Der Immobilienmarkt an der deutschen Nordseeküste präsentiert sich im ersten Quartal 2026 heterogen. Eine von VON POLL IMMOBILIEN durchgeführte Untersuchung der Kaufpreise für Einfamilienhäuser in den Landkreisen, kreisfreien Städten sowie auf den Halbinseln und Inseln hat ergeben, dass regionale Unterschiede in der Preisentwicklung mittlerweile evident sind. Während in verschiedenen Festlandregionen eine Stabilisierung oder gar positive Entwicklung zu beobachten ist, zeigen die Inselmärkte und einzelne Landkreise eine abweichende Preisdynamik im Vergleich zum ersten Quartal 2025.
Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei VON POLL IMMOBILIEN, konstatiert eine klare Differenzierung. Er hebt hervor, dass sich die Preise im Festland teilweise wieder beleben, während hochpreisige Inselmärkte einem Anpassungsdruck unterliegen. Die beobachteten Preisrückgänge auf mehreren Nord- und Ostfriesischen Inseln seien Ausdruck einer Marktphase, in der Angebot und Nachfrage wieder stärker konvergieren und sich Preisniveaus neu ausrichten, auch vor dem Hintergrund veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen seit Ende 2022. Die Nachfrage bleibe zwar solide, sei jedoch selektiver als in den Vorjahren. Käufer fokussieren sich verstärkt auf Faktoren wie Lage, Energieeffizienz und nachhaltige Vermietbarkeit. Dies führe in gut angebundenen Festlandlagen bereits zu moderaten Preissteigerungen, während der Markt insgesamt zu einem stabileren, moderaten Niveau tendiere.
Preisentwicklung auf den Nordseeinseln
Die Inseln an der Nordseeküste repräsentieren weiterhin die preisintensivsten Segmente des Immobilienmarktes. Die Nordfriesischen Inseln, einschließlich Sylt, Amrum und Föhr, weisen mit durchschnittlich 9.922 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche die höchsten Preise auf. Hierbei nimmt Sylt eine herausragende Stellung ein, mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von rund 12.557 Euro. Auffällig ist jedoch, dass die durchschnittlichen Hauspreise auf den Nordfriesischen Inseln im ersten Halbjahr 2026 um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr sanken. Auf Sylt betrug der Rückgang 1,5 Prozent.
Die Ostfriesischen Inseln, zu denen Juist, Langeoog und Norderney zählen, folgen mit durchschnittlich 8.294 Euro pro Quadratmeter. Auch hier war ein Preisrückgang im Vergleich zum ersten Quartal 2025 zu verzeichnen. Mit einem durchschnittlichen Minus von 5,1 Prozent verzeichneten die Ostfriesischen Inseln den stärksten Preisrückgang in der Analyse. Dieses Phänomen ist Ausdruck einer Marktkorrektur nach einer Periode signifikanten Wachstums.
Situation im Festlandbereich
Deutlich niedrigere Quadratmeterpreise finden sich im Festlandbereich der Nordseeküste. Im ersten Quartal 2026 bewegten sich die Preise hier zwischen 2.000 und 2.500 Euro pro Quadratmeter. Konkret lagen die Werte bei 2.481 Euro/m² im Landkreis Nordfriesland (Festland), 2.157 Euro/m² im Landkreis Dithmarschen, 2.097 Euro/m² im Landkreis Wittmund (Festland), 2.093 Euro/m² im Landkreis Aurich (Festland) und 2.029 Euro/m² im Landkreis Friesland (Festland).
Thorsten Lemcke, Geschäftsstellenleiter bei VON POLL IMMOBILIEN Heide und Husum, berichtet von einem erweiterten Angebot und einer verhaltenen Nachfrage in seiner Region, insbesondere um Heide und Sankt Peter-Ording. Als Gründe hierfür nennt er gestiegene Energiekosten, die Inflation sowie eine erhöhte Verunsicherung aufgrund wirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingungen. Trotzdem sei die Region attraktiv, besonders für Käufer aus süddeutschen Bundesländern und der Schweiz. Die unterschiedliche Preisentwicklung zwischen Inseln und Festland werde maßgeblich durch strukturelle Faktoren beeinflusst. In regulierten Ferienimmobilienmärkten wie Sankt Peter-Ording hätten ein gestiegenes Angebot und strengere Auflagen zu spürbaren Preisabschlägen geführt. Für die kommenden Jahre erwartet Lemcke eine anhaltende Seitwärtsbewegung, wobei ältere, energetisch nicht modernisierte Immobilien weiterhin unter Druck bleiben könnten.
Die Preisentwicklung innerhalb der einzelnen Festlandstandorte zeigt ebenfalls unterschiedliche Tendenzen. Während die Durchschnittspreise für Häuser in den Landkreisen Nordfriesland und Wittmund um 3,2 Prozent beziehungsweise 3,5 Prozent sanken, verzeichneten andere Landkreise Preissteigerungen. Im Landkreis Aurich stiegen die Hauspreise um 2,7 Prozent, im Landkreis Dithmarschen um 3,7 Prozent und im Landkreis Friesland sogar um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.




