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Bausparvertrag: Die häufigsten Fehler

Bausparverträge können bei der Immobilienfinanzierung helfen – wenn Sie die häufigsten Fehler vermeiden. Hier erfahren Sie, worauf es wirklich ankommt.

8 min Lesezeit
Bausparvertrag: Die häufigsten Fehler

Bausparverträge gelten vielen als klassisches Instrument, um frühzeitig Eigenkapital für den Immobilienkauf oder -bau anzusparen und sich ein zinsgünstiges Darlehen zu sichern. In der Praxis laufen Bausparer jedoch häufig in vermeidbare Fallen: zu hohe Bausparsummen, falsche Sparraten, mangelnde Transparenz oder verpasste Fördermöglichkeiten. Dieser Ratgeber zeigt, welche Fehler bei der Immobilienfinanzierung über Bausparverträge am häufigsten auftreten – und wie Sie sie erkennen und vermeiden können.

1. Falsche Bausparsumme: Zu hoch oder zu niedrig

Ein zentraler Fehler ist die falsche Wahl der Bausparsumme. Viele Bausparer orientieren sich nur an der Wunschimmobilie und unterschätzen, wie lange sie sparen müssen, bis der Vertrag zuteilungsreif ist. Die Bausparsumme ist der Höchstbetrag, bis zu dem später ein Bauspardarlehen ausgezahlt werden kann. Sie sollte realistisch sein und sich an der geplanten Immobilienfinanzierung sowie an der monatlichen Sparleistung orientieren.

Wird die Bausparsumme zu hoch angesetzt, kann es Jahre länger dauern, bis das Mindestguthaben von in der Regel 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme erreicht ist. In Testfällen haben Bausparer mit einer monatlichen Sparleistung von 400 Euro deutlich länger als die geplanten zehn Jahre gebraucht, bis das Darlehen verfügbar war. Umgekehrt kann eine zu niedrige Bausparsumme dazu führen, dass das Bauspardarlehen nicht ausreicht, um den Immobilienkauf oder -bau zu finanzieren, und zusätzliche Kredite nötig werden.

  • Berechnen Sie vorab, wie viel Eigenkapital Sie voraussichtlich für den Immobilienkauf oder -bau benötigen.
  • Prüfen Sie, wie lange Sie sparen können, bevor Sie die Immobilie finanzieren möchten.
  • Lassen Sie sich vom Berater einen Zeitstrahl zeigen, wann der Vertrag voraussichtlich zuteilungsreif ist.
  • Vermeiden Sie eine Bausparsumme, die deutlich über Ihrem Finanzierungsbedarf liegt.
  • Berücksichtigen Sie, dass das Bauspardarlehen nur für wohnwirtschaftliche Zwecke wie Kauf, Bau, Sanierung oder Modernisierung verwendet werden darf.

2. Unpassende Sparrate und zu hohe Belastung

Die monatliche Sparrate ist ein entscheidender Faktor für die Dauer der Ansparphase und die spätere Belastung durch das Bauspardarlehen. Viele Bausparer unterschätzen, wie stark die Rate ihre Haushaltskasse belastet – nicht nur während der Ansparphase, sondern auch in der Darlehensphase. Einige Berater empfehlen Raten, die für die Rückzahlung des Bauspardarlehens nur acht bis elf Jahre vorsehen, was zu sehr hohen monatlichen Belastungen führen kann.

In Extremfällen kann die Darlehensrate bis zu 70 Prozent des Nettoeinkommens betragen, was die finanzielle Flexibilität stark einschränkt. Zudem ist zu beachten, dass Bauspardarlehen meist schneller zurückgezahlt werden müssen als klassische Annuitätendarlehen. Eine zu hohe Sparrate kann daher dazu führen, dass Sie in der Darlehensphase überfordert sind oder zusätzliche Kredite aufnehmen müssen.

  • Kalkulieren Sie Ihre monatliche Sparrate anhand Ihres verfügbaren Nettoeinkommens und Ihrer laufenden Verpflichtungen.
  • Berücksichtigen Sie, dass die Darlehensrate in der Regel höher ist als bei einem klassischen Immobiliendarlehen.
  • Wählen Sie eine Sparrate, die Sie auch in schwierigen Zeiten langfristig aufbringen können.
  • Lassen Sie sich verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Raten zeigen und vergleichen Sie die Gesamtbelastung.
  • Prüfen Sie, ob Sie Sondertilgungen leisten können, um die Laufzeit zu verkürzen oder die Rate zu senken.

