Anschlussfinanzierung: So funktioniert es in der Praxis
Eine Anschlussfinanzierung sichert die Weiterfinanzierung Ihrer Immobilie, wenn die Zinsbindung ausläuft. So planen Sie clever und sparen Zinsen.

Wenn die Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung ausläuft, steht für viele Immobilieneigentümer die Frage im Raum, wie die Restschuld weiterfinanziert werden soll. Genau hier kommt die Anschlussfinanzierung ins Spiel: Sie ermöglicht es, die bestehende Immobilienfinanzierung mit neuen Konditionen fortzusetzen – entweder bei der bisherigen Bank oder bei einem neuen Kreditinstitut. In der Praxis bedeutet das, dass Sie die Restschuld Ihres Baukredits zu aktuellen Zinssätzen weiter bedienen, ohne die Immobilie verkaufen zu müssen. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie eine Anschlussfinanzierung funktioniert, welche Optionen Ihnen offenstehen und wie Sie die besten Konditionen finden.
Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Eine Anschlussfinanzierung ist die Fortsetzung einer bestehenden Baufinanzierung nach Ablauf der Zinsbindungsfrist. In der Regel besteht dann noch eine Restschuld, die weiterhin über einen Kredit finanziert werden muss. Die Anschlussfinanzierung kann bei der bisherigen Bank oder bei einem anderen Kreditinstitut abgeschlossen werden. Dabei werden die Konditionen – insbesondere der Zinssatz und die Laufzeit – neu vereinbart.
Die Anschlussfinanzierung ist notwendig, wenn die Zinsbindung endet und die Restschuld nicht vollständig getilgt werden kann. Sie ermöglicht es, die Immobilie weiterhin zu nutzen und gleichzeitig die Finanzierung an aktuelle Marktbedingungen anzupassen. In der Praxis unterscheidet man zwischen Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen.
- —Fortsetzung der Baufinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung
- —Weiterfinanzierung der Restschuld zu neuen Konditionen
- —Möglichkeit der Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen
Prolongation: Verlängerung bei der bisherigen Bank
Die Prolongation ist die einfachste Form der Anschlussfinanzierung. Dabei wird der bestehende Kredit bei der bisherigen Bank verlängert, und die Zinsen werden neu festgelegt. Die Bank ist verpflichtet, Sie spätestens drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung über die neuen Konditionen zu informieren. In der Regel ist eine Prolongation problemlos möglich, insbesondere wenn Ihre Bonität gut ist und Sie regelmäßige Einnahmen haben.
Die Prolongation bietet den Vorteil, dass Sie mit der Bank weiterarbeiten, die Ihre finanzielle Situation bereits kennt. Allerdings sind die Konditionen oft nicht so günstig wie bei einer Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut. Es lohnt sich daher, die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen, bevor Sie sich für eine Prolongation entscheiden.
- —Verlängerung des bestehenden Kredits bei der bisherigen Bank
- —Neue Zinsfestlegung, aber gleiche Bank
- —Einfache Abwicklung, da Bank Ihre Situation kennt
Umschuldung: Wechsel zu einer neuen Bank
Bei einer Umschuldung wird die Restschuld des bestehenden Kredits durch einen neuen Kredit bei einer anderen Bank beglichen. Die neue Bank übernimmt die Restschuld und bietet neue Konditionen an. Umschuldungen sind in der Regel zinsgünstiger als Prolongationen, da die Banken um Kunden konkurrieren.
Die Umschuldung erfordert etwas mehr Aufwand, da Sie die Unterlagen neu einreichen und die neue Bank die Bonität prüfen muss. Allerdings können Sie so von niedrigeren Zinssätzen profitieren und Ihre monatlichen Raten senken. Es ist wichtig, die Gesamtkosten – einschließlich eventueller Vorfälligkeitsentschädigungen – zu berücksichtigen.
- —Wechsel der Restschuld zu einer neuen Bank
- —Neue Konditionen, oft günstigere Zinsen
- —Mehr Aufwand, aber potenziell höhere Einsparungen
Forward-Darlehen: Zinsen im Voraus sichern
Ein Forward-Darlehen ermöglicht es, sich die Zinsen für eine zukünftige Anschlussfinanzierung bereits heute zu sichern. Dies ist sinnvoll, wenn Sie befürchten, dass die Zinsen in den nächsten Jahren steigen. Mit einem Forward-Darlehen legen Sie den Zinssatz für die Anschlussfinanzierung fest, auch wenn die Zinsbindung noch nicht ausgelaufen ist.
