Der Markt für Non-Performing Loans (NPL) registriert eine erneute und spürbare Belebung. Diese Entwicklung war Kern eines Kreditzweitmarkt-Events, das am 12. Mai 2026 von der LOANCOS-Gruppe und der Debitos GmbH in Frankfurt am Main ausgerichtet wurde. Die Veranstaltung adressierte Banker sowie Fachleute aus dem Bankenumfeld und befasste sich mit den aktuellen Veränderungen dieses Segments.
Eine zentrale Erkenntnis der Zusammenkunft war, dass der NPL-Markt zurückkehrt, jedoch nicht in der Form einer abrupten Welle, wie sie in früheren Krisenperioden zu beobachten war. Stattdessen zeichnet sich ein gradueller Anstieg ab, der sich vornehmlich im gewerblichen Kreditbereich manifestiert. Der Fokus liegt hierbei auf Immobilienfinanzierungen, insbesondere Büroimmobilien, ergänzt durch Engagements in Glasfaserfinanzierungen, Software- und IT-Unternehmen, energieintensive Industrien sowie spezifische Klein- und Kleinstunternehmen.
Strukturwandel und Handlungsdruck bei Banken
Die aktuelle Marktsituation ist nicht mit der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 vergleichbar. Banken verfügen heute über eine erhöhte regulatorische Robustheit, eine stärkere Kapitalausstattung und etablierte Risikomanagement-Strukturen, die eine andere Ausgangslage darstellen. Ungeachtet dieser Stärkung steigt der Handlungsdruck auf die Kreditinstitute. Dies resultiert aus höheren Stage-2-Quoten, Refinanzierungsproblemen, gestiegenen Finanzierungskosten und den regulatorischen Anforderungen, die der NPL-Backstop mit sich bringt. Diese Faktoren drängen eine Vielzahl von Instituten dazu, sich frühzeitig mit gefährdeten Engagements auseinanderzusetzen.
Herr Dr. Clifford Tjiok, Chief Commercial Officer und Mitglied des Management Boards der LOANCOS-Gruppe, führte aus, dass Banken zunehmend die Option prüfen müssen, ob sie Kreditportfolios selbst bilanzieren und bearbeiten möchten oder ob ein vollständiger Verkauf die präferierte Lösung darstellt. Es sei entscheidend, diese Alternativen zeitnah zu evaluieren, um tragfähige Lösungen implementieren zu können. Die LOANCOS-Gruppe unterstützt Kreditgeber und Investoren bei der Bewertung von Portfolios, deren Exit-Vorbereitung und der Umsetzung von Lösungen.
Thomas Spulak, Executive Director der Proceed Portfolio Services GmbH, einem Unternehmen der LOANCOS-Gruppe, betonte, dass gerade im gewerblichen Bereich Herausforderungen sichtbar würden. Viele Finanzierungen, die vor der Zinswende abgeschlossen wurden, stehen vor Refinanzierungen unter erheblich veränderten Bedingungen. Zudem erfahren Distressed Assets Wertverluste nicht ausschließlich durch Marktbewegungen, sondern auch durch verzögerte Entscheidungsprozesse. Eine belastbare Datenbasis und präzise Entscheidungskorridore wurden als wesentliche Wettbewerbsvorteile in diesem Kontext identifiziert.
Für die LOANCOS-Gruppe ist absehbar, dass der Kreditzweitmarkt in den kommenden Monaten an Relevanz gewinnen wird. Kreditinstitute und weitere Kreditgeber sind gefordert, gefährdete Engagements proaktiv zu analysieren, verschiedene Handlungsoptionen zu evaluieren und geeignete Strukturen für Servicing, Workout-Strategien oder Veräußerungen zu etablieren, um den neuen Marktanforderungen gerecht zu werden.




