Die Bundesregierung hat einen Entwurf zum ersten Nationalen Gebäuderenovierungsplan (NBRP) gemäß der EU-Vorgabe aus der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) vorgelegt. Dieser Entwurf stellt einen initialen Schritt zur strategischen Planung der Wärmewende dar, weist jedoch nach Einschätzung der Deutschen Allianz für Serielle Sanierung (DASS) an mehreren zentralen Stellen Defizite auf. Es fehlen im Entwurf der Bundesregierung grundlegende Daten, die für eine fundierte Planung erforderlich wären. Dies betrifft unter anderem aktuelle Sanierungsvolumina sowie konkrete Zusicherungen für eine langfristig stabile Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Des Weiteren wird eine umfassende Strategie zur Beschleunigung der Gebäudesanierung vermisst, insbesondere für Gebäude mit geringer Energieeffizienz. Die serielle Sanierung wird hierbei als eine der wenigen Methoden identifiziert, die eine erforderliche Skalierung zur Erreichung der Klimaziele ermöglicht. Alexander Fuchs, Sprecher der DASS, merkt an, dass der NBRP-Entwurf über eine bloße Bestandsaufnahme der Förderlandschaft hinausgehen muss. Ein relevanter Anteil des deutschen Gebäudebestandes fällt in die schlechtesten Effizienzklassen. Der Entwurf identifiziere dieses Problem, schlage jedoch keine konkreten Lösungsansätze vor. Die serielle Sanierung biete hier eine skalierbare Option, bedürfe aber einer langfristig stabilen BEG-Förderkulisse mit entsprechendem Bonus, was im aktuellen Entwurf nicht behandelt werde.
Defizite bei Zielvorgaben und Worst Performing Buildings
Der NBRP-Entwurf führt aus, dass in Deutschland jährlich etwa 710.000 Renovierungen im Wohngebäudebestand realisiert werden. Davon werden jedoch lediglich 30.000 als umfassende energetische Modernisierungen, sogenannte 'Deep Renovations', eingestuft. Konkrete Zielquoten für die Jahre 2030, 2040 und 2045 sind im vorliegenden Entwurf noch nicht definiert, während der NBRP-Fahrplan bis Ende 2026 finalisiert werden soll. Aus Sicht der DASS bleibt der Plan ohne angestrebte Deep-Renovation-Quote und ohne die Nennung skalierbarer Umsetzungsmethoden unzureichend.
Der Entwurf identifiziert ferner circa 9,5 bis 11,5 Millionen Wohngebäude als 'Worst Performing Buildings', was etwa 43 Prozent des Bestandes entspricht. Diese Gebäude weisen die niedrigste Gesamtenergieeffizienz auf und könnten demnach prioritär von seriellen Fassaden- und Dachsanierungen profitieren. In diesem Bereich konstatiert der Entwurf eine strategische Lücke. Die Herausforderungen wie Fachkräftemangel, hohe Kosten, divergierende Anreize zwischen Mietern und Vermietern sowie eine unzureichende Sanierungstiefe werden zwar präzise beschrieben, die empfohlenen Ansätze wie Stadtteilkonzepte oder Sensibilisierungskampagnen bleiben jedoch weithin unkonkret.
Serielle Sanierung als Lösungsansatz
Die serielle Sanierung bietet laut DASS eine strukturelle Lösung für die benannten Hemmnisse. Sie reduziert den Fachkräftebedarf durch industrielle Vorfertigung und ermöglicht Kostensenkungen durch Skaleneffekte. Zusätzlich minimiert sie die Belastung für Mieter dank kurzer Baustellenzeiten. Alexander Fuchs betont, dass die serielle Sanierung keine Nischenlösung darstellt, sondern eine Antwort auf die Frage, wie Millionen von Gebäuden kurzfristig wirtschaftlich, sozialverträglich und wirkungsvoll saniert werden können. Er hebt hervor, dass ohne eine stabile Förderkulisse notwendige Investitionen ausbleiben und einen effektiven Hochlauf von Tiefensanierungen verhindern werden.




