Der Markt für Seniorenwohnen in Deutschland wird zunehmend als bedeutendes Investmentprodukt für institutionelle Anleger bewertet. Hintergrund dieser Entwicklung ist der prognostizierte Anstieg des Bedarfs in den kommenden Jahren. Bis zum Jahr 2035 wird ein Wachstum der Altersgruppe der 67- bis 79-Jährigen um 26 Prozent erwartet. Die Kohorte der über 80-Jährigen soll sich bis 2050 sogar um 55 Prozent erhöhen. Parallel dazu hat sich die Anzahl der Personen mit einem Pflegegrad von 2,6 Millionen auf annähernd sechs Millionen erhöht, was den Bedarf an entsprechenden Wohnformen zusätzlich unterstreicht.
Trotz des offensichtlichen Bedarfs war das Marktvolumen für Produkte außerhalb vollstationärer Pflegeheime im Jahr 2025 laut Savills auf etwa 100 Millionen Euro begrenzt. Diese Zahl ist unter anderem auf die geografische Verteilung der Transaktionen zurückzuführen: Ein Großteil der Käufe erfolgte in Kleinstädten und Landgemeinden, in denen die Markttransparenz gering war. Zudem handelte es sich häufig um Objekte mit kleinen Losgrößen, die im Durchschnitt nur knapp 60 Wohneinheiten oder einen Verkaufswert von rund 13,5 Millionen Euro umfassten.
Markttransparenz und Renditepotenziale
Auf dem ProHealth Event „Wohnen im Alter“, welches in Zusammenarbeit mit RICS und DLA Piper in Frankfurt stattfand, plädierten die Teilnehmer daher einstimmig für eine Steigerung der Markttransparenz. Dies wurde als entscheidender Faktor für die Etablierung betreuter Wohnformen im Alter angesehen. Uwe Natter, Geschäftsführer von ProHealth, hob die Attraktivität betreiberfreier Immobilien für institutionelle Investoren hervor. Er führte aus, dass in den von ProHealth verwalteten Objekten Renditen zwischen 6,7 und 7,1 Prozent erzielt werden konnten.
Natter betonte zudem, dass betreutes Wohnen ein Kombiprodukt darstellt, bei dem nicht ausschließlich die Quadratmetermiete maßgeblich ist. Durch die Integration von ambulanten Pflegediensten oder weiteren Serviceleistungen seien Kaltmieten von 22 Euro pro Quadratmeter auch außerhalb der Ballungszentren realistisch. Für eine breitere Marktreife des Produkts sei jedoch eine weitere Präzisierung der Rahmenbedingungen erforderlich. Insbesondere Banken benötigten im Hinblick auf Finanzierungen mehr Daten zu erzielbaren Mieten und den im Objekt angebotenen Dienstleistungen, um die Risikobewertung zu optimieren und somit Finanzierungen sicherzustellen.
Expertendiskussion und weitere Veranstaltungen
Zu den Diskutanten des ProHealth Events gehörten Fachexperten aus dem Gesundheits- und Immobilienbereich. Ihre Beiträge beleuchteten verschiedene Aspekte des Wachstumsmarktes Seniorenwohnen. Die ProHealth Eventreihe wird fortgesetzt, mit Terminen am 23. September in Berlin sowie am 6. Oktober im Rahmen der Expo Real in München, um die weitere Entwicklung und Diskussion in diesem Segment zu fördern.
- —Max Eiting, Head of HealthCare bei Savills Deutschland
- —Martin Engel, Geschäftsführer der aedifica Asset Management
- —Berthold Becker, Gründer von Orizn Investment
- —Ralf Licht, CDO von Carestone
- —Tobias Werner von der Pfandbriefbank
- —Kristian Zuparic, Leiter Asset Management bei Real Blue




