Im Rahmen des Heuer Immobilien Dialog Hamburg präsentierte Oliver Ohm, Regionalleiter Nord bei der BBE Handelsberatung, die Ergebnisse der Analyse „Eine Markthalle für Hamburg“. Diese neue Publikation der BBE Handelsberatung ordnet die historische Entwicklung der Marktversorgung in Hamburg ein, vergleicht sechs mögliche Standorte und definiert die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung eines solchen Konzepts.
Die Fragestellung einer Markthalle für Hamburg ist seit längerem Gegenstand von Diskussionen. Die aktuelle Analyse liefert eine fundierte Antwort: Hamburg besitzt grundsätzlich das Potenzial für eine Markthalle, sofern Konzept, Standort und die Expertise des Betreibers präzise aufeinander abgestimmt sind. Oliver Ohm führte hierzu aus, dass Hamburg historisch keine klassische Markthallenstadt sei; die Versorgung habe sich über offene Märkte, die Hafenlogistik und Großmarktstrukturen entwickelt. Diese spezielle Ausgangslage biete die Möglichkeit, eine Markthalle als urbane Neuinterpretation zu gestalten, die Frischehandel, Gastronomie, Regionalität und Quartiersentwicklung integriere.
Zentrale Ergebnisse und Standortbetrachtung
Die durchgeführte Standortanalyse identifizierte differenzierte Potenziale bei den exemplarisch untersuchten Lagen. Standorte wie Karstadt Osterstraße und Kampnagel Jarrestraße weisen demnach das höchste fußläufige Einwohnerpotenzial auf. Der Bahnhof Altona bietet aufgrund seiner zentralen Lage und exzellenten ÖPNV-Anbindung ein hohes Frequenzpotenzial für ein transitnahes Format. Der Fleischgroßmarkt Sternschanze punktet mit seinem historischen Bezug und einem vorhandenen Parkplatzangebot, zeigt jedoch die geringste fußläufige Einwohnerdichte. Für spezialisierte oder stadtteilbezogene Nischenformate könnten die Areale Gruner & Jahr sowie Bergedorf geeignet sein.
Timm Jehne, Head of Real Estate Consulting bei der BBE Handelsberatung, betonte die Relevanz eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren für den Erfolg. Referenzprojekte wie die Markthal Rotterdam, die Torvehallerne in Kopenhagen und die Hobenköök im Hamburger Oberhafen demonstrieren die Bandbreite des Formats, machen jedoch auch deutlich, dass architektonische Gestaltung allein nicht ausreicht. Entscheidend seien eine verlässliche Alltagsfrequenz, ein klar definierter und kuratierter Nutzungsmix, eine angemessene Flächen- und Kostenstruktur sowie ein professionelles Betreibermodell. Eine Markthalle könne insbesondere dann wirtschaftlich tragfähig sein, wenn Frische, Gastronomie, regionale Produkte, Spezialitäten und Aufenthaltsqualität zu einem eigenständigen Erlebnis verbunden werden.
Hamburg verfügt bereits über erfolgreiche Vorbilder der Marktkultur, darunter die Hobenköök im Oberhafen, die Rindermarkthalle St. Pauli, der Isemarkt und der Fischmarkt, welche die Nachfrage und Akzeptanz solcher Formate belegen. Die Handelskammer Hamburg positioniert die Umsetzung eines Markthallenkonzepts zudem als Handlungsziel zur Stärkung der Innenstadt und zur Förderung gemischter Nutzungskonzepte. Als nächste Schritte empfiehlt die Publikation eine vertiefte Machbarkeits- und Standortanalyse, die eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, eine Wettbewerbsanalyse und eine konkrete Konzeptentwicklung umfassen sollte. Hierbei wären die tatsächlichen Einzugsgebiete, Besucher- und Umsatzpotenziale, die Anforderungen der jeweiligen Immobilie sowie potenzielle Betreiber- und Finanzierungsmodelle detailliert zu prüfen. Das Whitepaper dient Politik, Verwaltung, Immobilienwirtschaft, Projektentwicklern und potenziellen Betreibern als erste fachliche Orientierung.














