Für Erwerber deutscher Immobilien stellt das benötigte Eigenkapital eine wesentliche Hürde dar, wobei die Nebenkosten, insbesondere die Grunderwerbsteuer, häufig in ihrer Höhe unterschätzt werden. Die Dauer, die Käufer zur Deckung dieser Kosten benötigen, variiert signifikant zwischen den Bundesländern. Grundlage dieser Erkenntnisse ist eine Untersuchung von ImmoScout24, welche die durchschnittlichen Kaufpreise und die Grunderwerbsteuerbelastung in Relation zum durchschnittlichen Einkommen betrachtet hat, basierend auf einer angenommenen 40-prozentigen Einkommensverwendung für die Immobilienfinanzierung.
In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg führen die Kombination aus hohen Immobilienpreisen und hohen Steuersätzen zu einer Grunderwerbsteuerbelastung, für die Käufer im Durchschnitt mehr als zwei Jahreseinkommen aufbringen müssen. Dies hebt sich von der Situation in Bayern ab, wo ein niedriger Steuersatz von 3,5 Prozent dazu führt, dass die Belastung ähnlich gering ausfällt wie im Saarland mit 6,5 Prozent, obgleich die Immobilien im Saarland im Schnitt über 120.000 Euro günstiger sind. Im Gegensatz dazu ist in ostdeutschen Flächenländern die Dauer zur Abdeckung der Grunderwerbsteuer durchweg kürzer, oft nur wenige Monate.
Spezifika beim Wohnungskauf
Beim Erwerb einer Eigentumswohnung fallen in Berlin und Hamburg bundesweit die höchsten Grunderwerbsteuerbeträge an. Obschon die durchschnittlichen Wohnungspreise in Hamburg rund 30.000 Euro über denen in Berlin liegen, ist der Steuersatz in Hamburg mit 5,5 Prozent um 0,5 Prozentpunkte niedriger. Dies führt dazu, dass Käufer in beiden Stadtstaaten für eine 70 Quadratmeter große Wohnung annähernd die gleiche Grunderwerbsteuer von etwas über 23.500 Euro entrichten müssen, deren Begleichung jeweils 15 Monatsgehälter erfordert. Demgegenüber ist die Steuerlast in Sachsen-Anhalt und Thüringen mit etwas mehr als 5.000 Euro am geringsten; hier sind durchschnittlich lediglich vier Monatsgehälter zur Deckung der Grunderwerbsteuer notwendig, bei einem Steuersatz von 5,0 Prozent in beiden Ländern.
Spezifika beim Hauskauf und regionale Unterschiede
Für den Kauf eines Hauses müssen in Berlin und Hamburg Käufer fast zweieinhalb Jahre allein für die Begleichung der Grunderwerbsteuer arbeiten. In Schleswig-Holstein beläuft sich dies auf nahezu zwei Jahre, bedingt durch den Steuersatz von 6,5 Prozent bei gleichzeitig hohen Hauspreisen und Einkommen. Vergleichbare Steuersätze finden sich in Brandenburg und im Saarland; dort sind die Hauspreise jedoch um 60.000 bis 90.000 Euro niedriger, was die Arbeitszeit zur Deckung der Grunderwerbsteuer auf etwa eineinhalb Jahre reduziert.
Bayern nimmt in dieser Betrachtung eine Sonderrolle ein: Die regionalen Hauspreise gehören nach Hamburg und Berlin zu den höchsten in Deutschland. Allerdings liegt der Grunderwerbsteuersatz hier mit 3,5 Prozent besonders niedrig. Dies resultiert in einer vergleichsweise niedrigen Steuerlast von unter 20.000 Euro, die innerhalb von zwölf Monaten getilgt werden kann. Eine ähnlich schnelle Abzahlung ist lediglich in Thüringen und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Die ImmoScout24-Geschäftsführerin Dr. Gesa Crockford konstatiert, dass in Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin neben den hohen Kaufpreisen auch die hohen Nebenkosten eine erhebliche Hürde für den Immobilienerwerb darstellen, welche Menschen mit mittleren Einkommen zu jahrelanger Arbeit allein für die Grunderwerbsteuer zwingen. In Bayern hingegen erleichtert der niedrige Steuersatz den Erwerb von Eigentum für Normalverdiener, trotz der generell hohen Immobilienpreise.




