Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem fundamentalen demografischen Wandel. Die rückläufige Zahl deutscher Beschäftigter seit dem Jahr 2024 verdeutlicht, dass das Beschäftigungswachstum in Deutschland primär durch ausländische Arbeitskräfte getragen wird. Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM, hebt hervor, die qualifizierte Migration und die daraus resultierende Produktivitätssteigerung seien für Investoren ein relevantes Thema.
Dieser Wandel ist strukturell und langfristig. Während eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheidet, rücken deutlich weniger junge Fachkräfte nach. Zwischen 2014 und 2024 verzeichnete die Gruppe der Erwerbsfähigen mit deutscher Staatsangehörigkeit einen Rückgang um rund 3,9 Millionen Personen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Anzahl der Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im erwerbsfähigen Alter um circa 3,4 Millionen. Die ökonomische Perspektive der Zuwanderung betrifft grundlegende Fragen der Wirtschaftsleistung: die Sicherung von Produktion, Konsum und Steueraufkommen.
Struktureller Umbau statt kurzfristiger Engpässe
Nach Einschätzung von Fischer handelt es sich nicht um einen vorübergehenden Fachkräftemangel, sondern um einen langfristigen demografischen Umbau, der die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nachhaltig beeinflusst. Es sei kaum möglich, das aktuelle Niveau von Beschäftigung und Wertschöpfung ohne internationale Arbeitskräfte zu halten. Besonders evident wird dies in den sogenannten Engpassberufen, in denen die Besetzung offener Stellen aufgrund fehlender qualifizierter Fachkräfte erheblich erschwert ist.
- —Pflege und Gesundheit
- —Bau und Handwerk
- —Kraftfahrzeugtechnik und IT
- —Erziehung und Gastronomie
In diesen Bereichen hat sich der Anteil ausländischer Beschäftigter seit 2014 von etwa sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt. Fischer konstatiert, Erwerbsmigration entwickele sich von einer Option zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Deutschland steht damit im globalen Wettbewerb um Talente, da auch andere Länder zunehmend demografischen Alterungsprozessen unterliegen und qualifizierte Fachkräfte benötigen.
Relevanz für Immobilieninvestitionen
Die erfolgreiche Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte ist dabei von entscheidender Bedeutung. Hierfür essenzielle Faktoren umfassen die Anerkennung von Qualifikationen, den Erwerb von Sprachkompetenzen sowie den Zugang zum Arbeitsmarkt und Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung. Die Entwicklung wird nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Investoren in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen.
Wenn Arbeitskräfte in vielen Sektoren zum knappsten Produktionsfaktor werden, steigt Fischer zufolge der Wert von Unternehmen, die in der Lage sind, Talente zu akquirieren, zu binden und produktiv einzusetzen. Branchen, die zur Abfederung des demografischen Drucks beitragen – beispielsweise durch Bildung und Qualifizierung, Digitalisierung, Automatisierung oder produktivitätssteigernde Technologien – profitieren von dieser Entwicklung. Für Anleger bedeuten diese langfristigen strukturellen Veränderungen einen Bedarf, sich auf demografische Aspekte als zentrale Investmentthemen einzustellen, um frühzeitig Chancen zu identifizieren und Portfolios entsprechend auszurichten.