3. Ignorieren von Kosten und Gebühren

Viele Bausparer achten vor allem auf den Zinssatz und übersehen dabei die Kosten des Vertrags. Typische Kosten sind die Abschlussgebühr, die in der Regel 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme beträgt, sowie laufende Verwaltungsgebühren. Diese Kosten können die Rendite des Bausparvertrags deutlich mindern und in manchen Fällen zu einem Minusgeschäft führen.

Ein weiterer Fehler ist die mangelnde Transparenz: Manche Berater verzichten auf detaillierte Spar- und Tilgungspläne und erwähnen Gebühren erst später. Dadurch wird es schwierig, das Angebot mit anderen Anbietern zu vergleichen. In Einzelfällen haben Bausparer bis zu mehreren tausend Euro zu viel gezahlt, weil sie die Kosten nicht berücksichtigt haben.

  • Fordern Sie einen detaillierten Kostenaufschluss inklusive Abschlussgebühr und laufender Gebühren an.
  • Vergleichen Sie die Gesamtkosten verschiedener Bausparverträge, nicht nur die Zinssätze.
  • Prüfen Sie, ob die Abschlussgebühr in den Tarif integriert ist oder separat berechnet wird.
  • Achten Sie darauf, dass alle Kosten im Vertrag schriftlich festgehalten sind.
  • Lassen Sie sich erklären, wie sich die Kosten auf die Gesamtrendite auswirken.

4. Fehlende Fördermöglichkeiten und Zusatzleistungen

Ein weiterer häufiger Fehler ist, Fördermöglichkeiten und Zusatzleistungen zu übersehen. Bausparverträge können unter bestimmten Voraussetzungen mit staatlichen Förderungen wie der Arbeitnehmersparzulage, der Wohnungsbauprämie oder Wohn-Riester kombiniert werden. Zudem können vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers in den Bausparvertrag eingezahlt werden, was die Rendite verbessern kann.

Viele Bausparer verzichten auf diese Förderungen, weil sie nicht über sie informiert wurden oder die Bedingungen nicht erfüllen. Dabei können gerade diese Zusatzleistungen einen entscheidenden Unterschied machen, ob der Bausparvertrag sich lohnt oder nicht. Es lohnt sich daher, die eigenen Ansprüche genau zu prüfen und gegebenenfalls den Vertrag entsprechend zu gestalten.

  • Informieren Sie sich über mögliche staatliche Förderungen wie Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbauprämie.
  • Prüfen Sie, ob Sie vermögenswirksame Leistungen Ihres Arbeitgebers in den Bausparvertrag einbringen können.
  • Lassen Sie sich erklären, welche Bedingungen für die Förderungen erfüllt sein müssen.
  • Berücksichtigen Sie die Förderungen in Ihrer Gesamtkalkulation für den Immobilienkauf oder -bau.
  • Vergleichen Sie die Rendite mit und ohne Förderungen, um die tatsächliche Attraktivität des Vertrags zu beurteilen.

5. Unzureichende Finanzplanung und Zeitplanung

Ein Bausparvertrag ist ein langfristiges Finanzierungsinstrument, das gut in die Gesamtplanung für den Immobilienkauf oder -bau eingebettet sein muss. Viele Bausparer unterschätzen, wie lange die Ansparphase dauert und planen nicht ausreichend mit anderen Finanzierungsformen. Die Ansparphase dauert in der Regel sieben bis zehn Jahre, bis das Mindestguthaben erreicht ist und der Vertrag zuteilungsreif wird.

Ohne eine klare Zeitplanung kann es passieren, dass der Vertrag erst zuteilungsreif ist, wenn die Immobilie schon längst gekauft oder gebaut wurde. In solchen Fällen muss auf andere Finanzierungsformen zurückgegriffen werden, was die Gesamtkosten erhöhen kann. Zudem sollten Sie berücksichtigen, dass Bauspardarlehen nur für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden dürfen und nicht für andere Investitionen.

  • Erstellen Sie einen detaillierten Zeitplan für den Immobilienkauf oder -bau und passen Sie die Ansparphase daran an.
  • Berücksichtigen Sie, dass die Ansparphase mehrere Jahre dauern kann.
  • Planen Sie alternative Finanzierungsformen ein, falls der Vertrag nicht rechtzeitig zuteilungsreif wird.
  • Prüfen Sie, ob Sie den Vertrag vorzeitig kündigen oder teilen können, falls sich Ihre Pläne ändern.
  • Lassen Sie sich vom Berater einen Zeitstrahl zeigen, wie sich der Vertrag entwickelt.

