Der deutsche Tourismussektor verzeichnet eine hohe Nachfrage, gleichzeitig sind Hotels, Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen mit erheblichen Investitionserfordernissen konfrontiert. Notwendige Maßnahmen umfassen Renovierungen, energetische Sanierungen, die Implementierung digitaler Prozesse und die Entwicklung neuer Gästekonzepte. Die hierfür benötigten Kapitalmittel sind nicht für jedes Unternehmen über klassische Kreditfinanzierungen uneingeschränkt zugänglich.
Die digitale Finanzierungsplattform CONDA Capital Market sieht eine wachsende Relevanz für Finanzierungsmodelle, die Bankkredite, Eigenkapital und Förderprogramme komplementieren. Der Bedarf an solchen Ansätzen ergibt sich auch aus der Besonderheit vieler Tourismusunternehmen: Sie verfügen über eine etablierte, loyale und wiederkehrende Kundengemeinschaft. Dirk Littig, Co-Geschäftsführer von CONDA Capital Market, weist darauf hin, dass die Qualität des Tourismussektors von kontinuierlichen Investitionen abhängig ist. Er betont die Notwendigkeit breiterer Finanzierungsmöglichkeiten in dieser wirtschaftlich relevanten Branche, da der traditionelle Bankkredit nicht in jedem Fall die alleinige Lösung darstellt.
Wirtschaftliche Relevanz und Herausforderungen
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus wird durch aktuelle Zahlen untermauert: Im Jahr 2025 registrierten Beherbergungsbetriebe in Deutschland 497,4 Millionen Gästeübernachtungen, was einer Steigerung von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Trotz dieser hohen Nachfrage bleibt die Gesamtsituation angespannt. Hierzu tragen unter anderem deutlich gestiegene Arbeitskosten und eine Zunahme der Insolvenzverfahren im Gastgewerbe um 25,8 Prozent im Jahresvergleich bei. Die anhaltend hohe Nachfrage erfordert, entgegen mancher Annahme, weiterhin Investitionen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Hotels und touristischen Betriebe zu sichern und das Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Fallbeispiele der Community-Finanzierung
Ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung der Community-Finanzierung ist die Hotelgruppe Familux aus Tirol. Das Unternehmen mobilisierte im Jahr 2025 innerhalb von vier Tagen 5 Millionen Euro über die Plattform CONDA, hauptsächlich aus der eigenen Gäste- und Community-Basis. Investoren konnten dabei zwischen einer finanziellen Verzinsung und einem höher verzinsten Sachzins in Form von Urlaubsgutscheinen wählen. Ein Großteil der Anleger entschied sich für die Gutscheine, wodurch die Zinsen wieder im Unternehmen reinvestiert wurden. Zwölf Monate später erfolgte eine weitere Kapitalbeschaffung von 5 Millionen Euro für die bestehenden Resorts über denselben Ansatz.
Dieses Modell ist auch für den deutschen Markt von Belang, da Familux Resorts mit dem Familux Resort Oberjoch im Allgäu und The Grand Green in Thüringen zwei Objekte in Deutschland betreibt. Die Gruppe verzeichnet gruppenweit über 650.000 Übernachtungen pro Jahr und eine Wiederbuchungsrate von rund 65 Prozent. Ein weiteres Beispiel ist die nook society, ein 2023 in München gegründetes Unternehmen, das naturnahe Hospitality-Standorte entwickelt. Die Finanzierung über einen Genussschein ermöglicht die Expansion an weitere Standorte, den Aufbau eines Membership-Konzepts, die Teamerweiterung und die Weiterentwicklung der digitalen Plattform. Dies illustriert, dass Community-Finanzierungen nicht nur für etablierte Hotelgruppen, sondern auch für junge Hospitality-Konzepte geeignet sind, die Wachstum und Gästebindung miteinander verbinden möchten.
CONDA sieht in diesen Erfolgen das Potenzial bekannter Tourismusmarken. Personen, die ein Hotel oder eine Marke kennen und schätzen, können über die Rolle des Gastes hinaus zu Kapitalgebern avancieren. Dirk Littig unterstreicht, dass die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden im Tourismus oft besonders stark ausgeprägt ist. Diese emotionale Bindung kann einen signifikanten Finanzierungsvorteil darstellen, sofern die Umsetzung professionell, transparent und regulatorisch korrekt erfolgt.




