enercity, ein Energieunternehmen, und Kraken, ein Technologieanbieter, haben eine Kooperation zur Entwicklung eines virtuellen Kraftwerks bekannt gegeben. Ziel dieser Zusammenarbeit ist die digitale Vernetzung dezentraler Erzeugungsanlagen, Batteriespeicher und steuerbarer Verbrauchseinrichtungen. Dies soll eine ganzheitliche Optimierung ermöglichen und die Teilnahme an den Energiemärkten flexibler und wirtschaftlicher gestalten.
Im Rahmen dieser Partnerschaft bringt enercity ein Portfolio aus Strom- und Wärmeerzeugung ein. Kraken steuert die technologische Infrastruktur sowie Expertise in der Aggregation dezentraler Assets bei und ermöglicht den direkten Marktzugang innerhalb Europas. Diese strategische Ausrichtung soll die Position von Kraken als Anbieter digitaler Infrastrukturen für die Energiewende festigen.
Anforderungen an die moderne Energielandschaft
Der fortlaufende Ausbau erneuerbarer Energien im Strom- und Wärmesektor führt zu einer Zunahme dezentraler Erzeugungsanlagen. Dies erhöht die Komplexität der Vermarktungsoptionen, die derzeit in Deutschland noch als begrenzt gelten. Ursachen hierfür werden in kleinteiligen IT-Landschaften und fehlenden digitalen Prozessen bei verschiedenen Marktakteuren gesehen, wodurch insbesondere kleinere Erzeugungsanlagen von der Flexibilitätsvermarktung und kurzfristigen Marktchancen ausgeschlossen sind.
Jean Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei enercity, äußerte, dass eine dynamische Energielandschaft effiziente Steuerungsinstrumente erfordert. Er betonte, dass digitale Prozesse, Echtzeitdaten, automatisierte Prognosen und intelligente Algorithmen zur Beherrschung dieser Komplexität unerlässlich seien. Nach seiner Auffassung erfordert eine erfolgreiche Gestaltung des Energiemarktes die Kombination digitaler Kompetenz mit energiewirtschaftlichem Know-how, wodurch virtuelle Kraftwerke zu einem zentralen Element der Transformation hin zu einem resilienten und effizienten Energiesystem werden.
Integriertes System für Effizienz und Resilienz
Ein dezentrales Energiesystem muss vergleichbar sicher und effizient wie ein Großkraftwerk funktionieren. In diesem Zusammenhang fungiert das virtuelle Kraftwerk als zentrales Element der Energiewende, indem es Kapazitäten verschiedener Anlagen bündelt, um eine wirksame Teilnahme am Strommarkt zu ermöglichen. Ein zentrales Merkmal der Lösung ist ein ganzheitlicher Optimierungsansatz.
Charlotte Johnson, General Manager of Flexibility bei Kraken, erklärte, dass die Hauptaufgabe angesichts des europaweiten Ausbaus erneuerbarer Energien nicht in der Kapazität, sondern in der Koordination liegt. Durch die Vernetzung dezentraler Anlagen zu einem intelligenten System trage Kraken zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und unterstütze die Nutzung von kostengünstiger, reichlich vorhandener erneuerbarer Energie. Sie gab an, dass gemeinsam mit enercity ein intelligenteres und flexibleres Energiebetriebssystem für Deutschland aufgebaut werde.
Cornefert ergänzte, ein modernes virtuelles Kraftwerk integriere Strom und Wärme nahtlos. Es treffe in Echtzeit Entscheidungen über die Direktvermarktung von Strom, die Zwischenspeicherung in Batterien oder die Umwandlung in thermische Energie mittels Power-to-Heat. Er hob hervor, dass dies die Herausforderung der Volatilität löse, indem Energie bedarfsgerecht nutzbar gemacht werde, und bezeichnete das virtuelle Kraftwerk als Herzstück der Sektorenkopplung.
Das virtuelle Kraftwerk soll künftig die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, von der automatisierten Anlagenanbindung über die Echtzeit-Optimierung mit begleitendem Monitoring der Profitabilität bis hin zum direkten Zugang zu Energiegroßhandelsmärkten. Dies bildet die Grundlage für skalierbare Geschäftsmodelle.
- —Direktvermarktung erneuerbarer Energien
- —Optimierung und Flexibilitätsvermarktung von Batteriespeichern
- —Teilnahme an Regelenergiemärkten
- —Intelligente Integration von Strom- und Wärmeerzeugung, beispielsweise in der KWK-Optimierung für Fernwärme
Johnson bekräftigte, dass die Energiewende skalierbare digitale Lösungen erfordere, die Komplexität handhabbar machten. Sie betonte, dass die Zusammenarbeit mit enercity aufzeige, wie virtuelle Kraftwerke nicht nur technische, sondern auch spürbare Mehrwerte für alle Marktteilnehmenden schaffen.




