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Wohnungsneubau in Deutschland erreicht historischen Tiefstand

Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen auf einen dramatischen Rückgang im Wohnungsneubau hin, mit lediglich 206.600 fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr, dem niedrigsten Wert seit 13 Jahren.

Wohnungsneubau in Deutschland erreicht historischen Tiefstand

Das Verbändebündnis Wohnungsbau hat die aktuellen Baufertigstellungszahlen für das Jahr 2023, veröffentlicht durch das Statistische Bundesamt, als „dramatisch“ bewertet. Mit einer Fertigstellung von nur 206.600 Wohnungen wurde der niedrigste Wert seit 13 Jahren registriert. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 18 Prozent dar. Das Bündnis konstatiert, dass Deutschland sich in einer tiefgreifenden strukturellen Wohnbaukrise befindet und der gesellschaftlich notwendige Bedarf von 400.000 Wohnungen pro Jahr weiterhin deutlich unterschritten wird.

Die Prognosen des Verbändebündnisses verschärfen diese Einschätzung. Experten aus der Branche erwarten für das laufende Jahr einen weiteren Rückgang auf unter 200.000 neu gebaute Wohnungen. Diese Zahl entspricht nicht einmal der Hälfte der als notwendig erachteten Neubaueinheiten, um dem steigenden Wohnungsbedarf gerecht zu werden.

Hintergrund und Auswirkungen der Krise

Die Entwicklung des Wohnungsneubaus, der sich trotz eines wachsenden Wohnungsmangels negativ entwickelt, wird vom Verbändebündnis als „Hiobsbotschaft“ beschrieben. Betroffen seien sowohl Hunderttausende Wohnungssuchende, die dringend bezahlbaren Wohnraum benötigen, als auch die Bau- und Immobilienwirtschaft, deren Produktionskapazitäten reduziert werden. Zudem wird die Bundesregierung, die ein „Bauen, bauen, bauen“ als Ziel formuliert hatte, kritisch betrachtet.

Bereits Ende März hatte das Bündnis – bestehend aus der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) sowie koordiniert durch den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) – ein Vier-Punkte-Programm zur Trendwende im Wohnungsbau vorgestellt. Das Bündnis moniert, dass seitdem keine wesentlichen Fortschritte erzielt wurden.

Forderungen zur Krisenbewältigung

Angesichts der aktuellen Situation spricht sich das Verbändebündnis für konkrete Maßnahmen aus, um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren und den Neubau zu beleben. Die Forderungen zielen auf eine Beschleunigung administrativer Prozesse, eine Neuausrichtung von Förderprogrammen und eine Verbesserung der Datenerfassung ab:

  • Die zügige und rechtssichere Implementierung des gesetzlichen Standards „Gebäudetyp E“ muss vorangetrieben werden, idealerweise vor dem Jahresanfang 2027.
  • Ein vereinfachtes Förderkonzept, das sofort greift und nicht erst 2027, soll etabliert werden. Die im Koalitionsvertrag zugesagten Maßnahmen, inklusive einer verlässlichen und zinsattraktiven Verlängerung der EH-55-Förderung, müssen zeitnah umgesetzt werden. Zudem soll die steuerliche Sonderabschreibung nach §7b EstG auf das EH 55 EE ausgerichtet werden, um den Mietwohnungsbau zu fördern.
  • Wohnungsbauprojekte sollen nach dem „Fast Lane“-Prinzip einen Vorrang in der Abwägung erhalten, um Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse zu beschleunigen. Hierzu sollen im Rahmen der Bau-BG-Novelle die notwendigen Grundlagen geschaffen werden.
  • Die Einführung einer Baubeginn-Statistik nach einheitlichen Kriterien wird gefordert, um die Effektivität von Maßnahmen besser bewerten zu können und die Datenerhebung zu vereinheitlichen.

Das Bündnis appelliert an die Politik und betont, dass die niedrigen Fertigstellungszahlen nicht schicksalhaft sind, sondern das Resultat unzureichender Rahmenbedingungen. Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und komplexe Förderprogramme bei gleichzeitig verschärften Anforderungen hätten den Wohnungsneubau und die Modernisierung gehemmt. Es bestehe kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Bezahlbarer Wohnraum sei eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kohäsion. Gleichzeitig sei ein starker Wohnungsbau ein wesentlicher Konjunkturmotor, der Arbeitsplätze in verschiedenen Sektoren sichert und die Wirtschaft über die Bauwirtschaft hinaus stärkt. Die aktuellen Zahlen werden daher als klares Signal für entschlossenes, gemeinsames Handeln auf allen Ebenen interpretiert.

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