Europa behauptet weiterhin seine Position als die global attraktivste Region für den Einzelhandel. Dies geht aus dem jüngsten Global Retail Attractiveness Index (GRAI) hervor, der kollaborativ von Union Investment und NIQ-GfK erstellt wird. Obwohl der EU-15-Einzelhandelsindex im ersten Quartal 2026 eine leichte Abschwächung nach der vorherigen Dynamik des Jahres 2025 verzeichnete, erreicht die Region einen Wert von 115 Punkten. Dieser Wert sichert einen deutlichen Vorsprung vor Nordamerika, welches 99 Punkte erreicht, und dem asiatisch-pazifischen Raum mit 97 Punkten.
Die Entwicklung des Verbrauchervertrauens und des Vertrauens der Einzelhändler zeigt in den vergangenen beiden Quartalen eine moderate Abschwächung. Ursächlich hierfür sind höhere Energiepreise, anhaltende geopolitische Spannungen und generelle wirtschaftliche Instabilität. Trotz dieser Faktoren bleibt die tatsächliche Aktivität im Einzelhandelssektor stabil. Innerhalb der EU-15-Region wird die Situation des Einzelhandels als positiv bewertet, was die allgemeinen Marktaussichten unterstützt.
Markt stabilisiert sich trotz externer Schocks
Roman Müller, Head of Investment Management Retail bei Union Investment, stellte fest, dass der europäische Einzelhandelsmarkt eher Zeichen einer Stabilisierung als eines Rückgangs aufweise. Er betonte, dass die Kombination aus moderatem Vertrauen und einem intakten Einzelhandel einen aktiven und anpassungsfähigen Markt indiziert, der in der Lage ist, externe Schocks zu kompensieren. Diese Stabilität wird im aktuell volatilen geopolitischen und wirtschaftlichen Kontext als Europas wesentlicher Wettbewerbsvorteil identifiziert.
Laura Roll, Senior Investment Manager Retail bei Union Investment, erläuterte, dass Europa sich nicht durch kurzfristiges, explosives Wachstum, sondern durch Ausgewogenheit und Resilienz auszeichne. Sie hob hervor, dass der Einzelhandel gesund bleibe, der Konsum auf einem konstanten Niveau verharre und viele Einzelhändler ihr Vertrauen bewahren können, auch unter herausfordernden makroökonomischen Bedingungen.
Regionale Divergenzen im Verbraucher- und Einzelhandelsvertrauen
Im aktuellen GRAI, welcher Verbraucher- und Einzelhandelsvertrauen, Arbeitslosenquote sowie Einzelhandelsumsätze aggregiert, zeigen sich regionale Besonderheiten. Tschechien beispielsweise verzeichnete einen der stärksten Anstiege im Verbrauchervertrauen in Europa mit einem Plus von 16,2 Punkten, während gleichzeitig das Vertrauen im Einzelhandel substanziell um 24,5 Punkte sank. Diese Diskrepanz deutet auf einen Markt hin, in dem Haushalte zunehmend optimistisch sind, Einzelhändler jedoch hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung vorsichtig bleiben. Trotz der geringeren Einzelhandelsstimmung bleibt Tschechien mit 126 Punkten im ersten Quartal 2026 einer der leistungsfähigsten Märkte und belegt den zweiten Platz im Index, hinter Polen mit 136 Punkten. Portugal folgt mit 123 Punkten auf Platz drei.
Frankreich illustriert die heterogenen Entwicklungen innerhalb der europäischen Einzelhandelsszene. Das Verbrauchervertrauen in Frankreich ist schwach, die Arbeitsmarktindikatoren verschlechtern sich, und der Gesamt-Einzelhandelsindex reduzierte sich um zwei auf 109 Punkte. Dennoch bleibt der Einzelhandel dort weiterhin positiv. Dies korrespondiert mit dem allgemeinen europäischen Muster einer widerstandsfähigen Konsumaktivität, ungeachtet einer gedämpften Stimmung.




