Projektentwicklung··3 min

DGNB führt Zertifizierung für Bestandsquartiere ein

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein neues Zertifizierungssystem für bestehende Quartiere publiziert, das als Planungs- und Optimierungstool dient, um den Ist-Zustand zu bewerten und Maßnahmenstrategien zu entwickeln.

DGNB führt Zertifizierung für Bestandsquartiere ein

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat einen Kriterienkatalog zur Zertifizierung von Bestandsquartieren veröffentlicht. Dieses neue System ist im Vergleich zu den bestehenden DGNB-Zertifizierungen für neu entwickelte Quartiere deutlich kompakter konzipiert. Es dient als Planungs- und Optimierungstool für Bestandshalter, Kommunen, Sanierungsträger und Wirtschaftsförderer. Die Funktion des Katalogs ist es, eine Bewertung des aktuellen Quartierzustands zu ermöglichen und eine geeignete Maßnahmenstrategie für eine zukunftsorientierte Transformation zu entwickeln. Die Anwendbarkeit erstreckt sich auch auf Baugenossenschaften und Quartiere mit diversen Eigentümerstrukturen.

Quartiere sind für die Zielsetzung der DGNB im Hinblick auf Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele im Baubereich von Bedeutung. Bereits seit 2011 existiert hierfür eine spezielle Variante des Zertifizierungssystems, das zuletzt im Jahr 2020 überarbeitet wurde. Dieses bestehende System, welches auf Stadtquartiere, Businessquartiere, Event-Areale, Gewerbegebiete und Industriestandorte anwendbar ist, fokussiert sich primär auf die Neuentwicklung von Quartieren. Eine maßgeschneiderte Lösung für die zielgerichtete Transformation bestehender Quartiere fehlte bisher. Die neue DGNB-Variante adressiert diese Lücke, indem sie eine systematische Verbesserung von Bestandsquartieren und Sanierungsgebieten ermöglicht.

Grundlagen und Bewertungsprinzipien

Das neue System basiert auf dem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz der DGNB, der Klima- und Umweltschutz gleichwertig mit der Förderung des sozialen Zusammenhalts und langfristiger Wirtschaftlichkeit im Rahmen der finanziellen Gegebenheiten betrachtet. Die Bewertungsgrundlage bildet eine Analyse des Ist-Zustands des jeweiligen Quartiers, worauf eine darauf aufbauende Maßnahmenstrategie entwickelt wird. Während bei der Neubaunzertifizierung die Effizienzorientierung im Vordergrund steht, fokussiert sich das neue DGNB-System für Bestandsquartiere auf Erhalt, Weiternutzung und die Bindung von grauer Energie. Der Beitrag einzelner Maßnahmen zur Transformationsleistung wird stärker berücksichtigt, um schrittweises Handeln zu motivieren und Teilerfolge zu honorieren. Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB, äußerte, das Ziel sei die Transformation in der Breite und nicht ausschließlich die Auszeichnung von Leuchtturmprojekten, weshalb die Einstiegsanforderungen im Vergleich zu Neubaunzertifizierungen bewusst gesenkt wurden.

Der Kriterienkatalog, der das Ergebnis eines fast zweijährigen Beteiligungsprozesses mit Workshops ist, wurde an sieben Pilotprojekten auf seine Praxistauglichkeit geprüft. Dabei zeigten sich Herausforderungen wie heterogene Eigentumsstrukturen, Datenlücken und die Diversität der Bausubstanz, die eine standardisierte Anforderungsformulierung erschwerten. Die neue Zertifizierung ist im Vergleich zum bestehenden Quartierssystem kompakter und umfasst 15 Kriterien, weniger als die Hälfte der bisherigen Anzahl. Das Kriterium „Klima und Energie“ ist am stärksten gewichtet und zielt darauf ab, Quartiere mittels eines Energiekonzeptes und der Definition individueller CO2-Reduktionspfade zur Klimaneutralität zu führen. Die Umsetzung von Niedrigst-CO2-Maßnahmen wird dabei besonders honoriert.

  • Neben dem Klimaschutz ist die Resilienz gegenüber Klimawandelfolgen ein zentraler Aspekt, insbesondere in den ökologischen Kriterien wie Wasser, Biodiversität sowie Fläche und Boden.
  • Ökonomische Kriterien umfassen Klimaanpassung, Umweltrisiken sowie Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
  • Soziale Aspekte berücksichtigen Vielfalt, Freiraum, Mobilität und die Integration des Quartiers in dessen Umfeld.
  • Partizipationsprozesse und systematisches Quartiersmanagement werden zur langfristigen Ausschöpfung von Nachhaltigkeitspotenzialen in Betrieb und Nutzung gefördert.

DGNB-Vorstand Lemaitre ermutigt alle Kommunen, Quartiersentwickler, Bestandshalter und Sanierungsträger zur Anwendung des Systems, um ungenutzte Potenziale systematisch zu erschließen. Eine frühe Auseinandersetzung mit den Kriterien und Zielkonflikten im Projektverlauf wird als vorteilhaft dargestellt. Weitere Informationen zum neuen DGNB-System für Bestandsquartiere, inklusive des vollständigen Kriterienkatalogs, sind online abrufbar. Am 16. Juli 2026 wird die DGNB das System im Rahmen einer digitalen Informationsveranstaltung genauer vorstellen, inklusive Praxiserfahrungen aus einem Pilotprojekt. Die Anmeldung hierfür ist kostenlos über die Website der DGNB möglich.

Auf der Suche
nach einem
Immobilienmakler?

Michael Freitag — Gründer FREITAG® Immobilien
Michael Freitag
Gründer der FREITAG® Immobilien GmbH
Über 15 Jahre Erfahrung in Bayern & Umland
— FREITAG Immobilien

Ihr diskreter Partner für institutionelle Transaktionen im DACH-Raum.

Als Premium-Immobilienkanzlei mit Sitz in München begleiten wir Investoren, Family Offices, Bauträger und Bestandshalter bei Ankauf, Verkauf und Bewertung von Wohn-, Zins- und Gewerbeobjekten — vertraulich, marktnah und auf Augenhöhe.

3.600+
Gemeinden im Marktradar
48 h
Erst­einschätzung Ihres Objekts
Off-Market
Diskreter Käuferkreis
DACH
DE · AT · CH
— Vertraulicher Kontakt

Sprechen wir über Ihr Portfolio.

Ankaufsprofile, Off-Market-Opportunitäten, Bewertungen oder Projektentwicklungs-Anfragen — wir antworten persönlich innerhalb von 24 Stunden, NDA selbstverständlich.

Telefon
+49 (0) 89 158 90 140
E-Mail
E-Mail anzeigen
Sitz
München