6. Falsche Erwartungen an Zinsen und Rendite

Viele Bausparer erwarten, dass der Bausparvertrag eine attraktive Rendite bietet. In der Realität sind die Guthabenzinsen derzeit sehr niedrig und liegen in der Regel deutlich unterhalb der Zinsen für Tagesgeldkonten. Zudem mindern die Abschlussgebühren und laufenden Kosten die Rendite weiter. Ohne staatliche Förderungen kann der Bausparvertrag daher ein Minusgeschäft sein.

Ein weiterer Fehler ist, sich nur auf den Darlehenszins zu konzentrieren und die Gesamtkosten zu übersehen. Der Darlehenszins steht zwar von Beginn an fest, aber die Gesamtbelastung hängt auch von der Sparrate, der Laufzeit und den Gebühren ab. Zudem ist ungewiss, ob die Darlehenszinsen in Zukunft steigen oder sinken, was die Attraktivität des Vertrags beeinflusst.

  • Berücksichtigen Sie, dass die Guthabenzinsen derzeit sehr niedrig sind und die Rendite begrenzen.
  • Vergleichen Sie die Gesamtkosten des Bausparvertrags mit anderen Finanzierungsformen.
  • Prüfen Sie, ob die staatlichen Förderungen die Rendite ausreichend verbessern.
  • Lassen Sie sich erklären, wie sich die Zinsen auf die Gesamtbelastung auswirken.
  • Berücksichtigen Sie, dass die Attraktivität des Vertrags von der zukünftigen Zinsentwicklung abhängt.

7. Mangelnde Transparenz und fehlende Vergleichbarkeit

Ein weiterer häufiger Fehler ist die mangelnde Transparenz bei der Beratung. Manche Berater arbeiten mit Schmierzetteln, ohne detaillierte Spar- und Tilgungspläne zu erstellen, und erwähnen Gebühren erst später. Dadurch wird es schwierig, das Angebot mit anderen Anbietern zu vergleichen und die tatsächlichen Kosten zu erkennen.

Zudem werden manche Abschlussgebühren unterschlagen oder nicht klar kommuniziert. Dies kann dazu führen, dass Bausparer bis zu mehreren tausend Euro zu viel zahlen. Es ist daher wichtig, auf Transparenz zu bestehen und alle Kosten und Konditionen schriftlich festhalten zu lassen.

  • Fordern Sie detaillierte Unterlagen mit Spar- und Tilgungsplänen an.
  • Prüfen Sie, ob alle Gebühren im Vertrag schriftlich festgehalten sind.
  • Vergleichen Sie verschiedene Angebote und lassen Sie sich die Unterschiede erklären.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie alle Konditionen verstehen, bevor Sie den Vertrag unterschreiben.
  • Lassen Sie sich erklären, wie sich die Kosten auf die Gesamtbelastung auswirken.

8. Fehlende Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten

Ein weiterer Fehler ist, die Flexibilität des Bausparvertrags zu unterschätzen. Viele Bausparer planen nicht mit, dass sich ihre Lebenssituation ändern kann – etwa durch Jobwechsel, Umzug oder Familienzuwachs. In solchen Fällen kann es nötig sein, den Vertrag anzupassen, zu teilen oder vorzeitig zu kündigen.

Einige Bausparkassen bieten die Möglichkeit, Sonderzahlungen zu leisten, den Vertrag zu teilen oder vorzeitig zu kündigen. Diese Optionen können helfen, die Ansparphase zu verkürzen oder die Belastung zu reduzieren. Es ist daher wichtig, sich vor Vertragsabschluss über die Anpassungsmöglichkeiten zu informieren.

  • Informieren Sie sich über die Möglichkeit, Sonderzahlungen zu leisten.
  • Prüfen Sie, ob der Vertrag geteilt oder vorzeitig gekündigt werden kann.
  • Berücksichtigen Sie, dass sich Ihre Lebenssituation ändern kann und planen Sie entsprechend.
  • Lassen Sie sich erklären, welche Auswirkungen Anpassungen auf die Gesamtbelastung haben.
  • Vergleichen Sie die Flexibilität verschiedener Bausparverträge.

Fazit

Bausparverträge können bei der Immobilienfinanzierung sinnvoll sein, wenn sie gut geplant und transparent gestaltet sind. Die häufigsten Fehler liegen in der falschen Bausparsumme, unpassenden Sparraten, mangelnder Berücksichtigung von Kosten und Fördermöglichkeiten sowie fehlender Transparenz. Wer diese Fehler vermeidet und den Vertrag sorgfältig in die Gesamtplanung für den Immobilienkauf oder -bau einbettet, kann von der Zinssicherheit und den staatlichen Förderungen profitieren. Eine gründliche Beratung und ein Vergleich verschiedener Angebote sind dabei unerlässlich, um die beste Lösung für die eigene Situation zu finden.

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