Das Bürogebäude RESI, konzipiert als Netto-Null-Gebäude, hat auf dem Lagarde-Campus in Bamberg den Bayerischen Energiepreis 2026 in der Kategorie „Gebäude als Energiesystem / Liegenschaftskonzept“ erhalten. Die Auszeichnung wurde der Alpha IC GmbH und der Hölzlein Ingenieure GmbH zuteil. Sie würdigt Projekte, die Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch systemisch miteinander verbinden und somit einen Beitrag zur Energiewende leisten.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger merkte an, dass der Energiepreis für mutige Ideen, technologische Spitzenleistungen und praxistaugliche Lösungen stehe. Der Preis wird zu einem Zeitpunkt verliehen, an dem die Immobilienbranche verstärkt gefordert ist, den Energieverbrauch, die Betriebskosten und die CO2-Emissionen im Gebäudesektor signifikant zu reduzieren. RESI dient hier als Beispiel für ein Bürogebäude, das als integraler Bestandteil eines Energiesystems fungiert und im laufenden Betrieb optimiert wird.
Systemischer Ansatz und innovative Gebäudetechnik
Der dreigeschossige Neubau von RESI wurde von Anfang an mit einem stringenten Systemansatz konzipiert. Architektur, Bauphysik, Nutzerverhalten und Energieversorgung wurden dabei von Beginn an gesamtheitlich betrachtet. Ein wesentliches Merkmal des Gebäudes ist der Verzicht auf eine statische Heizungs- und Kühlinstallation. Stattdessen werden thermische Speichermasse, Verschattungseinrichtungen, Nachtlüftung, eine Indach-Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher sowie eine datengestützte Betriebsoptimierung als miteinander verzahnte Komponenten eingesetzt, um ein abgestimmtes Gesamtsystem zu bilden.
Das primäre Ziel war es, den Energiebedarf bereits durch die integrale Planung und Gebäudekonzeption zu minimieren und die benötigte Energie mit hohem Autarkiegrad bereitzustellen. Sebastian Hölzlein, Bauherr und geschäftsführender Gesellschafter der Alpha IC GmbH, erläuterte, dass das Konzept von RESI darauf abzielt, über das gesamte Jahr bilanziell mehr Energie zu erzeugen, als im Betrieb verbraucht wird. Dies demonstriert das Prinzip eines Gebäudes als aktives Energiesystem, bei dem Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in einem engen Zusammenspiel stehen.
Nachhaltigkeit im Realbetrieb und Vorbildcharakter
Christian Hölzlein, Geschäftsführer der Hölzlein Ingenieure GmbH, die für die technische Gebäudeausrüstung verantwortlich war, betonte, dass der energetische Anspruch des Gebäudes durch umfassende Simulationen in der Planungsphase und deren kontinuierliche Überprüfung während der integralen Planung sichergestellt wurde. Gegenwärtig wird der Betrieb von RESI durch systematisches Monitoring und kontinuierliche Betriebsoptimierung begleitet. Auf diese Weise können Annahmen überprüft, Wechselwirkungen identifiziert und die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Gebäudes transparent bewertet werden.
Gebäude tragen erheblich zum Energieverbrauch und den CO2-Emissionen bei, bieten aber gleichzeitig substanzielle Potenziale zur Reduktion von Ressourcenverbrauch und Emissionen. Der Bayerische Energiepreis würdigt Projekte, die innovative und übertragbare Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung entwickeln. RESI stellt ein Modellprojekt dar, das aufzeigt, wie sich Nachhaltigkeitsziele, Nutzerkomfort, Wirtschaftlichkeit und ein zukunftsfähiges Energiekonzept erfolgreich miteinander verbinden lassen. Sebastian Hölzlein fügte hinzu, dass nachhaltige Gebäude nicht mit der Planung abgeschlossen sind, sondern entscheidend sei, ob das Konzept auch im Betrieb beständig ist. Das Projekt dient als Lernobjekt, dessen Erkenntnisse standardisiert und auf weitere Projekte übertragen werden sollen. Die Auszeichnung unterstreicht ferner die Relevanz integrierter Planungs- und Betriebsansätze für eine umfassende Transformation des Gebäudesektors.




