verändern, aber nicht ersetzen. Makler müssen sich auf die neuen Marktbedingungen einstellen und ihren Mehrwert klar darstellen.
Langfristig könnte das Bestellerprinzip den Anreiz für Anleger reduzieren, Immobilien zu erwerben und zu vermieten, da die Kosten für die Vermietung steigen. Das könnte den Mietmarkt noch enger machen, als er ohnehin schon ist. Gleichzeitig könnte das Bestellerprinzip die Transparenz der Kosten erhöhen und die Verhandlungsmacht der Mieter und Käufer stärken.
- —Entlastung für Mieter in Großstädten.
- —Steigende Anforderungen an Makler.
- —Zunahme digitaler Plattformen und direkter Vermietung.
- —Risiko von Umgehungslösungen durch Vermieter.
- —Mögliche Reduzierung des Anreizes für Anleger.
Vorteile und Nachteile des Bestellerprinzips
Das Bestellerprinzip hat sowohl Vorteile als auch Nachteile für die verschiedenen Marktteilnehmer. Für Mieter bedeutet es in der Regel eine finanzielle Entlastung, da sie keine Maklerprovision mehr zahlen müssen. Für Vermieter und Verkäufer kann es die Kosten erhöhen und dazu führen, dass sie verstärkt auf Makler verzichten, um Kosten zu sparen.
Für Makler bedeutet das Bestellerprinzip, dass sie ihre Dienstleistungen überzeugender verkaufen müssen und ihre Rolle als Mittler verlieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Makler, da sie nun direkt vom Vermieter oder Verkäufer bezahlt werden und ihren Mehrwert klar darstellen müssen. Das Bestellerprinzip kann die Transparenz der Kosten erhöhen und die Verhandlungsmacht der Mieter und Käufer stärken.
Praxisbeispiel: Ein Mieter in Berlin sucht eine Wohnung mit 800 Euro Kaltmiete. Früher hätte er möglicherweise eine Maklerprovision von 2,38 Monatsmieten (inkl. MwSt.) gezahlt, also rund 1.900 Euro. Heute zahlt in der Regel der Vermieter diese Provision, während der Mieter nur die Miete und übliche Nebenkosten trägt. Der Vermieter trägt die Kosten, aber der Mieter profitiert von der Entlastung.
- —Vorteile für Mieter: Entlastung von Maklerkosten.
- —Nachteile für Vermieter: Höhere Kosten für Vermietung.
- —Vorteile für Makler: Steigende Anforderungen und Professionalisierung.
- —Nachteile für Makler: Verlust der Rolle als Mittler.
- —Vorteile für Käufer: Reduzierung der Kaufnebenkosten.
- —Nachteile für Käufer: Risiko von Aufschlägen auf den Kaufpreis.
Fazit
Das Bestellerprinzip hat den Immobilienmarkt in Deutschland nachhaltig verändert. Für Mieter bedeutet es in der Regel eine finanzielle Entlastung, da sie keine Maklerprovision mehr zahlen müssen. Für Vermieter und Verkäufer kann es die Kosten erhöhen und dazu führen, dass sie verstärkt auf Makler verzichten, um Kosten zu sparen. Für Makler bedeutet das Bestellerprinzip, dass sie ihre Dienstleistungen überzeugender verkaufen müssen und ihre Rolle als Mittler verlieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Makler, da sie nun direkt vom Vermieter oder Verkäufer bezahlt werden und ihren Mehrwert klar darstellen müssen. Das Bestellerprinzip kann die Transparenz der Kosten erhöhen und die Verhandlungsmacht der Mieter und Käufer stärken, birgt aber auch Risiken wie Umgehungslösungen und mögliche Reduzierung des Anreizes für Anleger.

