Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baufertigstellungszahlen für den Wohnungsbau geben Anlass zur Besorgnis. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Dieser Wert unterschreitet alle Vergleichspunkte seit dem Jahr 2012 und markiert damit einen historischen Tiefstand in der jüngeren deutschen Baugeschichte.
Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) bewertet diese Entwicklung als kritisch für die gesamtwirtschaftliche Lage Deutschlands. Der Präsident des BFW, Dirk Salewski, betonte in einer Stellungnahme die inländische Wertschöpfung des Wohnungsbaus und dessen fundamentale Bedeutung für das Wirtschaftswachstum des Landes. Eine mangelnde Verfügbarkeit von Wohnraum, insbesondere in den urbanen Zentren, wird als substanzieller Standortnachteil identifiziert, der die Ansiedlung von Arbeitskräften und damit das Wachstum behindert.
Kontext und Implikationen des Rückgangs
Der Neubau von Wohnungen im Jahr 2025 erreichte mit 206.600 Einheiten eine Verminderung um 18,0 Prozent beziehungsweise 45.400 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr. Parallel dazu ist die Überbelegungsquote seit fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2025 lebten 11,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in überbelegten Wohnungen. Haushalte mit Kindern sind von dieser Entwicklung überproportional betroffen.
Diese Entwicklung wird flankiert von einer deutlichen Verschlechterung des Geschäftsklimas im Wohnungsbau. Im April sank der entsprechende Index von –19,3 auf –28,4 Punkte, was den stärksten Rückgang seit April 2022 darstellt. Diese negative Stimmung überträgt sich auch auf den Arbeitsmarkt des Baugewerbes, wo im ersten Quartal 2026 ein Rückgang der Beschäftigung um 27.000 Personen, was einem Minus von 1,1 Prozent entspricht, verzeichnet wurde.
BFW-Präsident Salewski merkte an, dass sich die Liste der negativen Indikatoren im siebten Jahr ohne Wachstum fortsetzen ließe. Er bekräftigte, dass ein Übergang von angekündigten Maßnahmen zu tatsächlich umgesetzten Gesetzen notwendig sei, um diesen Trend umzukehren und die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau nachhaltig zu verbessern.




