Marktanalyse··4 min

Europäische Bürovermietungsmärkte: Nachfrage und Spitzenmieten im Kontext geopolitischer Unsicherheiten

Die europäischen Bürovermietungsmärkte zeigten im ersten Quartal 2026 eine differenzierte Entwicklung, geprägt von steigenden Spitzenmieten in bestimmten Segmenten und einem moderaten Rückgang des Flächenumsatzes, während geopolitische Unsicherheiten weiterhin die wirtschaftlichen Aussichten beeinflussen.

Europäische Bürovermietungsmärkte: Nachfrage und Spitzenmieten im Kontext geopolitischer Unsicherheiten

Das erste Quartal des Jahres 2026 war in Europa anfänglich von gedämpfter Inflation, stabilen oder sinkenden Zinssätzen und klareren staatlichen Haushalten geprägt. Diese optimistischen Aussichten wurden jedoch durch die Eskalation der Konflikte im Nahen Osten erheblich getrübt. Die Dauer dieser Konflikte und damit verbundene Unterbrechungen von Lieferketten, wie die potenzielle Schließung der Straße von Hormus, sind maßgeblich für die prognostizierbaren wirtschaftlichen und inflatorischen Auswirkungen in Europa. Eine zeitnahe Beendigung des Konflikts könnte den Schaden begrenzen und auf vorübergehende Effekte reduzieren.

Aktuelle Daten weisen auf ein moderates Wirtschaftswachstum hin; die Eurozone verzeichnete im vierten Quartal 2025 ein Wachstum von 0,3 Prozent. Für das erste Quartal 2026 wurde ein ähnlich verhaltenes Wachstum erwartet, obwohl der Konflikt im März zu einem Rückgang führte. Wirtschaftsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex zeigten im März in der Eurozone und im Vereinigten Königreich eine Abschwächung. Hela Hinrichs, Senior Director EMEA Research & Strategy bei JLL, ordnet ein, dass die Zentralbanken angesichts der Unsicherheit ihre Geldpolitik pausierten, was im Falle einer längeren Konfliktdauer eher Zinserhöhungen als -senkungen wahrscheinlich mache. Während die Inflation zu Jahresbeginn sank, prognostizieren nun alle Einschätzungen einen Anstieg. Die entscheidende Variable für die europäische Perspektive bleibt die Dauer und die Konsequenzen des anhaltenden Konflikts.

Entwicklungen auf den Bürovermietungsmärkten

Die europäischen Bürospitzenmieten verzeichneten im ersten Quartal 2026 weiterhin einen Anstieg, mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent im Jahresvergleich und 0,7 Prozent im Quartalsvergleich. Dieses Wachstum übertraf den Zehn-Jahres-Durchschnitt und wird primär durch die Fokussierung auf Qualität angetrieben. Unternehmen suchen zunehmend moderne, nachhaltige und zentral gelegene Büroflächen, um den aktuellen Anforderungen von Unternehmen und Mitarbeitern gerecht zu werden. Frau Hinrichs hebt hervor, dass die Nachfrage auf einen strukturellen Mangel an geeigneten Neubauten und hochwertig sanierten Flächen trifft, was den Wettbewerb intensiviert und die Spitzenmieten in die Höhe treibt.

Die Folge ist eine zunehmende Polarisierung auf den europäischen Büromärkten, bei der sich die Mietpreisdifferenzen zwischen erstklassigen und sekundären Immobilienarealen vergrößert haben. Bemerkenswerte Erhöhungen der Spitzenmieten im Jahresvergleich waren in Rotterdam (16,1 Prozent), Hamburg (13,9 Prozent) und London (12,5 Prozent) zu beobachten. Edinburgh und Dublin verzeichneten starke Quartalszuwächse von jeweils 4,2 Prozent. Paris bildete eine Ausnahme als einziger Indexmarkt mit einem Rückgang im Quartalsvergleich, was auf eine erreichte Erschwinglichkeitsgrenze der Mieten hindeutet.

Flächenumsatz und Leerstandsquoten

Der europäische Büroflächenumsatz erreichte im ersten Quartal 2026 ein Volumen von 1,85 Millionen Quadratmetern, was einem Rückgang von 14 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Dieser Rückgang ist primär auf eine schwächere Aktivität in Schlüsselmärkten wie Paris, Frankfurt, Amsterdam und Südeuropa zurückzuführen. Neun Märkte zeigten eine gestiegene Nachfrage, darunter Rotterdam und Utrecht mit einem Flächenumsatz von über 10.000 Quadratmetern und prozentual dreistelligen Zuwächsen. Auch Berlin verzeichnete nach einem schwachen Vorjahresergebnis einen Anstieg der Büroflächenvermietungen um 43 Prozent. Demgegenüber standen Rückgänge in 14 Märkten, darunter Frankfurt (minus 62 Prozent) und Brüssel (minus 49 Prozent).

London zeigte sich robust mit einem Umsatz von über 200.000 Quadratmetern, einem Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025. Das Wachstum wurde sowohl in der City als auch im West End durch Professional Services und KI-orientierte Nutzer aus der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche getragen. In Paris sank der Umsatz um 15 Prozent auf 368.000 Quadratmeter, vor allem durch einen Rückgang großer Transaktionen. Zahlreiche kleinere Anmietungen wurden registriert, wobei zentrale Bezirke schlechter abschnitten als günstigere Teilmärkte und Vororte.

Die Leerstandsquote auf Europas Büromarkt stieg Ende des ersten Quartals 2026 auf 9,4 Prozent, ein Anstieg von 40 Basispunkten im Jahresvergleich. Das Angebot an neuwertigen Flächen bleibt jedoch begrenzt, was das Risiko eines weiteren signifikanten Leerstandsanstiegs im Jahr 2026 minimiert. Zwölf Indexmärkte verzeichneten höhere Leerstände, angeführt von Edinburgh (plus 70 Basispunkte auf 7,4 Prozent), Warschau (plus 50 Basispunkte auf 9,5 Prozent) und München (plus 40 Basispunkte auf 8,9 Prozent). Elf Märkte, darunter Utrecht (minus 130 Basispunkte auf 4,1 Prozent), Amsterdam (minus 100 Basispunkte auf 8,8 Prozent) und Madrid (minus 50 Basispunkte auf 8,6 Prozent), verzeichneten hingegen Rückgänge. Der Leerstand in London sank leicht auf 8,8 Prozent aufgrund des Mangels an neuen und sanierten Büroflächen, was Mietwachstum und Vorvermietungsaktivitäten begünstigte. In Paris stieg die Leerstandsquote leicht auf 11,4 Prozent. In Deutschland deuten eine hohe Vorvermietungsquote und eine schrumpfende Entwicklungspipeline trotz leicht gestiegener Leerstände auf eine zukünftige Knappheit hochwertiger Büroflächen hin. Frau Hinrichs merkt an, dass das Volumen der im Bau befindlichen Flächen ein Neunjahrestief erreichte, wobei spekulative Projekte lediglich etwa die Hälfte ausmachen. Ein erheblicher Teil der aktuell in Bau befindlichen Flächen entfällt auf umfassende Renovierungsprojekte, was das Interesse der Investoren an der Aufwertung veralteter Immobilien verdeutlicht.

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