Die Zinsen für ein Forward-Darlehen können bis zu 60 Monate vor Ablauf der ersten Finanzierung gesichert werden. Dies bietet Planungssicherheit, da Sie wissen, welche Zinsen Sie in der Zukunft zahlen werden. Allerdings sind die Zinsen für ein Forward-Darlehen oft höher als die aktuellen Marktzinsen, da die Bank das Risiko trägt.
- —Sicherung der Zinsen für die zukünftige Anschlussfinanzierung
- —Planungssicherheit bei steigenden Zinsen
- —Höhere Zinsen als aktuelle Marktzinsen
Wann ist eine Anschlussfinanzierung notwendig?
Eine Anschlussfinanzierung ist notwendig, wenn die Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung ausläuft und noch eine Restschuld besteht. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Tilgung nicht ausreicht, um die Immobilie vollständig zu begleichen. Die Bank informiert Sie spätestens drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung über die neuen Konditionen.
Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Anschlussfinanzierung notwendig ist. Zum Beispiel, wenn Sie die Immobilie weiter nutzen möchten, ohne sie zu verkaufen, oder wenn Sie die Finanzierung an aktuelle Marktbedingungen anpassen möchten. In der Praxis ist eine Anschlussfinanzierung häufiger notwendig als eine vollständige Tilgung.
- —Ablauf der Zinsbindung mit Restschuld
- —Weiterfinanzierung der Immobilie
- —Anpassung an aktuelle Marktbedingungen
Wie planen Sie eine Anschlussfinanzierung?
Die Planung einer Anschlussfinanzierung sollte frühzeitig beginnen. Ideal ist es, sich sechs bis zwölf Monate vor Ablauf der Zinsbindung um Angebote zu kümmern. In dieser Zeit können Sie verschiedene Banken vergleichen und die besten Konditionen finden. Es ist wichtig, Ihre finanzielle Situation zu überprüfen und sicherzustellen, dass Ihre Bonität gut ist.
Beim Vergleich der Angebote sollten Sie nicht nur den Zinssatz, sondern auch die Gesamtkosten berücksichtigen. Dazu gehören eventuelle Vorfälligkeitsentschädigungen, Bearbeitungsgebühren und andere Kosten. Ein Finanzierungsberater kann Ihnen helfen, die besten Konditionen zu finden und die Anschlussfinanzierung optimal zu planen.
- —Frühzeitige Planung, ideal 6–12 Monate vor Ablauf
- —Vergleich verschiedener Banken
- —Berücksichtigung aller Kosten
Beispielrechnung: Einsparungen durch Umschuldung
Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Restschuld von 150.000 Euro bei einer Zinsbindung von 1,5 % pro Jahr. Die Zinsbindung läuft in einem Jahr aus, und die Bank bietet Ihnen eine Prolongation mit 2,5 % an. Eine andere Bank bietet Ihnen eine Umschuldung mit 2,0 % an. Bei einer Laufzeit von 10 Jahren würden Sie bei der Prolongation insgesamt 19.500 Euro Zinsen zahlen, während Sie bei der Umschuldung nur 18.000 Euro zahlen würden.
Dieses Beispiel zeigt, dass eine Umschuldung zu Einsparungen führen kann. Allerdings müssen Sie die Gesamtkosten berücksichtigen, einschließlich eventueller Vorfälligkeitsentschädigungen. In diesem Fall könnten die Einsparungen durch die Umschuldung die zusätzlichen Kosten überwiegen.
- —Restschuld 150.000 Euro
- —Prolongation 2,5 %, 19.500 Euro Zinsen
- —Umschuldung 2,0 %, 18.000 Euro Zinsen
Fazit
Eine Anschlussfinanzierung ist ein wichtiger Schritt bei der Weiterfinanzierung Ihrer Immobilie. Sie ermöglicht es, die Restschuld zu neuen Konditionen weiter zu bedienen und gleichzeitig von aktuellen Zinssätzen zu profitieren. Ob Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen – jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Eine frühzeitige Planung und ein sorgfältiger Vergleich der Angebote helfen Ihnen, die besten Konditionen zu finden und Ihre monatlichen Raten zu senken. Mit der richtigen Vorbereitung können Sie Ihre Immobilie langfristig sicher und kostengünstig finanzieren.

