Das Zinsniveau bleibt ein zentraler Faktor auf dem Immobilien- und Finanzierungsmarkt. Nachdem sich die Zinsen Ende des Vorjahres stabilisiert hatten, führen aktuelle geopolitische Spannungen und Unsicherheiten an den Kapitalmärkten zu erneuter Bewegung bei den Finanzierungsbedingungen. Für das Jahr 2026 wird weiterhin eine volatile Seitwärtsbewegung bis hin zu leicht steigenden Finanzierungskosten prognostiziert.
Eine von VON POLL IMMOBILIEN durchgeführte Online-Umfrage unter Experten untersuchte, wie sich die geopolitischen Entwicklungen auf die Finanzierungschancen von Immobilienkäufern auswirken und zu welchem Zeitpunkt im Kaufprozess Finanzierungshürden auftreten.
Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf die Finanzierung
Dr. Lucie Lotzkat, geschäftsführende Gesellschafterin bei VON POLL FINANCE, erläuterte, dass Konflikte wie der im Nahen Osten Unsicherheiten an den Kapitalmärkten verursachen, die Inflation, Energiepreise und Zinsen beeinflussen und damit die Immobilienfinanzierung und deren Rahmenbedingungen direkt betreffen. Finanzierungsanträge werden demnach intensiver geprüft, was eine sorgfältigere Vorbereitung erfordert. Eine realistische Einschätzung der persönlichen finanziellen Lage und frühzeitige Beratung werden als entscheidend hervorgehoben, um auch in anspruchsvollen Marktphasen passende Finanzierungslösungen zu finden.
Die befragten Immobilienmakler äußerten sich zu den Finanzierungsbedingungen seit den jüngsten Konflikten, insbesondere dem USA-Iran-Konflikt. 49,8 Prozent der Befragten berichten von einer „etwas schwierigeren“ und 31,3 Prozent von einer „deutlich schwierigeren“ Finanzierbarkeit. Lediglich 18,5 Prozent registrieren keine wesentlichen Veränderungen, während 0,5 Prozent sogar eine Verbesserung sehen. Diese Ergebnisse zeigen ein anspruchsvolles, regional und objektabhängig jedoch differenziertes Finanzierungsumfeld.
Frau Dr. Lotzkat bestätigt diese Beobachtung und weist darauf hin, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiver geworden ist. Bonität, Sicherheiten und Objektbewertung werden intensiver geprüft, was zu einer Verlängerung des Vermittlungsprozesses und der Vermarktungszeiten führen kann. Sie betont, dass diese strengeren Rahmenbedingungen nicht ausschließlich auf aktuelle geopolitische Konflikte zurückzuführen sind, sondern bereits seit dem vergangenen Jahr, bedingt durch Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten, zu beobachten waren. Gleichwohl zeigen die Studienergebnisse, dass Finanzierungen bei guter Vorbereitung und professioneller Beratung weiterhin realisierbar sind.
Erfolgsquoten und Hürden im Finanzierungsprozess
Bei den Erfolgsquoten von Finanzierungen zeigt sich ein differenziertes Bild: 38,4 Prozent der Makler sehen keine Veränderungen, während 6,2 Prozent sogar steigende Quoten registrieren. Demgegenüber berichten 41,2 Prozent von einem leichten und 14,2 Prozent von einem deutlichen Rückgang der Erfolgsquoten. Dies deutet auf eine weiterhin regional, objekt- und käuferprofilabhängige Entwicklung der Finanzierungssituation hin.
Dr. Lotzkat führt aus, dass die strengeren Rahmenbedingungen die Erfolgsquote beeinflussen können. Faktoren wie die Haushaltsrechnung, Eigenkapital, berufliche Situation und Sicherheiten stehen im Zentrum der Bewertung. Unzureichend erfüllte Voraussetzungen können die Tragfähigkeit monatlicher Raten oder die allgemeine Bankeinschätzung beeinträchtigen. Eine erfolgreiche Finanzierung hängt von individuellen, auch regional variierenden Faktoren ab, was eine fundierte und frühzeitige Beratung durch Experten unerlässlich macht.
Bezüglich des Zeitpunkts, zu dem Finanzierungshürden sichtbar werden, geben 23,2 Prozent der befragten Makler an, dass Finanzierungsprüfungen selten problematisch sind. Fast die Hälfte (47,4 Prozent) der Experten beobachtet jedoch, dass ein nicht ausreichender finanzieller Spielraum oft erst dann offenbar wird, wenn die Kaufentscheidung konkreter wird und alle Objekt-, Finanzierungs- und Nebenkosten detailliert geprüft werden. Weitere 17,1 Prozent rapportieren, dass bereits bei der Budgetprüfung vor der ersten Besichtigung, etwa durch hohe Eigenkapitalanforderungen, unzureichende finanzielle Spielräume festgestellt werden. 12,3 Prozent der Befragten sehen Finanzierungshürden erst kurz vor Abschluss der Transaktion, beispielsweise bei geänderten Finanzierungsbedingungen oder strengeren Anforderungen der Kreditinstitute.




